CDU-Herausforderin: Vivian Tauschwitz will den Wahlkreis von SPD-Chef Klingbeil gewinnen

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Vivian Tauschwitz ist 29 Jahre alt und wohnt in Bispingen im Heidekreis. Sie will sich kommenden Jahr bei der Bundestagswahl das Direktmandat im Wahlkreis gewinnen.
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Vivian Tauschwitz tritt als Herausforderin im Wahlkreis gegen den SPD-Parteichef Klingbeil an. Ihre Ambitionen sind hoch, die Herausforderung enorm.

Bispingen/Rotenburg – Die politische Herausforderung könnte kaum größer sein. Lars Klingbeil ist SPD-Parteichef, einer der beliebtesten Politiker Deutschlands, er sitzt seit 2009 dauerhaft im Bundestag und hat 2017 und 2021 das Direktmandat im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ mit komfortablen Mehrheiten geholt. Im Herbst 2025 wird der neue Bundestag gewählt. Die Partei, der in der Region die größten Chancen zugerechnet werden, Klingbeil zu Fall zu bringen, dürfte ohne Zweifel die CDU sein. Die hatte ihren Mitgliedern bis zum 31. Mai Zeit gegeben, Kandidaten für den Wahlkreis zu präsentieren. Eine hat sich offiziell gemeldet: Vivian Tauschwitz aus Bispingen.

„Ich meine es ernst“, sagt Tauschwitz und lacht. Die 29-Jährige ist im Wahlkreis die einzige Kandidatin der Christdemokraten, die ins Rennen um das Direktmandat einsteigen will. Im Nordkreis Rotenburgs, der zusammen mit Stade einen Wahlkreis bildet, waren es zuletzt vier. Dort gilt das Mandat als Nachfolge von Oliver Grundmann, der sich nicht wieder zur Wahl stellt, für die CDU aber auch als einigermaßen sicher. Nicht so im Südkreis Rotenburgs zusammen mit dem Heidekreis. Aber ja, ihr Ziel sei schon klar: „Ich will direkt in den Bundestag gewählt werden.“

Klingbeil hofft auf respektvollen Umgang im Wahlkampf

„Ich bitte um Verständnis, dass ich mich zu internen Entscheidungen der CDU nicht äußere“, sagt Bundestagsmandatsinhaber Lars Klingbeil zu einem möglichen Duell im Wahlkampf mit Vivian Tauschwitz. Der 46-Jährige betont dagegen, dass bei den vergangenen Wahlkämpfen die Vertreter aller demokratischen Parteien immer fair miteinander umgegangen seien. 2021 standen sieben Kandidaten auf den Wahlzetteln. Er werde alles dafür tun, dass dieser respektvolle Umgang bewahrt werde. Klingbeil: „Gerade in diesen polarisierten Zeiten ist wichtig, dass Demokratinnen und Demokraten fair miteinander umgehen.“

Im Frühjahr 2025 werde die SPD im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ die Nominierungsveranstaltung für die Bundestagswahl durchführen. Noch sei „nicht die Zeit für Bundestagswahlkampf. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit als Abgeordneter für meine Heimat und als Parteivorsitzender für die SPD im Bund“, so Klingbeil. Dass er wieder kandidiert, sei aber klar: „Wer mich kennt, weiß dass mir meine Heimat sehr wichtig ist, ich hier fest verankert bin und ich meine Energie gerade in den vergangenen Jahren nutzen konnte, um für den Wahlkreis viel zu erreichen. Diesen Weg möchte ich gerne gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern fortsetzen.“

Dabei ist Tauschwitz selbst innerhalb der CDU bislang nicht allen bekannt. Politisch hat die gebürtige Flensburgerin über ihren Beruf zu den Christdemokraten gefunden. Nach dem Abi geht sie 2015 zur Bundeswehr, absolviert Stationen unter anderem in Munster, Dresden und Lüneburg. Tauschwitz studiert Politikwissenschaften, Internationale Beziehungen und Rechtswissenschaften, legt zwei Abschlüsse ab. Ein Pflichtpraktikum im Studium absolviert sie bei der CDU-Harburg und arbeitet auch mit dem damaligen Bundestagsabgeordneten Marcus Weinberg zusammen. „Ich habe mir alle Parteiprogramme angeschaut“, sagt sie. „Ich war am nächsten bei der CDU.“

