VonJohannes Nußschließen
Die Hafenwirtschaft in Norddeutschland erhöht den Druck auf die Politik: Elbe und Weser müssen vertieft werden, auch die Infrastruktur im Landesinneren hat Probleme.
Bremen/Hamburg – Es geht viel zu langsam voran, findet die Deutsche Hafenwirtschaft. Sei es der Ausbau der Hinterlandanbindung der Häfen, seien es die Bundeswasserstraßen oder die Vertiefung von Elbe und Weser. Dabei könne Deutschland durchaus auch anders, konstatierte die Hafenwirtschaft mit Blick auf das LNG-Terminal in Wilhelmshaven in Niedersachsen an der Nordseeküste am Mittwoch in Hamburg während einer Pressekonferenz.
Demzufolge hat die Deutsche Hafenwirtschaft von der Politik auch deutlich mehr Engagement beim Ausbau und Erhalt der Infrastruktur gefordert.
„Wir erwarten vom Bund eine deutlich ehrgeizigere und strategischere Hafenpolitik, die unserer nationalen und europäischen Bedeutung gerecht wird. Unsere Nachbarländer kaufen uns, was das angeht, deutlich den Schneid ab“, sagte der Präsident des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Frank Dreeke, am Mittwoch. Die nationale Hafenstrategie des Bundes sei ein guter Schritt in die richtige Richtung. Sie müsse aber schnell entwickelt und auch umgesetzt werden.
800 Millionen Euro teure Vertiefung der Elbe steht vor dem Aus
Dreeke, der auch Chef des Hafenbetreibers BLG in Bremen ist, wies in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit der Vertiefung von Elbe und Weser hin – vor allem mit Blick auf die angedachte zukünftige Zusammenarbeit der Norddeutschen Seehäfen. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass die 800 Millionen Euro teure Vertiefung der Elbe vor dem Scheitern stehen könnte. Wie es während der Pressekonferenz hieß, verschlicke der Fluss wieder an etlichen Stellen.
Die deutschen Seehäfen seien aber auf eine gute Infrastruktur im Hinterland angewiesen, sagte Dreeke. „Es ist daher unsere klare Erwartung, dass öffentliche Infrastruktur bedarfsgerecht und im Sinne der Klimaziele ausgebaut und dass die bestehende Infrastruktur auch instandgehalten wird.“ Die Hafenwirtschaft begrüße, dass Bund und Bahn das Baustellenmanagement überarbeiteten und mit den Hochleistungstrassen ein neues Konzept verfolgten. Entsprechend erwarte der ZDS, dass auch das Dreieck Hamburg, Bremen, Hannover rasch als Hochleistungskorridor grundsaniert wird.
Hafenwirtschaft erhöht bei Vertiefung von Elbe und Weser Druck auf Politik: Ausbau der Bahninfrastruktur zu langsam
Bis 2040 solle ein Viertel des Güterverkehrs auf der Schiene abgewickelt werden, erinnerte Dreeke. Dazu müssten beim Ausbau der Bahninfrastruktur aber endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht werden. Auch beim Ausbau der Wasserstraßen gebe es Defizite. Das betreffe nicht nur die Elbe, sondern auch die Weser, den Nordostsee-Kanal und den Strelasund in der Ostsee, sagte Dreeke.
Er verwies auf das LNG-Terminal in Wilhelmshaven, das wegen der akuten Energiekrise innerhalb von nur 187 Tagen so weit gebaut worden sei, dass dort nun Schiffe anlegen könnten: „Das hat gezeigt, dass es geht in Deutschland.“ Das könnte ein Vorbild auch für die Bahn, den Straßenbau und die Bundeswasserstraßen sein. „Wir sind auch gerne bereit 365 Tage zu erlauben, aber es muss einfach schneller gehen“, so Dreeke. Bislang können für Planungen speziell bei Bahnprojekten Jahre bis Jahrzehnte ins Land gehen.
Vertiefung von Elbe und Weser: Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg machen Hafenwirtschaft zu schaffen
Die Corona-Pandemie, aber auch der Ukraine-Krieg haben der Hafenwirtschaft zu schaffen gemacht. Entsprechend sei es erfreulich, dass die Umschlagsmengen der deutschen Seehäfen im ersten Halbjahr nur um 0,5 Prozent auf 141,9 Millionen Tonnen gesunken seien, sagte Dreeke. Im Passagierverkehr habe es sogar ein Plus von 141 Prozent auf 11,5 Millionen Menschen gegeben, die ein- oder ausgestiegen seien. Dreeke räumte jedoch ein, dass der große Zuwachs von den coronabedingt extrem niedrigen Zahlen im Jahr zuvor herrühre.
„Wir verurteilen den menschenverachtenden und völkerrechtswidrigen Krieg. Selbstverständlich tragen wir die verhängten Sanktionen mit“, konstatierte Dreeke mit Blick auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Er gehe davon aus, dass es wegen des Kriegs über das gesamte Jahr gesehen zu einem Rückgang beim Warenumschlag kommen könne. In der Kreuzfahrt würden bereits viele beliebte Routen nicht mehr angeboten, etwa ins russische St. Petersburg. (mit Material der dpa)
