VonMichael Walterschließen
Kein Budenzauber, keine Kunsthandwerker: Für den Syker Weihnachtsmarkt gibt es in diesem Jahr ein deutlich reduziertes Programm mit maximal 24 Ständen in der Innenstadt.
Syke – Kein Budenzauber auf dem Rathausplatz, keine Kunsthandwerker im Rathaus und in der Bibliothek: Die Stadtverwaltung hat entschieden, die Weihnachtlichen Kulturtage in der seit Jahren gewohnten Form abzusagen (wir berichteten). Am Mittwoch erläuterten Erster Stadtrat Thomas Kuchem und Kathrin Wilken von Stadt & Kultur die Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Und sie stellten vor, was die Stadt als Alternative plant: Eine abgespeckte Version in der Innenstadt. Sozusagen „Kulturtage light“.
Zwei Gründe haben laut Kuchem und Wilken zur Entscheidung der Stadt geführt. Wie bereits berichtet, ist der erste: Die Kreissparkasse steht in diesem Jahr wegen der laufenden Sanierungsarbeiten nicht als Ausstellungsfläche für Kunsthandwerker und Hobbykünstler zur Verfügung und es gibt dafür keinen Ersatz. Dort war immer der Hauptteil der kunsthandwerklichen Ausstellungen untergebracht, wenn auch längst schon nicht mehr auf allen drei Etagen, wie in den Anfängen der Weihnachtlichen Kulturtage. Der zweite Grund: Angesichts der noch immer hohen Zahl von Corona-Infektionen ist die Vorstellung von mehreren Tausend Besuchern, die sich eng an eng durch Bibliothek und Ratssaal drängeln, eine Horrorvorstellung für die Stadtverwaltung. Kathrin Wilken spricht von 6000 bis 7000 Menschen an einem Wochenende. „Vielleicht sogar mehr.“ Und Thomas Kuchem sagt: „Wir sehen das Risiko als zu groß an.“
Ersatzlos ausfallen lassen wollte die Verwaltung die Kulturtage aber nicht und hat deshalb nach Alternativen gesucht. Die Idee war, die Veranstaltung komplett nach draußen zu verlegen: In die Buden und Verkaufsstände, die der Stadt zur Verfügung stehen und die an den Weihnachtsmarkt auf dem Mühlendamm anzukoppeln.
„Wir haben unseren kompletten Verteiler an etwa 100 Kunsthandwerker und Hobbykünstler angeschrieben, ob sie sich das vorstellen könnten“, erläutert Kathrin Wilken. Von etwa der Hälfte habe die Stadt Rückmeldung erhalten. „Viele können nicht nach draußen ziehen, weil ihre Artikel zu empfindliche sind“, fasst Thomas Kuchem zusammen und nennt Scherenschnitte und andere Papier-Produkte als Beispiel.
Ergebnis: Sechs Aussteller haben zugesagt, mit einigen weiteren laufen noch die Gespräche. Hinzu kommen sechs von neun Vereinen und Organisationen, die in den vergangenen Jahren regelmäßig das Weihnachtsdorf auf dem Rathausplatz mitgeprägt haben. „Insgesamt kommen wir auf 20 Buden“, sagt Thomas Kuchem. „24 hätten wir zur Verfügung.“
Aufgebaut werden sollen sie rund um den Torbogenplatz vor dem Kreishaus bis hinter die Hachebrücke – und dort nahtlos an den Weihnachtsmarkt von Henry Stummer anknüpfen.
Musikalisches Rahmenprogramm
Das Wochenende vom 3. und 4. Dezember ist dafür geplant. Jeweils in der Zeit von 11 bis 18 Uhr. „Wir haben auch ein musikalisches Angebot“, sagt Kathrin Wilken und spricht von Bläsergruppen, Chorkonzerten, osteuröpäischer und irischer Folk-Musik und Weihnachtsliedern. Kult-Sänger Jonny Glut kommt für einen Auftritt nach Syke, JFK richtet ein Konzert in der Christuskirche aus, das Moderne Orchester des TuS Syke spielt und der Gospelchor tritt auf. „Im Gespräch sind wir auch noch mit der Tanzschule Augustin“, sagt Kathrin Wilken. „Unsere Idee ist, eine kleine Bühne vor dem Torbogen aufzubauen.“
Statt Weihnachtliche Kulturtage am und ums Rathaus gibt es jetzt Kulturtage light in der Innenstadt. „Wir hätten’s auch gerne lieber groß“, sagt Thomas Kuchem, will aber die positive Seite betonen und blickt dazu auf die Vorweihnachtszeit 2021 zurück. „Da waren wir total enttäuscht. Wir waren uns so sicher, dass wie die Kulturtage durchführen könnten, da hätte ich drauf gewettet. Und dann kriegten wir doch wieder den Lockdown. Deswegen gehen wir jetzt mit einem positiven Gefühl daran: Ich denke, wir bekommen trotzdem einen gemütlichen Markt.“
Ob es die Weihnachtlichen Kulturtage überhaupt noch einmal in der gewohnten Form gibt, ist eine derzeit völlig offene Frage. Das hängt auch – aber nicht nur – mit Ilsemarie Hische zusammen, die bei Stadt & Kultur federführend für die Organisation des kunsthandwerklichen Teils der Kulturtage ist. Sie geht nächsten Sommer in den Ruhestand.
Ihre Rolle soll zukünftig Kurt Grieme übernehmen, den manche Syker noch als Bewohner des Muhlenhofs in Osterholz kennen, wo er seinerzeit regelmäßig Folk-Konzerte organisiert hatte. Inzwischen selbst im Ruhestand, soll Grieme künftig als Honorarkraft die Kulturtage betreuen. Dieses Jahr wirkt er schon mit. „Um einen nahtlosen Übergang zu haben“, sagt Kathrin Wilken. „Er hat selber ein unglaubliches Netzwerk und bringt jede Menge Know-how mit.“
Zur weiteren Zukunft der Kulturtage ergänzt Thomas Kuchem: „Erklärtes Ziel ist, dass die Reihe weitergeführt wird. Wir werden dieses Jahr Erfahrungen sammeln mit dem veränderten Konzept und Aufbau und werden 2023 in die Analyse gehen dann darauf reagieren.“ Bis jetzt habe man sich hauptsächlich mit der Frage beschäftigt: „Wie kann es in diesem Jahr funktionieren?“ Ab Januar könne man sich dann der Frage widmen: Gehen wir noch mal zurück auf den Rathausplatz oder bleiben wir in der Innenstadt?

