Niedersachsen-Wahl 2022

Niedersachsen-Wahl: Was die Ergebnisse für den Bund bedeuten

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Die Ergebnisse der Landtagswahl haben Einfluss auf den Bund. Je nach Ausgang könnte die Ampel an Halt verlieren. Es ist ein Stimmungstest für die Koalition.

Hannover – Niedersachsen wählt – doch wer wird nach der Niedersachsen-Wahl 2022 Ministerpräsident? Bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2022 in Deutschland will der amtierende Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) seine nächste Amtszeit sichern. Herausforderer Bernd Althusmann, Spitzenkandidat der CDU, will das verhindern und dem Bundesland mit einer CDU-geführten Regierung neuen Schwung bringen. Seine Kritik: Weil ist amtsmüde – doch dieser denkt gar nichts ans Aufhören. Die Ergebnisse der Wahl in Niedersachsen sind zweifelsohne für das Bundesland richtungsweisend, doch die Auswirkungen für den Bund könnten gewaltig sein. Alle Entwicklungen zur Niedersachsen-Wahl 2022 im Liveticker. Die ersten Ergebnisse der Landtagswahl in Niedersachsen werden um kurz nach 18:00 Uhr erwartet.

Niedersachsen-Wahl Ergebnis: Stimmungstest für die Ampel in Berlin

Noch bevor am Wahlsonntag, dem 9. Oktober, die Wähler bei der Niedersachsen-Wahl 2022 an die Wahlurne schritten oder erste Ergebnisse der Niedersachsen-Wahl vorlagen, zeigte die Präsenz der deutschen Politikprominenz im Endspurt des Wahlkampfes, welche Bedeutung die Wahl in Niedersachsen auch in Berlin spielt. Am Freitag und Samstag vor der Wahl reisten unter anderem Olaf Scholz (SPD), Friedrich Merz (CDU) und Christian Lindner (FDP) nach Niedersachsen, um die letzten Wählerstimmen zu mobilisieren. Fest steht: Die Landtagswahl in Niedersachsen ist zugleich auch ein Stimmungstest für die Ampel. Ergebnisse, Prognosen und Entwicklungen lesen Sie live bei kreiszeitung.de.

Wollen jeweils die Niedersachsen-Wahl 2022 gewinnen: Stephan Weil und Bernd Althusmann. Das Ergebnis der Landtagswahl ist auch ein Stimmungstest für die Ampel.

Wer gewinnt die Wahl: das Ergebnis der Niedersachsen-Wahl live. Dass die Niedersachsen-Wahl 2022 auch eine bundespolitische Relevanz hat, liegt unter anderem an dem möglichen Ergebnis der Wahl in Niedersachsen und den gesetzten Themen im Wahlkampf. Denn: Je nach Ausgang der Wahl könnte die Arbeit der Bundesregierung beeinflusst werden – positiv oder negativ. Inmitten der Gaskrise sind die Themen nämlich von großer Tragweite. Mit dem AKW Emsland ist Niedersachsen direkt von der Debatte um einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke betroffen.

Was die Niedersachsen-Wahl 2022 und die Ergebnisse für die Ampel bedeuten

Fast jede Bundespartei kann durch die Wahl in Niedersachsen und das erste Ergebnis gewinnen oder verlieren. Während die Ampel-Koalition auf Bundesebene seit Wochen inmitten der Energiekrise in Deutschland über Versorgungssicherheit, Energieversorgung oder Entlastungspakete streitet, ist es zumindest wohl im Interesse von SPD, Grüne und FDP, dass alle drei Parteien bei der Niedersachsen-Wahl 2022 möglichst gute Ergebnisse verzeichnen wollen. Die Prognosen vor der Landtagswahl sahen zumindest für die FDP in diesem Zusammenhang schlecht aus. Die Liberalen in Niedersachsen kämpften seit Wochen mit der Fünf-Prozent-Hürde und zittern um den Einzug in den niedersächsischen Landtag.

