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Der Wolf ist zurück in Niedersachsen: Geschichte, Vorkommen und Jagd

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Der Wolf wurde seit dem Mittelalter in Niedersachsen nahezu ausgerottet, jetzt ist er zurück. Könnte sich die Geschichte wiederholen?

Niedersachsen – Die zunächst positiv geprägte Beziehung zwischen Wolf und Mensch nahm im Laufe der Geschichte Niedersachsens eine folgenschwere Wendung für das Raubtier. Wertvolles Vieh wurde bei Wolfsangriffen getötet, auch Menschen wurden unter anderem Opfer von tollwütigen Wölfen. Deshalb fingen die Menschen an, Wölfe systematisch zu verfolgen. Das sorgte dafür, dass sie im 19. Jahrhundert beinahe ausgerottet waren. Mittlerweile sind sie zurück in Niedersachsen.

Tier:Wolf
Wissenschaftlicher Name:Canis lupus
Gewicht, ausgewachsen:15 bis 80 Kilogramm
Lebenserwartung:14 bis 16 Jahre

Wölfe waren laut der Landesjägerschaft Niedersachsen eines der weltweit am weitesten verbreiteten Säugetiere. Dabei war die Beziehung zwischen Menschen und Wölfen zunächst positiv. Im Niedersächsischen Wolfsmanagementplan des Umweltministeriums Niedersachsen heißt es, dass Urvölker die Intelligenz, Weisheit oder das Sozialverhalten der Raubtiere bewunderten, so zum Beispiel in Nordamerika, aber auch in Europa. Im Mittelalter veränderte sich allerdings das Ansehen des Wolfs.

Wolf in Niedersachsen gefährlich? Angriffe auf Weidetiere und Menschen schürten Ängste

Die Landwirtschaft verringerte durch Viehhaltung und Waldrodung den Wildbestand, die natürlich Nahrungsquelle des Wolfs. Laut Bundesministerium für Umwelt (BMUV) ernährt sich der Wolf zu über 90 Prozent von Reh-, Rot- und Schwarzwild. Wölfe unterscheiden nicht zwischen „erlaubt“ oder „nicht erlaubten“ Beutetieren. „Sie töten Tiere, die sie leicht überwältigen können“, so das BMUV. So kam es schon damals häufiger zu Angriffen auf Weidetiere – eine existenzielle Bedrohung für Bauern, so der Wolfsmanagementplan. Auch kam es gelegentlich zu Übergriffen auf den Menschen, zum Beispiel durch Wölfe, die an Tollwut erkrankten. Das schürte die Angst und sorgte dafür, dass die Menschen begannen, die Raubtiere systematisch zu jagen.

Seit dem Mittelalter wurde der Wolf in Niedersachsen aus Angst vor Angriffen gejagt und nahezu ausgerottet. Erst 2011 wurden wieder erste Tiere in der Region gesichtet. (Symbolbild)

Um 1850 war Deutschland weitestgehend wolfsfrei. Auch Niedersachsens Wolfspopulation war stark verringert. Der bekannteste Niedersächsische Wolf ist der „Würger von Lichtemoor“, der zahlreiche Weidetiere rund um das Lichtenmoor bei Nienburg/Weser gerissen haben soll und in der 50er Jahren von Hermann Gaatz erlegt wurde, berichtet die Landesjägerschaft Niedersachsen. 1980 wurde der Wolf in Deutschland, nach der Wiedervereinigung 1990 auch in Ostdeutschland zur streng geschützten Art.

Wolf siedelt sich wieder in Niedersachsen an – Zahl wächst exponentiell

Etwa 20 Jahre später, ab dem Monitoringjahr 2011/2012, siedelten sich in Niedersachsen wieder Wölfe an. Das ist einer Wolfsmonitoring-Grafik der Landesjägerschaft zu entnehmen. Nach aktuellem Kenntnisstand wächst die Zahl der nachgewiesenen Wolfsterritorien jährlich exponentiell um 32 Prozent. Im Monitoring-Jahr 2022/2023 waren 40 Wolfsrudel und sechs Wolfspaare sowie zwei Einzelwölfe in Niedersachsen bekannt. Karten des Niedersächsischen Umweltministeriums zeigen: Die meisten Rudel leben zwischen Hamburg und Hannover. Davon sind viele allerdings unbestätigt.

Karte der Landesjägerschaft zeigt: Wo leben Wölfe in Niedersachsen 2023?

Die meisten Wolf-Territorien in Niedersachsen befinden sich zwischen Hannover und Hamburg.

Auch heute ist die Angst vor dem Wolf groß: Viele Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen fürchten, dass der Wolf gefährlich für ihre Tiere werden könnte. Zuletzt fielen Schafe und Rinder, aber auch Pferde dem Wolf zum Opfer. 2022 wurde der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen. Könnte sich die Geschichte wiederholen?

Aktuelles Jagdrecht in Niedersachsen: Wolf darf nur in Ausnahmefällen erschossen werden

Im Gegensatz zu vor 200 Jahren muss der Abschuss eines Wolfes heute genehmigt werden. Diese Ausnahme wird nur erteilt, wenn einzelne Tiere regelmäßig hohe Zäune überwinden und Schafe oder andere Weidetiere reißen, so das Niedersächsische Umweltministerium.

Um den Bestand des Wolfs genau im Blick zu haben, hält die Landesjägerschaft Niedersachsen auch Totfunde statistisch fest und dokumentiert diese. Fundort, Datum, Todesursache sowie Angaben zum Tier, wie Geschlecht, Alter und Herkunft, werden ebenfalls festgehalten. Aus der Statistik der vergangenen Jahre geht hervor, dass Wölfe in Niedersachsen vor allem durch Verkehrsunfälle sterben, nicht etwa durch die Jagd. In Summe kamen 172 Wölfe zwischen 2014 und 2023 durch einen solchen Unfall ums Leben.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

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