Wolf in Niedersachsen

„Hass tötet“: Tierschutzverein sucht Wolfs-Verstümmeler – mit 15.000 Euro Belohnung

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Nachdem Passanten in Niedersachsen einen abgetrennten Wolfskopf gefunden hatten, sucht die Polizei nach Hinweisen. Ein Tierschutzverein setzt eine Belohnung von 15.000 Euro aus.

Hannover/Gifhorn – Ein grausiger Fund beschäftigt derzeit die Polizei, ein Forschungsinstitut, verschiedene Vereine und nicht zuletzt die Politik: Am Karfreitag, 7. April 2023, hatten Passanten einen abgetrennten Wolfskopf in der Nähe des Nabu-Artenschutzzentrums in Leiferde im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen entdeckt. Jetzt sucht ein Tierverein nach dem Wolfs-Verstümmeler – und setzt eine Belohnung in Höhe von 15.000 Euro aus.

15.000 Euro Belohnung: Tierverein sucht Wolfs-Verstümmeler im Landkreis Gifhorn

Wie die Polizei mitteilte, untersuchten die Beamten den Kopf zunächst mit einem Wolfsberater. Auf Social-Media sind auch Bilder der grotesken Szene geteilt worden. Die Polizei bestätigte die Echtheit der Bilder – worauf der auf der Straße liegende Kopf mit per Stock aufgesperrtem Maul zu sehen ist – bereits am Osterwochenende

Am Karfreitag, 7. April 2023, hatten Passanten einen abgetrennten Wolfskopf in der Nähe des Nabu-Artenschutzzentrums in Leiferde im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen entdeckt. (Symbolbild)

Die Beamten prüfen, ob es einen Zusammenhang mit dem Fund eines Wolfes am 23. März, ebenfalls im Landkreis Gifhorn, gibt. In diesem Fall laufe bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Jagdwilderei. „Nach ersten Erkenntnissen gehen wir aber nicht davon aus, dass es sich um dasselbe Tier handelt“, sagte der Polizeisprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Experten untersuchen abgetrennten Kopf: Zusammenhang zu anderer Tat möglich

Eine Bestätigung dafür könne eventuell eine Expertenanalyse bringen. Der Kopf werde vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin untersucht, sagte ein Gifhorner Polizeisprecher am Dienstag. Die Beamten erhoffen sich daraus Erkenntnisse zum Alter und zur Todesursache sowie zum Rudel des Tieres.

Im Fall um den Wolfskopf sei nun ein Ermittlungsverfahren wegen Jagdwilderei eingeleitet worden. Die Polizei hofft auf Zeugen, die Hinweise geben können. Darauf hofft auch der Verein Wolfsschutz-Deutschland, denn dieser setzte eine Belohnung aus. Zunächst belief sie sich auch 3000 Euro, mittlerweile ist die Belohnung auf satte 15.000 Euro angewachsen.

Wolffschutz-Deutschland kritisiert Vorfall: „Hier hat sich wieder einmal gezeigt, dass Hass tötet“

Wie es in einer Pressemitteilung des Vereins heißt, sei die Aufstockung durch einen Großspender möglich gewesen, der nach eigenen Angaben selbst auch weiter zu dem Fall recherchieren und in diesem Fall auch aktiv sein wird. Nach Meinung von Brigitte Sommer, der Vorsitzenden von Wolfsschutz-Deutschland, zeige der Vorfall, wie weit Hass gehen könne.

Hier hat sich wieder einmal gezeigt, dass Hass tötet.

Brigitte Sommer, Vorsitzende von Wolfsschutz-Deutschland

„Hier hat sich wieder einmal gezeigt, dass Hass tötet. Wir von Wolfsschutz-Deutschland e. V. fordern deshalb, dass dieser oft geschürte Hass ein Ende haben muss“, wird die Vorsitzende zitiert. Wölfe hätten, genauso wie wir Menschen, ein Recht auf ein Leben in Frieden. Es sei nicht zu akzeptieren, dass Menschen es sich herausnehmen, alles zu zerstören, was ihre Komfortzone streife.

Geldstrafe von 50.000 Euro möglich: Tierschutzverein sucht nach Wolfs-Verstümmeler

Der Wolf stehe unter strengem Schutz und das Nachstellen, Fangen, Verletzen und Töten von Wölfen werde mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren und einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet. „Doch einer bestimmten Klientel scheint das Strafmaß längst nicht mehr abzuschrecken“, heißt es in der Mitteilung weiter. So hätte es seit 2018 alleine im Landkreis Gifhorn drei besonders grausame, illegale Tötungen gegeben.

Sommer erklärt weiter, dass solche Taten eine Vorgeschichte hätten. Seit Jahren würden Hetze und Forderungen nach Abschüssen immer mehr. „Gerade bestimmte Politiker und Berufsgruppen wie Hobbyjäger, Landwirte, Pferdehalter und die Medien könnten mit ihrem Verhalten, wie z. B. Panikmache und dem Schüren von Hass auf die Beutegreifer, Vorschub leisten.“

„Landesregierung hat beim Wolf versagt“: CDU kritisiert Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer kritisiert derweil das Ablegen des abgetrennten Wolfskopfes. Die Aktion sei makaber, rechtswidrig und klar zu verurteilen, sagte der Politiker der Grünen der Braunschweiger Zeitung am Mittwoch. Das Artenschutzzentrum leiste eine wichtige Arbeit und sei Anlaufstelle für viele Tierfreunde, die etwa verletzte Tiere dorthin bringen, sagte Meyer. „Vor dieser Einrichtung den abgetrennten Kopf eines – ebenfalls geschützten – Tieres abzulegen, ist perfide.“

Die Ereignisse der jüngsten Zeit zeigen deutlich, dass die Landesregierung beim Wolf versagt hat.

Frank Schmädeke, CDU-Landtagsabgeordneter

Die CDU im Landtag übte Kritik an Meyer. „Die Ereignisse der jüngsten Zeit zeigen deutlich, dass die Landesregierung beim Wolf versagt hat“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Schmädeke der Braunschweiger Zeitung. Immer wieder würden Weidetiere gerissen. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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