Sollten die ersten Ergebnisse der Niedersachsen-Wahl 2022 zeigen, dass die FDP nicht über die fünf Prozent gekommen ist, schwächt dies gleichermaßen die Liberalen auf Bundesebene: Die FDP wäre in der Folge nur noch in zehn Landtagen vertreten und das könnte dramatische Auswirkungen für die Ampel-Regierung von Olaf Scholz annehmen. Denn eine wankende FDP könnte schlussendlich den Zusammenhalt und die Schlagkraft der Bundesregierung schwächen. „Sollte die FDP den Einzug in den Landtag nicht schaffen, wird es auch für uns schwieriger mit denen“, hießt es vor der Wahl von den Bundesgrünen.

Stimmungstest für die Ampel: Ergebnisse der Wahl in Niedersachsen könnten richtungsweisend sein

Während die FDP in Niedersachsen wohl mit banger Erwartung auf die ersten Ergebnisse der Niedersachsen-Wahl blickt, sonnt sich die SPD-Landespartei seit Wochen im Glanz des ersten Platzes in den Wahlumfragen zur Landtagswahl. Der amtierende Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und die niedersächsischen Sozialdemokraten liegen damit je nach Umfrageinstitut teilweise deutlich vor der CDU. Schlussendlich könnte Weil die Wiederwahl zum Ministerpräsidenten gelingen – nachdem er sein Wunschbündnis mit den Grünen eingegangen ist. Über eine solche Zustimmung würde sich die Ampel auf Bundesebene derzeit womöglich freuen – ein positiver Stimmungstest bei der Niedersachsen-Wahl 2022 könnte dennoch für Olaf Scholz von Vorteil sein.

Stephan Weil würde mit einem Wahlsieg bei der Niedersachsen-Wahl 2022 eine Abkehr vom Bundestrend im Jahr 2022 gelingen: Abgesehen von der Landtagswahl im Saarland triumphierte die CDU teilweise deutlich vor der SPD. Sollten die Ergebnisse der Wahl in Niedersachsen zeigen, dass die SPD die Landtagswahl gewinnt, wäre es am Ende nicht nur ein Erfolg für Stephan Weil, sondern auch für den Kanzler: Denn der Ministerpräsident von Niedersachsen hat zum 1. Oktober den Posten des Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) übernommen. Sollte das Amt in SPD-Hand bleiben, kann sich Scholz einem starken Verbündeten gewiss sein.

Erste Ergebnisse der Niedersachsen-Wahl: Rückenwind oder Absturz für die Ampel?

Die SPD hofft durch die Ergebnisse der Niedersachsen-Wahl auf Rückenwind, die Grüne steht derweil vor großen Herausforderungen. Während die Stammwähler der Partei Sturm laufen gegen den neuen Kurs, müssen die Mitglieder den Balanceakt zwischen der gegenwärtigen Krisen und alten Idealvorstellungen meistern. Dass dies im Wahlkampf zur Niedersachsen-Wahl 2022 Federn kostet, zeigten die Umfragen der vergangenen Wochen: Die Grüne verlor deutlich an Umfragewerten. Das lag mutmaßlich auch an der Arbeit der grünen Politiker auf Bundesebene.

In Niedersachsen kann die Grüne im Gegenteil zur FDP vom Einzug in den Landtag ausgehen. Sollten die Liberalen allerdings die 5-Prozent-Hürde überwinden, könnte auch ein Jamaika-Bündnis infrage kommen – ein bekennendes Ziel von Spitzenkandidat Stefan Birkner. Sollte die Koalition so zustande kommen, wäre sie ein starker Gegenentwurf zur Bundesregierung. Klar ist: Wer die Wahl in Niedersachsen gewinnt, beeinflusst auch die künftige Bundespolitik. Wie in Niedersachsen schlussendlich gewählt wurde, zeigt die interaktive Karte zur Niedersachsen-Wahl 2022 mit allen Ergebnissen auf einen Blick.