2018 tritt sie in die Partei ein. Für die CDU sitzt sie im Wirtschaftsausschuss im Bispinger Gemeinderat, arbeitet in verschiedenen Parteigremien auf Gemeinde- und Kreisebene, bei der Jungen Union und der Frauen-Union. Ein Mandat hat sie bislang nicht errungen. „Aber ich bin jetzt bereit“, sagt sie trotzdem zielorientiert. Schon 2021 hatte sie über eine Bundestagskandidatur nachgedacht. Die CDU entschied sich im Wahlkreis für Carsten Büttinghaus – der verlor gegen Klingbeil mit 26 zu 48 Prozent der Erststimmen.

 Unser Wahlkreis wäre besser repräsentiert, wenn es nicht ein Parteivorsitzender wäre.

Vivian Tauschwitz

Tauschwitz lebt mit ihrem Mann Matthias – auch Soldat – in Bispingen. Und so überrascht es nicht, dass die 29-Jährige Sicherheitspolitik zu einem ihrer Schwerpunkte machen will, wenn sie denn von den Parteimitgliedern bei der offiziellen Abstimmung am 18. September auch tatsächlich zur Kandidatin gekürt wird.

Klingbeil wird die Nähe zum Thema durch seine Familie und Herkunft im Heidekreis zwar auch zugesprochen, auch wurde er schon als Kandidat für den Posten des Verteidigungsministers gehandelt, aber Tauschwitz sagt selbstbewusst: „Es wäre gut, wenn sich jemand aus der ersten Reihe einsetzt und nicht nur aus der zweiten.“ Manches hätte auf Bundesebene intensiver angegangen werden müssen, nicht nur für die Soldaten, sondern auch für die Region. „Unser Wahlkreis wäre besser repräsentiert, wenn es nicht ein Parteivorsitzender wäre“, sagt sie. Das wären dann zu viele Aufgaben, durch die man den Blick auf die Region verliere.

Der Wahlkreis

Der Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ ist einer von 30 in Niedersachsen und umfasst das Gebiet des Heidekreises und der Rotenburger Altkreis-Kommunen Rotenburg, Scheeßel, Visselhövede, Sottrum, Bothel und Fintel. Rund 215 000 Menschen leben in diesem Gebiet, zwei Drittel der Wahlberechtigten stammen aus dem Heidekreis. Lars Klingbeil hat den Wahlkreis 2017 und 2021 direkt gewonnen, zuvor hatte er zweimal gegen Reinhard Grindel (CDU) verloren, war aber dennoch über die Parteiliste in den Bundestag eingezogen. Ingeborg Hoffmann (CDU) aus Walsrode war bis 1990 die letzte Frau, die den Wahlkreis direkt gewonnen hatte.

Tauschwitz ist Offizierin, im vergangenen Jahr gehörte sie in der Kompanieführung zu den letzten Kontingenten im Mali-Einsatz bei der Heeresaufklärungstruppe. Demnächst wechselt sie nach Lüneburg in den Stab Militärische Sicherheit. Diesen Beruf womöglich nach der Wahl zumindest auf Zeit aufgeben zu müssen, sei kein Problem. So, wie sie sich jetzt bei der Bundeswehr für Deutschland einsetze, so wolle sie sich auch als Politikerin fürs Land engagieren. Angesichts von Krieg und anderer Bedrohungen betont sie: „Ich diene aus ganzem Herzen Deutschland.

Unser demokratisches System ist weltweit etwas Besonderes, das muss verteidigt werden.“ Aber Deutschland sei noch nicht da, wo es angesichts der geopolitischen Lage sein müsste: „Wir müssen mehr Fahrt aufnehmen.“ Und dafür könnte der Wahlkreis „besser vertreten“ werden, sagt sie. Wenn man die besseren Argumente und Ideen hat, sei eine Kandidatur auch gegen politische Schwergewichte wie Klingbeil durchaus aussichtsreich. Zumal, sagt sie mit einem Blick auf die Wahlkreis-Geschichte: „Hier wird es mal wieder Zeit für eine Frau.“

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