Wind, Sonnenenergie, Internet: Stadtwerke Rotenburg gehen neue Wege

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Windenergie ist ein Standbein, an dem die Stadtwerke Rotenburg derzeit arbeiten. Aber auch Photovoltaik und synthetisches Erdgas spielen eine Rolle.
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Neue Umstände erfordern umdenken: Die Stadtwerke Rotenburg erweitern ihr Geschäftsfeld. Sie wollen selbst produzierten Strom auf 100 Prozent aufstocken und ringen mit Gas als Wärmebringer. Chef Volker Meyer erklärt, welche Wege das Unternehmen einschlägt.

Rotenburg – Die Stadtwerke Rotenburg sind schon lange nicht mehr bloßer Weiterverkäufer von eingekauftem Gas und Strom. In Anbetracht von Klimawandel, Energiekrise und Digitalisierung setzen die Versorger aus der Kreisstadt nun auf ein breiter angelegtes Geschäftsmodell: weg vom Althergebrachten, hin zum Multitalent.

Das gilt allerdings mit Einschränkungen – natürlich wollen die Stadtwerke weiter Wasserversorger bleiben. „Das geht durch Kies, mehr ist das nicht“, sagt Meyer zur vergleichsweise simplen Filterung des lebensnotwendigen Stoffs. Dagegen sind andere Geschäftsbereiche ungleich intensiver von Veränderungen betroffen – nämlich die vielschichtige Energieproduktion.

„Das ist immens, wo die hinwollen“, sagt Volker Meyer. Die Ziele, die die Bundesregierung mit Blick auf erneuerbare Energien formuliert hat, betrachtet der Geschäftsführer der Stadtwerke als ambitioniert. Da wäre zum Beispiel die Treibhausgasneutralität bis 2045, wie sie im Klimaschutzgesetz steht. „Sehr sportlich“ findet das Meyer. Die Stadtwerke wollen dazu ihren Beitrag leisten, „aber wir dürfen es nicht übertreiben. Wir haben aufzuholen, aber das muss gesund wachsen“.

Das zeigt sich etwa beim Blick aufs örtliche Strom-Portfolio: 25 Prozent des von den Stadtwerken gelieferten Stroms stellen diese aktuell selbst her. 100 Prozent ist das Ziel – aber nicht die Obergrenze, wenn es um die Versorgung der Rotenburger Anschlüsse geht. Sollte sich aus der eigenen Produktion ein Überschuss ergeben, so könnte das Unternehmen die Energie am Markt auch außerhalb der Stadt weiterverkaufen, sagt Meyer.

Die Mittel der Wahl sind Flächen-Photovoltaik und Windenergie. Der Fokus der Stadtwerke liege diesbezüglich aktuell auf Flächen in Waffensen, Hassendorf und Bötersen. Auch Bereiche in Unterstedt und Borchel haben die Stadtwerke im Blick. Gespräche mit Eigentümern laufen bereits, berichtet Meyer. Pachtverträge würden angestrebt. Über Zahlen möchte er aktuell noch nicht sprechen.

Windkraft hat auf den Flächen allerdings bislang stets den Vorrang. Grund dafür ist das viel diskutierte Flächenziel, welches das Umweltministerium Niedersachsens dem Landkreis Rotenburg noch vor einigen Monaten aufzuzwingen drohte – inzwischen haben Gespräche der Landkreise und anschließende Verhandlungen mit dem Ministerium dafür gesorgt, dass ein Kompromiss vorliegt. Eine der Folgen: Vier statt 4,89 Prozent seiner Fläche muss der Landkreis für Windkraft jetzt ausweisen. Daher haben auch Windkraftprojekte bei den Stadtwerken Vorzug vor Sonnenkraft.

So wie man bei der Stromerzeugung wegwill von Gas, Kohle und Atomkraft als verwertbare Energieträger, so stehen auch neue Wege für das Gas als Wärmebringer im Raum. Den Stoff aus den USA über Nordsee und LNG-Terminals ins Land zu schaffen, betrachtet Meyer bereits als problematisch: Zu hoch ist der Energieaufwand, der für die Logistik draufgeht. Vom heimischen Erdgas hat sich die Gesellschaft aber auch schon abgekehrt – „Wir benötigen andere Energien“, sagt Meyer.

„Wir dürfen es nicht übertreiben. Wir haben aufzuholen, aber das muss gesund wachsen“, sagt Volker Meyer.

Und doch sei klar, dass die Gas-Frage deutsche Energieverbraucher noch lange begleiten werde. Übergangstechnologien sind gefragt. Grünes Gas werde bereits im Blockheizkraftwerk des Ronolulu zur Wärmeerzeugung genutzt, Biomethan werde Erdgas ersetzen. Und: „Wir hoffen auf synthetisches Erdgas“, sagt Meyer. Die künstlich geschaffene Alternative kann unter anderem mithilfe von Wasserstoff oder Biogas herstellt werden und gilt als Technologie des Lückenschlusses in der Energiewende.

Auch in puncto schnelles Internet wollen die Stadtwerke eine größere Rolle spielen. Eine Kooperation mit Glasfaser Nordwest läuft, zudem hat der Internetversorger in Visselhövede einen eigenen Ausbau betrieben. Auch Teile von Rotenburg wie Hohenesch, Luhne, Unterstedt und Waffensen sind Ziele des Stadtwerke-Netzausbaus. „Wir müssen digitaler werden“, sagt Meyer.

Ein weiteres Standbein ist die Digitalisierung der Rotenburger Innenstadt. „Smart City“ ist der englische Name des Projekts. Carsharing und Ladesäulen sind Beispiele dafür. Die weitere Ausbauplanung läuft. Neustes Projekt dieses Standbeins ist das Angebot, E-Roller im Stile des Kultfahrzeugs Vespa auszuleihen – und wer möchte, kann das Ganze über die App „Mein ROW“ tun. Die Anwendung könne eines Tages nicht nur den Zugang zum Ronolulu regeln, auch die Buchung des Leihwagens und die Zählerstandübermittlung sind Teil der Leistungen.

Die Pläne für die Zukunft sind bei den Rotenburger Stadtwerken geschrieben. Mit Blick auf den Wandel der Energieversorgung schaut Meyer nach vorne: „Wichtig ist, dass wir starten und dabei sind“.

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