VonLars Warneckeschließen
Jeersdorf – Walter Jungfer (74) gehört noch zu der Generation, die erst mit 21 Jahren wählen durfte. Einige Jahre nachdem der Jeersdorfer zum ersten Mal seinen Zettel in die Urne warf, unterstützte er die Gemeinde Scheeßel bereits als Wahlhelfer – und ist nach rund 40 Jahren immer noch dabei. Was motiviert ihn? Wie arbeitet ein Wahlvorstand eigentlich? Und was erlebt man als solcher alles? Das haben wir Jungfer gestern am Wahlsonntag gefragt.
Herr Jungfer, warum sind Sie heute wieder als Wahlhelfer dabei?
Ganz einfach: Es macht mir, wie damals in den 1980er-Jahren, immer noch sehr viel Spaß.
Wahlhelfer, das klingt so ein bisschen nach Bürokratie. Wie sind Sie dazu gekommen?
Ich bin gefragt worden, ob ich Doppelkopf spiele. Es waren ja anfangs alle Wahlhelfer den ganzen Tag über immer vor Ort. Das sah dann so aus: Eine Partie spielte Doppelkopf, die anderen waren als Wahlhelfer tätig. So bin ich da reingerutscht. Denn das Spiel spiele ich wirklich gerne.
Haben Sie in all den Jahren auch schon mal aussetzen müssen?
Ich war eine Periode lang Ortsbürgermeister und konnte mich daher laut Gesetz dann nicht als Wahlhelfer engagieren.
Wie hat sich das Drumherum im Laufe der Zeit geändert?
Damals bezahlte der Ortsrat zusätzlich zum Erfrischungsgeld, das es von der Gemeinde gibt, zum Abschluss einen Imbiss. Der damalige Gemeindedirektor, Herr Hellwig, hat es dann später dem Ortsrat untersagt, zusätzlich etwas zu geben – obwohl der Ortsrat über seine Mittel selbstständig verfügen kann.
Seit 2013 sind Sie in Jeersdorf auch Wahlvorsteher. Haben Sie als solcher Gestaltungsmöglichkeiten?
Ja, indem ich die Zeiten in vormittags und nachmittags aufgeteilt habe. So kann sich jeder nach Absprache seine Einsatzzeit selbst auswählen. Bei der Auszählung müssen dann aber alle Wahlhelfer natürlich wieder anwesend sein.
Was denken Sie: Warum haben nicht alle Wahlhelfer das Durchhaltevermögen, wie Sie es haben?
Tatsächlich ist manch einer ausgeschieden. Ein Grund: Bei mehreren Wahlen am gleichen Tag dauert die Auszählung schon etwas länger. Dann kamen Äußerungen wie „Ich geh nach Hause“ oder „Ich habe keinen Bock mehr“. Durch gezielten Hinweis auf unsere Aufgaben habe ich einige dann aber zur Weiterarbeit überreden können.
Ungültige Stimmen – für die mancher Wahlberechtigte extra ins Lokal kommt – erleben Sie so etwas auch?
Ja, natürlich. Und die Reaktionen solcher Leute beim Verlassen der Wahlkabine sprach dann oftmals Bände. Bei der Auszählung waren dann schon manchmal Wahlzettel mit besonderen Bemerkungen dabei, etwa „Das sind alles Idioten“. Auch überall gemachte Kreuze, gemalte Bilder oder komplett durchgestrichene Bögen sind mir schon untergekommen. Da möchte man sich doch manchmal schon wundern.
Ist es zwischendurch auch manchmal langweilig?
Langeweile kommt selten auf, weil zwischendurch doch so manches Gespräch geführt wird. Wir sind hier auf dem Dorf – da ist mir der ein oder andere inzwischen durch meinen langjährigen Einsatz bei den Wahlen bekannt. Ich bin in Jeersdorf geboren und groß geworden – und das noch bei rund 800 Einwohnern. Inzwischen ist Jeersdorf die größte Ortschaft in der Gemeinde mit rund 1 300 Einwohnern.
Ab 18 Uhr wird wieder ausgezählt.
Genau. Alle Wahlurnen werden zunächst entleert und sämtliche Hinweisschilder für die Wahl entfernt.
Wie geht so eine Auszählung dann vor sich?
Die Wahlzettel werden nach Parteien sortiert und die ungültigen Stimmen gleich aussortiert. Dann erfolgt die Auszählung laut Vorgabe. Es bilden sich zwei Gruppen mit jeweils drei Mitgliedern. Dann erfolgt die Ermittlung des Endergebnisses und die Schnellmeldung an die Gemeinde. Anschließend werden die Wahlzettel gebündelt in die Wahlurne zum Abtransport gelegt. Die ungültigen Stimmen werden gesondert gebündelt und ebenfalls abgelegt. Zum Abschluss werde ich die Unterlagen, darunter die Protokolle, zur Gemeinde bringen.
Wenn wieder eine Wahl ansteht, steht für Sie außer Frage, dass Sie wieder als Wahlvorstand dabei sein wollen?
Aber klar, das tut es. Ich werde auch in Zukunft, wenn es gewünscht sein sollte, wieder dabei sein.
