Unwetter zerstört Versuchsanstalt – Forscher werden um Jahre zurückgeworfen
VonEva Burghardt
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Die Flutwelle hat nicht nur Gebäude zerstört, sondern auch Jahre der Forschung ausgelöscht. Das Ausmaß des Schadens ist noch nicht absehbar.
Hann. Münden – Als die Flutwelle kam, riss sie Jahre mit sich. Etliche Forschungsdaten und Probenmaterial versanken im braunen Matsch. Wochen nach dem schweren Unwetter, das Anfang August über Hann. Münden in Niedersachsen wütete, ist der Schaden für die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) immer noch nicht absehbar. Fest steht nur: Er liegt in Millionenhöhe.
Forschungszentrum in Niedersachsen nach Unwetter und Erdrutsch schwer zerstört
In der Nacht vom 3. auf den 4. August gab es in der Region von Hann. Münden ein schweres Unwetter. Das Wetter in Niedersachsen hatte schwere Folgen für die NW-FVA, die unter anderem zu Trockenstress von Bäumen und deren Anpassung an den Klimawandel forscht. Die Forschungseinrichtung liegt an der Prof.-Oelkers-Straße und damit unterhalb eines bewaldeten Hanges und der Bundesstraße 80.
„Schwere Regenfälle überfluteten die Straße und die darunter liegenden Gebäude und führten zu Erdrutschen“, berichtet die NW-FVA. Dabei bildete sich eine Flutwelle aus Wasser und Schlamm, die den Hang herunterlief. Sie zerstörte die Büros und forstgenetischen Labore im Untergeschoss der Einrichtung.
Als das Wasser den Hang herunterfloss, versuchten Mitarbeiter der NW-FVA gemeinsam mit Einsatzkräften der Feuerwehr und dem THW noch, die Schlammmassen mit Sandsäcken aufzuhalten. Dadurch konnten größere Schäden noch verhindert werden. Trotzdem brachen Scheiben ein und in den Räumen stieg das Wasser bis auf eine Höhe von 1,60 Meter.
Die Höhe der Schäden nach dem Wetter-Chaos ist bislang noch unklar – liegt aber im Millionenbereich
Das Wasser zerstörte Möbel, Fenster, Türen und Fußböden. Was aber für das NW-FVA noch schwerer wiegt, ist wohl der Verlust von Laboreinrichtung, Geräten, Computern und nicht zuletzt von Forschungsdaten und Probenmaterial mehrerer Jahre. „In einigen Projekten wirft uns das um Jahre zurück“, sagt Aki Höltken, Sachgebietsleiter Waldgenressourcen, der tagesschau. Das sei besonders für Doktoranden bitter.
Nach der Einschätzung Höltkens können wohl zum Ende dieses bzw. Anfang des nächsten Jahres wieder Routineanalysen in der NW-FVA durchgeführt werden. Dann sind die Notlabore eingerichtet. Bis in Hann. Münden wieder wie vor der heftigen Flutwelle des Niedersachsen-Wetters geforscht werden kann, werde es hingegen noch Jahre dauern. Bis jetzt ist die Planung der neuen Labore noch nicht abgeschlossen. Deswegen ist auch noch unklar, wie hoch der Schaden ist.
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Er dürfte aber in Millionenhöhe liegen. Allein die Schäden an den technischen Geräten werden auf 350.000 bis 400.000 Euro geschätzt. Dafür kommen alle Trägerländer der NW-FVA gemeinsam auf, also Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.
Für den Neubau, der allein wohl millionenschwer sein wird, und die Instandsetzung des Gebäudes aus den 1970er Jahren muss das Land Hessen als Eigentümer aufkommen.
Glück im Unglück – Wassermassen verschonen wichtige Geräte der Forschungseinrichtung
Bei allen Verlusten gab es dennoch gute Nachrichten für die Forschenden. So blieb das Wasser in einem Raum wenige Zentimeter unterhalb zweier DNA-Sequenziergeräten stehen. Die sind üblicherweise jeden Tag im Einsatz. Forstwissenschaftler Aki Höltken sagt: „Wir haben sie schon durchgetestet, sie laufen tatsächlich noch. Das sind die ersten Analysegeräte, die wir wieder in Betrieb nehmen können.“
Eine Sicherheitstür hat außerdem verhindert, dass die Wassermassen in ein Labor eindringen konnten, das erst kürzlich für rund 1,8 Millionen Euro saniert wurde. In kleinen Gläsern stehen dort Versuchspflanzen, an denen bereits seit 20 Jahren geforscht wird. „Wenn die Glastür nicht gehalten hätte, wären viele Versuchsreihen, die Arbeit von mehreren Jahrzehnten, zunichte gewesen“, berichtet Aki Höltken.