VonMichael Krügerschließen
Zuletzt galt das frei werdende Lidl-Gelände an der Brauerstraße in Rotenburg als künftiger Standort für die DRK-Rettungswache. Sie hätte für den notwendigen Umzug nur die Straßenseite wechseln müssen. Doch jetzt geht es an die Soltauer Straße. Auf dem Lidl-Gelände entstehen neue Sozialwohnungen.
Rotenburg – Es dauert halt oft etwas länger. Mitte 2022, so hatte es einst der ehemalige Stadtplaner Clemens Bumann gesagt, werde mit dem Bau der neuen Rettungswache begonnen. Hat nicht ganz geklappt. Und auch der Planungsausschuss des Rotenburger Rats, der sich am Donnerstag in gewisser Weise mit der Thematik beschäftigt hat, sammelte bis in den späten Abend ein paar Feierabend-Politiker-Überstunden: Viel wurde auch darüber diskutiert, was nun eigentlich mit dem frei werdenden Lidl-Grundstück an der Brauerstraße werden soll. Klar ist: Die Rettungswache des DRK-Kreisverbands Bremervörde wird nicht wie favorisiert die Straßenseite wechseln und dort in zeitgemäße, größere Räume ziehen.
Norbert Behrens oblag es, für Klarheit zu sorgen. Der Architekt und Geschäftsführer der Planungsgemeinschaft Nord (PGN) ist von der CDU mit in den Ausschuss gewählt worden und durfte in eigener Sache berichten – schließlich gehört ihm das Grundstück, auf dem seit gut acht Jahren der Lidl-Markt an der Brauerstraße steht. Für die Rotenburger Werke plant er zudem mit seiner Firma den großflächigen Umbau des Kalandshof-Quartiers an der Verdener Straße. Lidl will sich dort ansiedeln, den bisherigen Standort im Süden Rotenburgs aufgeben.
Eine Million Euro zu teuer
Der Landkreis, der mit der Durchführung des Rettungsdienstes und Krankentransportes den DRK-Kreisverband Bremervörde beauftragt hat, sucht schon seit vielen Jahren nach einem neuen Standort in Rotenburg. Gemeinsam mit der PGN war man schon sehr weit in den Verhandlungen für das Lidl-Grundstück. Bis dann vor wenigen Wochen klar wurde, dass es nach den Bestimmungen für öffentliche Aufträge rund eine Million Euro zu teuer wird: Mit einem Abriss des in seiner Substanz noch guten Lidl-Gebäudes und einem Neubau würde der Kreis gegen EU-Recht verstoßen.
Stattdessen rückt für die Behörde und das DRK nun wieder das Grundstück ins Blickfeld, das der Kreis bereits gekauft hat: ein Flurstück gegenüber von Röhrs Baustoffe an der Soltauer Straße. Das bestätigt Kreissprecherin Christine Huchzermeier: „Das Grundstück direkt gegenüber hätte Charme gehabt, da der Standort an der Brauerstraße sich prinzipiell sehr gut eignet, es hätte aber angekauft werden müssen. Für den Neubau der Rettungswache wurde bereits vom Landkreis ein Grundstück in der Soltauer Straße käuflich erworben, welches ebenfalls gut geeignet ist und nun genutzt werden wird. Die modernen Fahrzeuge passen nicht mehr in die Hallen, auch das Gebäude ist längst zu klein.“
Hoher Bedarf an Sozialwohnungen
Und an der Brauerstraße? Für den bisherigen Lidl-Standort hat der Planungsausschuss einen den Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Der hätte zwar auch die Rettungswache ermöglicht, vorgesehen ist laut Behrens nun aber was völlig anderes: Sozialwohnungen. Bis zu 45 davon sollen in drei Gebäuden entstehen. „Davon brauchen wir viel mehr, der Bedarf ist da. Die werden vom ersten Tag an belegt sein“, so der Unternehmer. Im neuen Wohnraumversorgungskonzept, das der Landkreis in der kommenden Woche vorstellen wird, sei diese Notwendigkeit gerade in der Kreisstadt endlich verankert – und so auch die notwendigen Fördergelder beantragbar. Das Lidl-Gebäude soll zudem bestehen bleiben und als Lagerfläche vermietet werden.
Bürgermeister Torsten Oestmann freut sich über die Pläne für den Wohnraum. „Wir haben große Probleme in Rotenburg, etwas Bezahlbares anbieten zu können.“ Man rede dabei von einer „immer größeren Gruppe“ an Menschen, die das Recht besäßen, die Wohnungen zu mieten. Es gehe auch um kleine Familien mit mittleren Einkommen, die darunter fielen. Behrens: „Wer kann sich heute Mieten von 13 oder 14 Euro pro Quadratmeter leisten?“ In den Sozialwohnungen läge der Preis unter sechs Euro. Und Behrens verspricht auf Nachfrage noch mehr Initiative in dieser Richtung. So plane er für ein bisheriges Hofgelände, zwischen der aktuellen Rettungswache und dem Mühlenkreisel liegend, eine weitere Einheit mit 20 Wohnungen.
Lidl zieht bis Ende 2023 um
Der Umzug von Lidl ins Kalandshof-Quartier soll bis Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein. Jetzt im Winter gehe es mit den Umbau- und Neubauarbeiten los. Drei bis vier Jahre werde es wohl insgesamt dauern, bis das gesamte Ensemble aus Appartements, Wohnheimen, Seniorenanlagen und Geschäftsflächen fertig sei: „Das geht nicht von heute auf morgen.“
Helga-Mohrhoff-Straße am Kalandshof
Im neuen Kalandshof-Quartier wird eine neue Stichstraße entstehen. Die soll Helga-Mohrhoff-Straße heißen. Der Planungsausschuss hat das empfohlen. Mohrhoff wurde nach Angaben der Verwaltung im Jahr 1932 geboren. 1941 wurde sie während ihrer zunächst dreimonatigen Aufnahme am Kalandshof nach eigener Aussage unter Schmutzwäsche versteckt, um der Euthanasie-Aktion T4 und der Deportation zu entgehen. Am 14. Juni 1949 wurde sie am Kalandshof aufgenommen. „Sie war immer eine beeindruckende Persönlichkeit, ist vielen Mitarbeitern bekannt und starb im April 2015“, so Bürgermeister Torsten Oestmann in der Beschlussempfehlung, der nun noch der Rat zustimmen muss. Die Benennung sei auch ein wichtiges Zeichen dafür, wie sich die Rotenburger Werke mit ihrer Geschichte auseinandersetzen.
