Die Straßenbahnen der Üstra in Hannover bleiben heute im Depot: Es ist Streiktag.
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Arbeitskampf und Demos für das Klima: Die Gewerkschaft Verdi und Fridays for Future haben für Freitag gemeinsam zu Streiks und Protesten aufgerufen. Vielerorts wird der öffentliche Nahverkehr deshalb stillstehen.
Hannover – Was die Streikenden genau fordern und welche Landkreise betroffen sind, erzählt Verdi-Sprecher Tobias Morchner im Gespräch mit der Kreiszeitung.
Warum haben sich Gewerkschaft und Fridays for Future zusammengetan?
„Das geht gut Hand in Hand“, sagt Verdi-Sprecher Tobias Morchner. Beide Organisationen fordern, dass der Nahverkehr gestärkt und ausgebaut wird. Das sei wichtig für die Beschäftigten, aber auch für den Kampf gegen den Klimawandel und die Mobilitätswende. Verdi kritisiert, dass es unter den aktuellen Arbeitsbedingungen schwierig ist, Personal zu halten. Teilweise erhielten etwa Beschäftigte bei demselben Arbeitgeber in einem anderen Bundesland deutlich weniger Lohn als ihre Kollegen, sagt Morchner. Bundesweit beobachtet die Gewerkschaft, dass so viele Neueinsteiger wie noch nie ihren Job nach kurzer Zeit wieder kündigen.
Weshalb ist gestern schon gestreikt worden?
Die Gewerkschaft Verdi verhandelt derzeit in zwei Tarifkonflikten für den Bereich des öffentlichen Nahverkehrs: mit dem Arbeitgeberverband Nahverkehr (AVN) und den Arbeitgebern des öffentlichen Diensts. Gestern legten die AVN-Beschäftigten unter anderem bereits in Hoya und Verden die Arbeit nieder. Sie wollen sich heute den streikenden Kolleginnen und Kollegen aus dem öffentlichen Dienst anschließen.
In welchen Städten in der Region wird gestreikt?
In Bremen und Hannover steht der öffentliche Nahverkehr heute komplett still. In Osnabrück werden einzelne von der RVM betriebene Busverbindungen ausfallen. In Oldenburg und Vechta fahren die Busse regulär.
Wie sieht es in den Landkreisen aus?
Als Faustregel gilt laut Verdi-Sprecher Morchner: Wo gestern nichts fuhr, wird auch heute nichts fahren.
Wo will Fridays for Future heute demonstrieren?
Fridays for Future hat in der Region Proteste in Achim, Bruchhausen-Vilsen, Diepholz, Verden, Visselhövede und in Bremen, Oldenburg und Vechta angekündigt.
Wird der Zugverkehr auch bestreikt?
Nein, sagt Benjamin Havermann, Sprecher der Nordwestbahn (NWB): „Wir werden nicht betroffen sein.“ Da Verdi nur die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zum Streik aufrufe, sei das beim Privatunternehmen NWB kein Thema. Auch die Züge der Deutschen Bahn verkehren nach Fahrplan.
Ist es sinnvoll, für die Mobilitätswende den klimafreundlichen Nahverkehr zu bestreiken?
In den Städten seien beim letzten Streik viele Menschen aufs Fahrrad umgestiegen, sagt Gewerkschafter Morchner. Verdi rufe auch dazu auf, Mitfahrgelegenheiten zu bilden oder, wenn möglich, von zu Hause aus zu arbeiten. „Es geht um einen Tag, ich glaube, das kriegt man hin.“
