„Nicht mehr zu schaffen“

155-jährige Firmengeschichte: Traditionsgeschäft legt Filialen zusammen

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Die Zweitfiliale von Step In schließt zum 31. Dezember. In der Hauptfiliale schräg gegenüber (Wagenfeldstraße 6) geht der Betrieb weiter.
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Im Jubiläumsjahr schließt ein Schuhhaus in Drensteinfurt seine zweite Filiale. Die Kinder- und Damenschuhe ziehen mit um ins Hauptgeschäft. Kunden erwartet weiterhin das volle Sortiment.

Drensteinfurt – Viele Branchen leiden unter anhaltendem Personalmangel. Auch der Einzelhandel hat zunehmend Probleme, neue und zuverlässige Mitarbeiter zu finden. Das sorgt dafür, dass immer mehr Geschäfte die Notbremse ziehen müssen. Nun trifft es ein weiteres Traditionsgeschäft in der Drensteinfurter Innenstadt. Zum Ende des Jahres schließt das Schuhhaus Step In seine zweite Filiale auf der Wagenfeldstraße 19/Ecke Martinstraße.

Traditions-Schuhhaus in Drensteinfurt: Step In schließt

Dass diese Entscheidung ausgerechnet im Jubiläumsjahr fallen musste – Step In feierte jüngst sein 155-jähriges Bestehen – habe sich laut Inhaberin Petra Scheffer bereits seit einiger Zeit herauskristallisiert. „Seit drei oder vier Jahren ist der Personalmangel bei uns schon ein großes Thema. Wir haben lange gesucht, konnten aber keine passenden Mitarbeiter finden“, sagt sie. Service sei ihr in ihrem Geschäft nach wie vor besonders wichtig. „Es braucht Leute, die sich mit Füßen und Schuhen auskennen. Unsere Branche lebt von guter Beratung.“

Geschichte des Schuhhauses

Das Schuhhaus gibt es bereits seit 1870 an der Wagenfeldstraße. Gegründet wurde es von Gerhard Wibbeke. Seine Familie erweiterte den Betrieb zusehends. 1936 wurde das Geschäft durch Einheirat in „Schuhgeschäft Tewes“ umbenannt, bevor es in den 60er und 70er Jahren erneut erweitert und umgebaut wurde.

Eine weitere Umbenennung, durch die Heirat von Erbin Marlies Simons in „Schuhhaus Simons“ folgte. Aufgrund der zunehmenden Nachfrage an Sportschuhen wuchsen die Verkaufsflächen weiter. 1985 eröffnete die Familie die zweite Filiale an der Wagenfeldstraße 19. Im Jahr 1990 entstand aus den Häusern Nummer 4 und 6 das heutige Hauptgeschäft.

1991 trat Petra Simons (heute Scheffer) in den Familienbetrieb ein und gründete und erweiterte die Kinder- und Orthopädieschuh-Abteilungen. Sie führt den Betrieb bis heute weiter.

Aus dem gesamten Kreis Warendorf kämen die Kunden bis nach Drensteinfurt. Während der Corona-Pandemie habe sie sich Mühe gegeben, die Kunden trotz allem nicht im Stich zu lassen. „Wir haben teilweise per Video Fußanalysen und Empfehlungen für Schuhe gegeben. In dieser Zeit haben wir viele Kunden dazugewonnen. 80 Prozent unserer Kunden kommen von außerhalb“, so Scheffer. Und der Andrang werde stetig mehr, da es in der Umgebung beispielsweise kaum noch richtige Kinderschuhgeschäfte gebe.

Zum 31. Dezember ist Schluss in der Filiale

Die Entscheidung fiel ihr nicht leicht: Petra Scheffer liebt ihren Betrieb.

„Meine Kolleginnen bedienen manchmal alleine mehrere Kunden gleichzeitig. Es ist einfach nicht mehr zu schaffen“, bedauert sie. Insgesamt arbeiten sieben Verkäuferinnen bei Step In. Petra Scheffer ist dabei die einzige Vollzeitkraft. An diesem Punkt sei es wichtig, ihre Mitarbeiterinnen und sich selbst zu schützen, deshalb sei die Entscheidung, eine Filiale zu schließen, richtig.

Für die Kunden ändert sich dabei nicht viel. Auch das Sortiment soll nicht reduziert werden. Die Kinder- und Damenschuhabteilungen ziehen mit um in die Hauptfiliale. „Wir haben ein großes Lager und werden weiterhin eine gute Auswahl anbieten können“, so Scheffer. Zum 31. Dezember ist dann Schluss in der zweiten Filiale. Der Ausverkauf, mit einer Rabattaktion, hat bereits begonnen.

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