VonSigi Schrittschließen
Calle – Wer im Internet das Stichwort „Weihnachtshaus“ eingibt, dem wird schnell ein Gebäude in Calle angezeigt. Was es so besonders macht? Wenn Rolf und seine Frau Nermin Vogt die vielen Lichterketten an allen Wänden, auf den Dachseiten sowie im Garten, an Zäunen und Büschen unter Strom setzen, dann sieht ihr Heim genauso bunt aus wie die Weihnachtshäuser in amerikanischen Filmen.
Kinder, die das Werk in der Adventszeit und an Weihnachten nachts in voller Pracht sehen, könnten vermutlich glauben, dass in jenem Haus nur einer wohnen kann: der Weihnachtsmann. Kein Wunder. Denn das Gebäude blinkt und leuchtet, was der Strom hergibt.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Rolf Vogt ein kleines Vermögen für Lichterketten und die Umrüstung auf LED-Lampen ausgegeben. Insgesamt 650.000 Leuchten habe er jetzt installiert, sagt er. Damit sei für ihn das Ende der Fahnenstange aber noch längst nicht erreicht. Rolf Vogt hegt Ausbaupläne. Die Corona-Pandemie und die Energie-Krise haben ihn jedoch vorerst ausgebremst. Er würde gerne eine Million Lampen verbauen.
Weihnachtshaus in Calle 2020 und 2021 wegen Corona unbeleuchtet
Die Familie Vogt hat ihr Weihnachtshaus zuletzt 2019 hell erleuchten lassen. Wegen der Pandemie sollten 2020 und 2021 Menschenansammlungen vermieden werden, berichtet Rolf Vogt. Deshalb hätten die Caller ihr Haus bis auf eine Ausnahme zwei Jahre lang nicht beleuchten dürfen. Und was ist in diesem Jahr geplant? Behördlichen Auflagen gibt es zwar nicht, aber nun drücken die Energiekosten.
„Wir freuen uns auf die Weihnachtszeit“, meint Rolf Vogt. Allerdings sei seine Vorfreude leicht getrübt. Ein Anrufer habe ihn beschimpft. „Er hätte am liebsten alles hier kaputt geschlagen. Ich sagte ihm, dass er nicht herkommen soll, wenn er das beleuchtete Haus nicht sehen will.“ Der Entschluss der Familie steht fest: Am Freitag, 25. November, wird das Gelände samt dem Weihnachtshaus in voller Beleuchtung erstrahlen. „Das ist eine Generalprobe. Sie beginnt um 18 Uhr.“ Je mehr Menschen kommen, desto länger brennen die Lichterketten. „Wir beobachten, wie es läuft und versuchen, möglichst viel Strom zu sparen. Das bedeutet, dass wir abschalten, wenn der Zuspruch abnimmt.“
Stromkosten für das Weihnachtshaus in Calle könnten sich verdreifachen
Er rechnet mit einer Verdreifachung der Kosten. Hatte Rolf Vogt 2019 mehr als 3000 Euro gezahlt, glaubt er, dass es diesmal unterm Strich schnell ein fünfstelliger Betrag werden könnte. Deshalb wolle er in der diesjährigen Adventszeit nur jede zweite Lichterkette leuchten lassen. „Weihnachten fernzubleiben, macht keine Freude“, findet er. Deshalb werden die Caller Bürger sowie auch alle anderen in diesem Jahr wieder ein Weihnachtshaus erleben.
Sein Haus sei weit über die Grenzen Deutschlands bekannt, so Rolf Vogt. TV-Teams hätten sich Jahr für Jahr die Klinke in die Hand gegeben, um sein ambitioniertes Projekt zu filmen. Zuletzt war das Weihnachtshaus in der Heute-Show im ZDF zu sehen. So hätte ein Millionenpublikum von dem in der Adventszeit beleuchteten Gebäude erfahren. Wegen dieses medialen Rummels fahren viele Menschen aus nah und fern nach Calle. Wer es sucht, muss die Straße nehmen, die Asendorf und Bücken verbindet, beschreibt Vogt den Weg.
Um die enormen Stromkosten zu refinanzieren, will die Familie auf ihrem Gelände wie in den vergangenen Jahren im Rahmen eines kleinen Weihnachtsmarkts Getränke und Speisen anbieten. Im Garten stehen Zelte und Buden, in denen sich die Gäste vor Witterungseinflüssen geschützt aufhalten können, um sich die vielen beleuchteten Ecken anzuschauen.
Auf was die Familie dabei besonders stolz ist? „Die Besucher sehen einen beleuchteten Rundbogen, der in einem Spiegel fortgesetzt wird. Sie denken, sie würden durch einen Tunnel gehen.“ Ein anderer Hingucker: ein Wasserfall. Lichterketten auf einer Rutsche würden diesen Effekt erzeugen.
Generalprobe für Weihnachtshaus läuft bereits
Für die Generalprobe laufen derzeit die Vorbereitungen auf Hochtouren: Zelte und Buden müssten hergerichtet werden. Insbesondere die Stromversorgung wolle Rolf Vogt noch checken. Zwei Starkstrom-Kreise würden insgesamt 50 Steckdosen versorgen. Daran hängen Stromkabel, die eine Gesamtlänge von insgesamt rund sieben Kilometer haben. Mehr als 100 Stromleisten mit drei Steckplätzen seien auf dem Grundstück verteilt. Dazu kommen zahlreiche Leisten mit sechs Steckplätzen. 20 Kabeltrommeln sind ebenso im Einsatz. „Feuchtigkeit ist unser Feind. Schnee ist nicht das Problem, aber Regen.“ Seine Schaltzentrale ist in einem Schuppen untergebracht, in dem die Kabel zusammenlaufen. Er wisse, wohin jedes Kabel führt, auch wenn Außenstehende möglicherweise nur einen Kabelsalat sehen.
Wie er auf die Idee gekommen ist, sein Haus so zu beleuchten? „Mit Licht hatte ich früher nie was am Hut“, erzählt Rolf Vogt. Als er vor mehr als 20 Jahren eines seiner drei Kinder in New Mexiko besucht hatte, der dort als Tornado-Techniker arbeitete, habe er sich mit seiner Frau die Häuser in der Nähe der Flieger-Basis angesehen. „Die Gebäude und die Vorgärten waren schön beleuchtet. Eines besser als das andere“, blickt er zurück. Die Familie sei begeistert gewesen und importierte die Idee sowie die ersten Lichterketten nach Deutschland. Was sich daraus entwickelt hat – das können die Menschen 2022 wieder in Calle bewundern.

