Notfahrplan bleibt Dauerzustand im Kreis Verden

+
Die schöne neue Bahn-Herrlichkeit steht still, aktuell wird die Linie Verden-Rotenburg mit einem Busersatzverkehr versorgt.
  • schließen

Die Weser-Ems-Bus kann ihren reduzierten Fahrplan zuletzt halten. Aber bei der Bahn im Kreis Verden offenbaren sich neue Probleme.

Verden/Achim – Knapp ein Jahr nach den ersten Ausfällen ganzer Busverbindungen im Landkreis Verden sind die Ansprüche bescheidener geworden. Aktuell läuft im besonders betroffenen Linienbündel Verden Nord ein Notfall-Fahrplan, den der Betreiber, die Weser-Ems-Bus, aufgestellt hat. „Zurzeit stellen wir eine einigermaßen stabile Betriebslage fest. Zumindest in der zurückliegenden Woche ist es zu keinerlei Ausfällen auf den Strecken gekommen“, sagt Christof Herr, Geschäftsführer des Zweckverbandes Bremen-Niedersachsen (ZVBN). Für eine Entwarnung ist es indes zu früh. Weiterhin im Brennpunkt: Die Nordwestbahn, die seit dem Fahrplan-Wechsel im Dezember die Bahnlinie Verden-Rotenburg betreibt. Gegenwärtig stehen die neuen schönen Züge still, ein Busersatzverkehr ist eingerichtet. Der Auftraggeber, das Land Niedersachsen, der die Strecke über seine Landesnahverkehrsgesellschaft neu vergeben hat, er schäumt. „Aktuell behalten wir Zahlungen ein“, sagt Pressesprecher Dirk Altwig auf Nachfrage.

Immerhin: Der Notfahrplan der Weser-Ems-Bus im Nordkreis Verden konnte stabil eingehalten werden.

Das Kappen einer ganzen Bahnlinie fällt umso überraschender aus, als die Nordwestbahn eigentlich Kapazitäten hätte frei haben müssen. Da in Sebaldsbrück ein neuer Eisenbahntunnel gebaut wird, wurde ein beinahe stündlich verkehrendes Zugpaar auf der Strecke Verden-Bremen über lange Wochen in den Sommermonaten gekippt. Auch aktuell besteht dieses Angebot nicht. Wie es generell auf den Linien weitergeht, will das Osnabrücker Bahnunternehmen an den kommenden Tagen kommunizieren, teilt Pressesprecher Steffen Högemann auf Nachfrage mit.

Ursache für die neuerlichen Personalengpässe bei der Nordwestbahn ist offenbar ein aus dem Ruder gelaufenes Prüfergebnis für angehende Lokführer. Die Hälfte aller Aspiranten sei durchgerasselt, heißt es in übereinstimmenden Medienberichten. Beobachter sprechen sogar noch von einer höheren Durchfaller-Quote. Dabei geht es offenbar um Lokführer, die schon für aktuelle Dienstpläne eingeteilt waren. Eine Entwicklung, die wie berichtet bereits Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies auf den Plan gerufen hat. Lies sagte, es zeige sich hier ein grundsätzliches Problem bei der Fachkräftesicherung. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Prüfungen bei Lokführern so niedrigschwellig wie möglich ausfallen.

Bei den Öffi-Auftraggebern in Hannover sieht man die Lage zweigeteilt. „Einerseits fehlt Fachpersonal überall, ob Lokführer oder Zugbegleiter, das kann den Unternehmen nicht vorgeworfen werden“, sagt Altwig. „Grenzwertig aber ist die Informationspolitik der Nordwestbahn. Wir hätten uns schon gewünscht, früher informiert zu werden.“ Eine höchst unterschiedliche Entwicklung stelle er bei den schienengebundenen Anbietern fest. „Die Westfalenbahn kommt ohne Zugausfälle über die Runden.“

Auch bei den Buslinien fallen deutliche Unterschiede bei der Zuverlässigkeit ins Auge. Während im Raum Achim/Verden von den Linienbündeln Ost mit der Allerbus in Verden und dem Umland und Süden mit von Rahden vorrangig in Thedinghausen wenig Klagen an die Öffentlichkeit gelangen, entwickelt sich das Linienbündel Nord mit Achim, Oyten, Ottersberg und Teilen Langwedels zum Dauer-Sorgenkind. Längst geht es um elementare Dinge, es geht um die Kündigung des Anbieters, der Weser-Ems-Bus. „Alle Unternehmen haben aktuell ihre Personal-Schwierigkeiten, das muss man einfach sehen“, sagt Christof Herr. Mit der Weser-Ems-Bus befinde man sich aber intensiver im Gespräch. Das könne bis zur Kündigung gehen. Über den aktuellen Stand könne er mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine Angaben machen.

Das Ziel sei jedenfalls eine Rückkehr zum Normalprogramm, und das möglichst rasch. Wie schon die Eisenbahner hoffe auch der Bus-Auftraggeber ZVBN auf gewisse Lockerungen bei der Ausbildung. Dies aber nicht bei den Fahr- und Theoriestunden oder der Prüfungs-Intensität, dies eher bei den Zugangsvoraussetzungen. Herr: „Die kommende Busfahrer-Generation wird ihre Herkunft durchaus im Ausland haben. Heißt also, es dürfen nicht nur deutsche Fahrlizenzen als Voraussetzung akzeptiert, es können ja vielleicht auch europäische Führerscheine anerkannt werden.“

Kommentare