Niedersachsen-Wahl 2022: Ministerpräsident Weil will Triumph für SPD holen

Wenn die ersten Ergebnisse der Wahl in Niedersachsen einen Sieg der SPD sowie den Verbleib der FDP im niedersächsischen Landtag zeigen, ist dies also für die Ampel-Regierung im Bundestag ein Grund zur Freude. Gleichermaßen würde eine Wahlniederlage auch Schatten in die Hauptstadt werfen. Kurz vor der Niedersachsen-Wahl 2022 monierte Weil gegenüber seines Herausforderers, dass dieser kein Landeswahlkampf, sondern einen Bundeswahlkampf betrieben hätte. Unrecht hat der SPD-Politiker damit nicht. Bernd Althusmann nutzte in den vergangenen Wochen die Unsicherheit und den Unmut der Bürger wegen der Energiekrise in Deutschland, um die Position der CDU zu stärken.

Gleichzeitig kreidete Althusmann die vermeintlichen Fehler der Bundesregierung an. Sollte der CDU-Spitzenkandidat damit die Ergebnisse der Landtagswahl in Niedersachsen zu seinen Gunsten beeinflusst haben, gibt das der Union auf Bundesebene nicht nur Rückenwind. Künftig wäre es auch schwerer, bei Abstimmungen im Bundesrat Mehrheiten zu finden. Die oppositionelle Union würde durch einen Ministerpräsidenten eines Flächenlandes deutlich an Einfluss gewinnen. Natürlich vorausgesetzt, es gelingt Althusmann mit den Grünen in Niedersachsen eine gemeinsame Linie zu finden. Alle großen Parteien in Niedersachsen hatten zur Niedersachsen-Wahl 2022 eigene Kandidaten aufgestellt, um ihre Interessen zu vertreten.

Debatte über Atomkraft in Niedersachsen: Ergebnisse der Landtagswahl könnten Problem aufzeigen

Abgesehen davon, dass die Ergebnisse der Niedersachsen-Wahl die Machtgefüge in Deutschland verschieben könnten, könnten die drängendsten Themen in Deutschland neue Dynamik erfahren. CDU-Spitzenkandidat betonte im Wahlkampf immer wieder die Bedeutung der Atomkraft für Niedersachsen. Seiner Ansicht nach würde kein Weg daran vorbeiführen, die verbleibenden Atommeiler weiterzubetreiben. Stephan Weil hingegen will an dem Ausstieg aus der Atomenergie festhalten – das AKW Emsland in Niedersachsen soll daher planmäßig vom Netz gehen.

