Nach knapp 70 Jahren ruht der Betrieb

Kein Nachfolger gefunden: Morsumer Familien-Unternehmen muss aufgeben

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Ohne Pflanzen liegen die Gewächshäuser der Gärtnerei Richter in Morsum seit dem Herbst da.
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Nach rund 70 Jahren müssen sie aufhören: Der Gärtnereibetrieb des Morsumer Traditionsunternehmens Richter & Sohn GbR stellt seinen Betrieb ein. Der Familienbetrieb hat keinen Nachfolger.

Bereits seit Beginn dieses Jahres ruht der Gärtnereibetrieb des Morsumer Traditionsunternehmens Richter & Sohn GbR am Morsumer Eschweg. Im vergangenen Jahr verstarben erst Edelgard Richters Ehemann Bernd, dann sein Vater Wilfried. Und der Familienbetrieb, der in Saisonzeiten gut 20 Mitarbeiter beschäftigt hatte und auf 3,5 Hektar unter Glas – sprich Gewächshäuser – angewachsen war, hatte keinen Nachfolger.

Aus nach knapp 70 Jahren: Traditionsunternehmen schließt

Am 20. Mai findet eine Gärtnerei-Auktion statt, bei der Maschinen, diverse Fahrzeuge und Ausrüstung sowie Gärtnereibedarf für Profis und Privatleute versteigert werden.

Schweren Herzens berichten Marlene Richter und Schwiegertochter Edelgard davon, dass die letzten Pflanzen die Gärtnerei im Herbst verlassen haben. „Wir hatten leider keine andere Option und sind unseren Mitarbeitern sehr dankbar, die bis zum letzten Beschäftigungstag mit voller Energie zu uns gestanden und die Saison zu einem guten Abschluss gebracht haben“, so Edelgard Richter.

Edelgard und Marlene Richter vom Morsumer Traditionsunternehmen Richter & Sohn GbR.

Mit Stolz blickt die Familie Richter auf eine gut 70-jährige Firmengeschichte zurück: Begonnen hat alles 1954 mit ein paar Pflanzen und 30 Quadratmetern Eigenland, so Marlene Richter. „Wir haben damals bei null angefangen und den Betrieb mit viel Herzblut und Fleiß weiterentwickelt. Damals hatten wir noch viel Handarbeit zu erledigen, wie das Arbeiten mit der Schubkarre, das Gießen oder das Eintopfen. Im Laufe der Zeit erleichterten uns zunehmend Maschinen diese Aufgaben“, gibt die 85-Jährige rüstige Seniorin einen Einblick in den früheren und heutigen Alltag des Gärtnerberufs. Mit dem Eintritt des Sohnes Bernd und seiner Frau Edelgard verteilten sich dann die Aufgaben, und es blieb in einer Sieben-Tage-Woche auch mal Zeit für Hobbys und die große Leidenschaft für die Fußballer von Werder Bremen.

„Auch wenn wir im Laufe der Jahre mit verschiedenen Pflanzkulturen wie Schnittblumen, Chrysanthemen, Azaleen oder Weihnachtssternen gearbeitet haben, ist unsere Leidenschaft für Heidegewächse nie erloschen. Unsere Hauptkultur, die Erica gracilis (Glockenheide, Anm. d. Red.), hat uns über die gesamte Zeit begleitet“, so Edelgard Richter.

Die Gärtnerei wirtschaftete auf 3,5 Hektar unter Glas, plus deutlich mehr an Freiflächen.

Einen Privatverkauf habe es über all die Jahre nicht gegeben, wenngleich sich die eine oder andere Person zu Erntefestzeiten gerne mal Wagenschmuck am Feld besorgt habe, erzählt Marlene Richter mit einem Schmunzeln. Zu den Abnehmern der Gärtnerei zählten vielmehr Großkunden und floristische Fachbetriebe im In- und Ausland. Aus diesem Grund hatte Richter Blumen bis Anfang der 80er-Jahre sogar einen eigenen Stand auf dem Bremer Großmarkt. Später wurde der – im Verbund mit anderen Gärtnereien – mehrmals die Woche auf dem Großmarkt in Hamburg aufgebaut.

Sicher war der „Turmbau zu Morsum“ im Jahre 1979 eines der Firmenhighlights, erinnert sich Marlene Richter. Nicht wenige Einwohner Morsums waren damals extra früh aufgestanden, um dabei zu sein, als der 53 Meter hohe Schornstein aufgestellt wurde. Bereits von Weitem ist der schmale grüne Turm zu sehen, den die Presse damals schon als neues Wahrzeichen von Morsum bezeichnete.

„Besonders freut es uns, dass die Angestellten alle eine neue Beschäftigung gefunden haben, beziehungsweise in den wohlverdienten Ruhestand gegangen sind. Bedanken möchten wir uns nochmals herzlich bei den Nachbarn und der Bevölkerung der Gemeinde, die uns über all die Zeit mit großem Verständnis begegnet sind“, so Marlene und Edelgard Richter zum Abschluss.

Von Björn Lakemann

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