- VonChristian Walterschließen
Die Hochwasserlage in der Samtgemeinde entspannt sich, aber wichtige Landesstraßen bleiben gesperrt, da Sicherheitsprüfungen nach möglichen Schäden durch das Hochwasser erforderlich sind.
Das Hochwasser weicht langsam zurück, die Pegel sinken, die Lage entspannt sich allerorten. Damit steigt die Ungeduld der Menschen dies- und jenseits der Weser, den Fluss über die Landesstraßen möglichst bald wieder auf direktem Wege in Richtung Achim oder Verden überqueren zu können. Schließlich sind die L 156 und die L 203 wichtige Verbindungswege und Lebensadern, nicht nur für die Menschen in der Samtgemeinde.
Nach dem Hochwasser: Wann öffnen die Landesstraßen L 156 und L 203 wieder?
Die weiten Umwege über die oft staugeplagte A 1 rauben Zeit und Nerven. Wenn jetzt also bald kein Wasser mehr auf den Fahrbahnen steht, kann doch eigentlich einmal drüber gefegt und die Straßen wieder freigegeben werden. Oder?
Ganz so einfach ist die Sache leider nicht, wie eine Nachfrage beim für diese Landesstraßen zuständigen Geschäftsbereich Verden der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLSTBV) zeigt. Festlegen auf eine konkrete Öffnungsperspektive oder eine bestimmte Anzahl an Tagen von Wasserabfluss bis Freigabe kann und will sich dort niemand. Der Grund ist vor allem die Sicherheit.
Die Straßen sollen so schnell wie möglich freigegeben und die Sperrungen nicht länger als nötig aufrechterhalten werden. Aber wir müssen die Sicherheit gewährleisten.
Denn bevor wieder Autos, Laster, Busse und andere Fahrzeuge über die Straßen rollen können, müssen die Meistereien zunächst prüfen, ob das wochenlange Hochwasser Schäden an Asphalt, Unterbau, Seitenräumen und anderen Konstruktionen wie Brücken und Überführungen hinterlassen hat, etwa in Form von Unterspülungen oder anderen Problemen. „Die Straßen sollen so schnell wie möglich freigegeben und die Sperrungen nicht länger als nötig aufrechterhalten werden. Aber wir müssen die Sicherheit gewährleisten“, sagt eine Sprecherin der NLSTBV auf Nachfrage. Eine Situation wie jüngst etwa an der Bundesstraße 402 bei Haselünne, wo ein Teil der Fahrbahn nach einer Unterspülung weggebrochen war, will die Behörde natürlich unbedingt verhindern.
„Die Straßenmeistereien gucken sich das an, sind aber im Moment sehr gefordert“, so die Landesbehördensprecherin. Und das nicht nur in Sachen Hochwasser und dessen möglicher Folgen, sondern zuletzt am Wochenende etwa auch durch den Winterdienst. Auch ein Grund dafür, dass die Begehung und Begutachtung der Straßen, auf denen schon jetzt oder in absehbarer Zeit kein starkes Hochwasser mehr steht, danach noch ein paar Tage dauern kann. Abgesehen davon, dass diese Prozedur schlicht an vielen betroffenen Straßen in verschiedenen Gemeinden im Umkreis vorgenommen werden muss.
Eine gute und eine schlechte Nachricht
Die Sprecherin der NLSTBV hat in Bezug auf die großen Lebensadern in der Samtgemeinde eine gute und eine schlechte Nachricht: Zum einen ist die L 156 zwischen Deichschart und Ueser Brücke erst vor rund zehn Jahren erhöht, also gewissermaßen neu gebaut worden. „Die ist deswegen robuster und hat eine bessere Belastbarkeit. Sie wird wohl eine der ersten Straßen sein, die wieder freigegeben werden können.“ Warum die L 156 im Übrigen nicht noch weiter angehoben worden ist als die 60 Zentimeter im Jahr 2013, um eine Überspülung durch Hochwasser gleich ganz zu unterbinden, hat laut NLSTBV den Grund, dass sie sonst im Falle des Falles eine Barriere für die Wassermassen wäre und deren Abfluss aus Richtung Osten behindern würde. Als Alternative hätte man eine Brücke über das Überflutungsgebiet bauen müssen, unter der das Wasser hindurch hätte fließen können.
Ganz anders, und das ist die schlechte Nachricht, stellt sich die Situation an der L 203 zwischen Blender und Hutbergen dar. „Das ist unsere Problemstrecke“, so die Behördensprecherin. Die Verbindung verlaufe unter anderem über Marschland, das derzeit sehr stark aufgeweicht sei.
Ein Befahren der Straße, die auf Teilstrecken wie in der Gemeinde Blender zwar schon jetzt wasserfrei und auch von Treibgut geräumt worden ist, was auch Leser dieser Zeitung in entsprechenden Nachfragen an die Redaktion anführen, ist dennoch nicht möglich, aus zwei Gründen: Zum einen steht auf der anderen Weserseite noch immer stellenweise Wasser auf der L 203 (siehe Foto), zum anderen würde eine Freigabe der Straße für alle Gewichtsklassen gelten, also auch für schwere Lkw oder landwirtschaftliche Fahrzeuge. Und die sollten die Strecke auf dem aufgeweichten Boden noch nicht wieder befahren. Also bleibt sie noch für alle gesperrt.
Ein Ärgernis für Landesbehörde und Straßenmeistereien: dass sowohl die L 203 als auch die L 156 trotz Sperrung und Überflutung von ansässigen Unternehmen etwa mit schweren Radladern befahren werden, um Mitarbeiter zu Betriebsgeländen zu transportieren. Ob es hierfür Sondergenehmigungen gibt, hätte die Redaktion gern sowohl bei einem betreffenden Betrieb aus der Samtgemeinde als auch bei der Polizeiinspektion Verden / Osterholz in Erfahrung gebracht – entsprechende Versuche blieben unbeantwortet.
Noch für zusätzliche Probleme könnte der derzeitige Frost sorgen. Ende der Woche, so die Sprecherin der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden, werde sich ein Experte für Bodenbeschaffenheit die L 203 anschauen. Wann sie und die L 156 wieder für den Straßenverkehr geöffnet werden können, ist derzeit jedoch noch völlig unklar.