Alle niedersächsischen Ministerpräsidenten in einer Fotostrecke

Der erste niedersächsische Ministerpräsident war Hinrich Wilhelm Kopf
Der erste niedersächsische Ministerpräsident war Hinrich Wilhelm Kopf. Von 1946 bis 1955 und nochmal von 1959 bis 1961 führte er das höchste Amt des gerade neu gegründeten Landes Niedersachsen aus. © Reinhold Leßmann/dpa
CDU-Politiker und Ministerpräsident Niedersachsens Heinrich Hellwege
Der CDU-Politiker Heinrich Hellwege löste Kopf zwischenzeitlich als Ministerpräsident ab. Von 1955 bis 1959 war Hellwege an der politischen Spitze Niedersachsens. © Rust/imago
Georg Diederichs ehemaliger niedersächsischer Ministerpräsident
Georg Diederichs füllte die Position des niedersächsischen Ministerpräsidenten von 1961 bis 1970 aus. Zur Zeit des Nationalsozialismus kämpfte er als Widerstandskämpfer gegen den ehemaligen NS-Staat. © Rust/imago
Der frühere niedersächsische Ministerpräsident (1970-1976) Alfred Kubel (SPD)
Der frühere niedersächsische Ministerpräsident (1970-1976) Alfred Kubel (SPD), aufgenommen 1989 mit seinem Buch „In der Pflicht des klaren Wortes“. © Wolfgang Weihs/dpa
14 Jahre lang war Ernst Albrecht Ministerpräsident von Niedersachsen
14 Jahre lang war Ernst Albrecht Ministerpräsident von Niedersachsen. © Jochen Lübke/dpa
Gerhard Schröder ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen und Bundeskanzler
Von 1990 bis 1998 übte Gerhard Schröder das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten aus. Nach seiner Zeit als Ministerpräsident wurde Schröder 1998 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. © Kay Nietfeld/dpa
Georg Glogowski Ministerpräsident Niedersachsen und Boris Pistorius
Eine relativ kurze Amtszeit hat Georg Glogowksi (r.) vorzuweisen. Vom 28. Oktober 1998 bis zum 15. Dezember 1999 fungierte er als Ministerpräsident als Nachfolger zum beförderten Bundeskanzler Gerhard Schröder. Aufgrund von anhaltenden Vorwürfen trat er von seiner Position zurück. Links ist Boris Pistorius, derzeitiger Minister für Inneres und Sport in Niedersachsen, zu sehen. © Holger Hollemann/dpa
Sigmar Gabriel ehemaliger niedersächsischer Ministerpräsident
Nachdem Glogowski in die Kritik durch verschiedene Vorwürfe geraten ist, übernahm Sigmar Gabriel den Posten des Ministerpräsidenten. Diesen hielt er von 1999 bis 2003 inne. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Christian Wulff ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen und Bundespräsident
Christian Wulff übernahm im Jahr 2003 den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen. Der gebürtige Osnabrücker war von 2010 bis 2012 zudem Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Im Zuge der „Wulff-Affäre“ trat er im Februar 2012 von all seinen politischen Posten zurück. © Peter Steffen/dpa
David McAllister ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen
Der erste deutsche Ministerpräsident mit doppelter Staatsbürgerschaft war David McAllister. Er besitzt zudem die britische Staatsbürgerschaft. Von 2010 bis 2013 war der CDU-Politiker Niedersachsens Ministerpräsident. © Peter Steffen/dpa
Pressekonferenz von SPD-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Stephan Weil
Der derzeitige Ministerpräsident von Niedersachsen ist Stephan Weil von der SPD. Auch in diesem Jahr stellt er sich für die Wiederwahl auf. Seit 2013 ist Weil Ministerpräsident. © Michael Matthey/dpa

Wenn Stephan Weil die Wahl in Niedersachsen gewinnt, stehen die Zeichen gut, dass das Energiethema, das mitunter auch auf Bundesebene emotional geführt wird, gleichbleibend behandelt wird. Bei einem Sieg von Bernd Althusmann könnte auch die Bundesdebatte erneut Fahrt aufnehmen – dass allerdings Fracking, wie es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert, eine Rolle spielen könnte, gilt als unwahrscheinlich. Gegenüber kreiszeitung.de sagte Wahlexperten Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim zur Niedersachsen-Wahl, dass die Debatte um den Betrieb der AKWs in Deutschland sinnvoll sei – allerdings nicht „mit Schaum vor dem Mund“.

Wahl in Niedersachsen: Stimmungstest für die Ampel – Kommt der Rückenwind inmitten der Gaskrise?

Sicher ist, egal wie die Wahl in Niedersachsen ausfällt, in Berlin wird ganz genau beobachtet, was die ersten Ergebnisse der Niedersachsen-Wahl zeigen. Zwar ist das nördliche Bundesland, das zu den größten Ländern Deutschlands gehört, seit Jahren in SPD-Hand und Ministerpräsident Weil genießt einen Amtsbonus, doch seit jeher gelten Landtagswahlen in großen Ländern als Stimmungstest für die Bundespolitik – und Scholz und Co. könnten derzeit ein wenig Rückenwind gebrauchen, da ihre Umfragewerte zuletzt wegen der Gaskrise massiv gelitten hatten.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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