Krise bei Volkswagen

Auto-Experte Dudenhöffer sagt VW-Werksschließung voraus – klare Aussage für Niedersachsen

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Volkswagen könnte vor einer Werksschließung in Deutschland stehen, so Auto-Experte Dudenhöffer. Gefährdet seien aber eher Werke außerhalb des VW-Kernlandes.

Update vom Donnerstag, 5. September, 11:42 Uhr: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bekräftigte am Donnerstag seine Erwartung, dass in VW in Niedersachsen keine Werke schließe. Vorher müsse über Alternativen gesprochen werden, sagte der SPD-Politiker dem Sender NDR Info. Das solle nun in vertraulichen Gesprächen passieren. Zudem hielt Weil die Volkswagen-Führungsriege an jetzt seine Hausaufgaben zu machen, um das Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten. Ob das Management bereits konkrete Pläne für Schließungen einzelner Werke habe, sei ihm nicht bekannt.

Die niedersächsische Belegschaft des deutschen Auto-Herstellers mobilisierte bereits geschlossen gegen die angekündigten, harten Sparpläne. In den VW-Werken in Emden und Salzgitter finden heute Betriebsversammlungen statt, meldet der NDR. Dabei werden in Emden rund 4500 protestierende Mitarbeiter erwartet. Bereits am Mittwoch versammelten sich in Wolfsburg 25.000 Mitarbeiter und setzten ein klares Zeichen.

Auto-Experte Dudenhöffer sagt VW-Werksschließung voraus – klare Aussage für Niedersachsen

Wolfsburg – Der Volkswagen-Konzern wird eine Werksschließung in Deutschland nicht vermeiden können, prognostiziert Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Er betont jedoch: „Das wird aber nicht in Niedersachsen geschehen.“ Dudenhöffer, der das private Center Automotive Research (CAR) in Bochum leitet, fügt hinzu: „Die mit 20 Prozent beteiligte Landesregierung und die IG Metall werden dafür sorgen, dass sich rund um Wolfsburg nichts Wesentliches ändert.“ Dies lasse darauf schließen, dass Standorte außerhalb des VW-Kernlandes wie Kassel oder Zwickau besonders bedroht sind, heißt es in einer Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Dudenhöffers Vermutungen zur Einflussnahme der Landesregierung Niedersachsen wurde bereits bestätigt: Sowohl Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) als auch Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) äußerten sich nun entsprechend.

VW in Niedersachsen: Ministerpräsident Weil kündigt Kampf um Standorte am

Das VW-Werk in Wolfsburg dürfte nicht von der geplanten Schließung betroffen sein, denkt Auto-Experte Dudenhöfffer.

Niedersachsens Landesregierung will sich angesichts der Sparpläne bei Volkswagen für die sechs VW-Standorte im Land einsetzen. „Mein Ziel ist es, dass die Standorte in Niedersachsen nicht nur erhalten bleiben, sondern entwickelt werden“, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) der Braunschweiger Zeitung. „Mein Ziel ist nachhaltige Beschäftigung sowohl bei Volkswagen als auch in der Zulieferindustrie. Mein Ziel ist es, dass Automobilindustrie das Herz der Industrie in Niedersachsen bleibt.“

Ministerpräsident Stephan Weil sagte bereits am Dienstag vor Journalisten in Hannover, Niedersachsen werde sich in die anstehenden Gespräche sehr aktiv mit einbringen, „natürlich mit dem Ziel, dass der Wirtschaftsstandort Niedersachsen aus dieser Runde in den nächsten Jahren gestärkt hervorgehen wird“.

Der Regierungschef sagte weiter, es sei beileibe nicht so, dass sich das von Anfang an auf die Frage von Standorten verenge. „Im Gegenteil, das kann die allerletzte Maßnahme nur sein, und die sehe ich einstweilen nicht.“ Die sechs VW-Standorte im Land sind die Autowerke Wolfsburg, Hannover, Emden und Osnabrück sowie die Komponentenfabriken in Salzgitter und Braunschweig. Insgesamt sind dort mehr als 100.000 Menschen beschäftigt.

Krise bei VW: Auto-Experte sieht Probleme bei Volkswagen hausgemacht

Dudenhöffer merkt gegenüber der dpa an, dass die rückläufigen Absatzprognosen von VW in Europa teilweise selbst verschuldet sind, da die Modellpalette veraltet und Softwareprobleme weiterhin bestehen. Er ist der Ansicht, dass der Markt sich nicht so schwach entwickelt, wie vom VW-Management angenommen. Im Vergleich dazu seien andere deutsche Hersteller deutlich besser positioniert.

Der Experte erklärt, dass die Kernmarke VW seit langem kaum Gewinne erzielt. Die finanziellen Mittel des Konzerns stammen hauptsächlich von Skoda, Porsche und Audi, die VW finanziell unterstützt haben. Eine weitere Einnahmequelle scheint jedoch zu versiegen: „Im bislang starken China-Geschäft gibt es deutlichen Gegenwind. Von dort kommen keine dicken Schecks mehr.“

„Das größte Problem ist das Klumpenrisiko rund um Wolfsburg“, so Dudenhöffer. Andere Teile des Konzerns könnten unter günstigeren Bedingungen operieren. Leider sei zu befürchten, dass der Konzern daran nichts ändern werde.

Sparkurs mit Werksschließung und Entlassungen: VW mit schlechten Nachrichten bei Betriebsversammlung

Volkswagen hatte am Montag angekündigt, eine Werksschließung in Deutschland und betriebsbedingte Entlassungen nicht mehr ausschließen zu können. Dies führte zu entschlossenem Widerstand seitens des Betriebsrats und der IG Metall. Bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg wurden zunächst keine neuen Details zu den Sparplänen bekannt gegeben.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Textes stand, dass VW in Bremen das Volkswagen Zentrum an der Stresemannstraße betreibt. Das ist falsch. Wir haben den vermeintlichen Bezug zu Bremen aus dem Artikel gestrichen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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