Tierseuche

„Mittelschwere Katastrophe“: Vogelgrippe in Niedersachsen trifft viele Jungstörche

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Die Vogelgrippe in Niedersachsen wütet in diesem Jahr extrem. Storchenpfleger schlagen Alarm: Weniger als ein Drittel der Jungstörche hat überlebt.

Berne – Die Vogelgrippe in Niedersachsen schlägt in diesem Jahr in einer nie dagewesenen Intensität zu. Seit 1. Juli 2022 mussten nach Angaben des Agrarministeriums in Hannover in Niedersachsen aufgrund der Vogelgrippe mehr als eine halbe Million Tiere getötet werden. Tierschützer schlagen bereits seit Wochen Alarm und sehen Bestände von Wildvögeln stark bedroht. Erst im August wurden auf dem Minsener Oog (Landkreis Friesland) in Niedersachsen 3000 tote Brandseeschwalben entdeckt. Jetzt schlagen die Mitarbeiter der Storchenpflegestation Wesermarsch Alarm: Die Vogelgrippe wütet unter den Jungstörchen. Es gibt so viele tote Tiere, wie noch nie.

Vogelgrippe in Niedersachsen hat Bruterfolg bei Jungstörchen im Nordwesten erheblich verschlechtert

Die über den Sommer anhaltende Vogelgrippe-Epidemie hat den Bruterfolg bei Jungstörchen im Nordwesten Niedersachsens deutlich verschlechtert, berichtet die Nachrichtenagentur dpa am Montagmorgen. Dieses Jahr hätten sich daher in den vergangenen Wochen deutlich weniger Störche auf den Weg in ihre Winterquartiere Richtung Süden gemacht, sagte der Leiter der Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne, Udo Hilfers.

Die Vogelgrippe schlägt in diesem Jahr in Niedersachsen besonders hart zu: Jungstörche sind stark betroffen. (Archivbild)

Noch gebe es keine vollständigen Zahlen zum Ausmaß der Vogelgrippe in Niedersachsen unter der Storchenpopulation. Laut Hilfers sollen aber weniger als ein Drittel der nun geborenen Jungtiere in der Wesermarsch das Virus überlebt haben. Mehr als 200 Paare brüten jedes Jahr in der Region.

Bereits Ende August wurde ein Ausbruch auch im Landkreis Oldenburg nachgewiesen. Auch im Landkreis Diepholz wütet die Geflügelpest.

„Das war eine mittelschwere Katastrophe“, sagte Hilfers. Ungewöhnlich sei in diesem Jahr, dass das Virus nach der heftigen Winterwelle auch im Sommerhalbjahr in Norddeutschland grassiert. „Die Vogelgrippe war permanent den ganzen Sommer da und hat dieses Mal die Störche erwischt.“

Zwischen Nordseeküste und Dümmer sind viele Störche an der Vogelgrippe in Niedersachsen erkrankt

Zwischen Nordseeküste und Dümmer seien viele Störche an dem hochansteckenden Virus erkrankt und gestorben. An der Küste führte die Vogelgrippe laut Experten in diesem Sommer auch in den Seevogelkolonien in der Nordsee zu großen Verlusten.

Dabei hätten die Vorzeichen gerade für die Aufzucht von Jungstörchen in diesem Jahr gut gestanden, sagte Hilfers. 2019, als die Bedingungen ebenso gut waren, seien viele Jungstörche geboren worden. Nach drei Jahren, also 2022, würden die meisten Störche anfangen zu brüten.

„In diesem Jahr sind sehr viele dieser Störche zurückgekehrt und haben sich neue Brutplätze gesucht. Das war sehr positiv“, sagte Hilfers. Nahrung sei vorhanden gewesen und auch Nässe oder Kälte habe die Aufzucht in diesem Sommer nicht gestört. Dann habe aber die Vogelgrippe in Niedersachsen sowohl Jung- als auch Elterntiere erfasst. „Das war vorher noch nie so ein Problem“, meinte der Experte.

Storchenpflegestation Wesermarsch nahm in Folge der Vogelgrippe in Niedersachsen weniger Störche auf

Der Großteil der Störche hat sich nun bereits im August auf den Weg gen Süden, nach Afrika und auch Spanien gemacht. Der Weißstorch zieht in wärmere Gefilde, der Nachwuchs zuerst. In der Wesermarsch sind laut Hilfers nur noch einige Nachzügler unterwegs, die in diesen Tagen aufbrechen. Es gebe aber auch Störche, etwa aus Skandinavien und Schleswig-Holstein, die nur bis in den Norden Niedersachsens zögen und dort überwintern, sagte Hilfers. In milden Wintern reiche das Nahrungsangebot dann aus.

Die Storchenpflegestation Wesermarsch nahm in der Folge der Vogelgrippe in Niedersachsen in diesem Sommer weniger Störche zur Pflege und Aufzucht auf – aus Sorge, die hochansteckende Krankheit in die Station einzuschleppen. (mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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