Neue Zahlen

30 Prozent mehr Firmen-Insolvenzen: Doppelt so viele Arbeitnehmer wie im Vorjahr betroffen

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Im heimischen Raum hat vor allem die Insolvenz von Superior Industries für Schlagzeilen gesorgt. Generell war das vergangene Jahr im Kreis von einem Anstieg der Unternehmens-Insolvenzen geprägt. Archivfoto
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Um mehr als 30 Prozent ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen von 2022 auf 2023 im Märkischen Kreis nach oben gesprungen – von 72 auf 94. Das geht aus jetzt veröffentlichten Zahlen von IT.NRW als Statistisches Landesamt hervor. Von diesen Insolvenzen waren im vergangenen Jahr 536 Arbeitnehmer betroffen – mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor, wo noch von 222 Arbeitnehmern die Rede war.

Märkischer Kreis – Allerdings: Nicht alle Verfahren wurden auch tatsächlich eröffnet. Bei den Firmen war das bei 27 (2022: 23) der Fall, die „mangels Masse abgewiesen“ wurden. Übersetzt: Das verfügbare Vermögen des Schuldners reicht in so einem Fall voraussichtlich nicht aus, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu begleichen.

Wie auch schon in 2022, wurde auch in 2023 zudem in einem Fall der Schuldenbereinigungsplan angenommen. Wenn dieser angenommen wurde, bedeutet das, dass Gläubiger und Schuldner einen Plan vereinbart haben, wie die Schulden beglichen werden sollen. Dieser Plan legt fest, wie viel der Schuldner in einem bestimmten Zeitraum zahlt, um seine Schulden zu reduzieren oder vollständig zu tilgen. Es ist ein Schritt zur finanziellen Erholung des Schuldners.

Anstieg insgesamt nicht ganz so extrem

Die Insolvenzverfahren als Ganzes betrachtet, ist der Anstieg im Märkischen Kreis nicht ganz so extrem wie bei den Firmen. So geht aus den Zahlen hervor, dass die Amtsgerichte in 2023 insgesamt 685 Insolvenzverfahren registriert haben, was einem Anstieg von gut 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, in dem es 656 Insolvenzen gegeben hatte.

Die Verfahren für Verbraucher machten den größten Anteil aus und beliefen sich auf 481, was einer leichten Abnahme im Vergleich zu den 500 im Jahr 2022 entspricht. Elf Verfahren (2022: 5) wurden hier mangels Masse abgewiesen, einmal wurde der Schuldenbereinigungsplan angenommen. Die Zahl der Insolvenzverfahren für ehemals Selbstständige betrug 110, verglichen mit 84 im Vorjahr. 2023 wurden hier zwölf Verfahren (2022: 14) mangels Masse abgewiesen, einmal (2022: 1) wurde ein Schuldenbereinigungsplan aufgenommen.

Vor-Corona-Jahr: Veränderung

Gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019, wo insgesamt 705 Insolvenzverfahren im Märkischen Kreis gemeldet wurden, zeigt sich für 2023 entsprechend ein leichter Rückgang. 2023 waren bekanntlich 536 Arbeitnehmer von Insolvenzen betroffen, was wiederum ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 705 im Jahr 2019 ist. Die voraussichtlichen Forderungen lagen bei 116 381 000 Euro in 2023, höher als die 86 786 000 Euro in 2019 und die 102 449 000 Euro in 2022.

Im Jahr 2023 haben die nordrhein-westfälischen Amtsgerichte landesweit 20,9 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen gemeldet als im Jahr zuvor. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt weiterhin mitteilt, wurden 4572 beantragte Insolvenzverfahren von Unternehmen in der Statistik erfasst. 2022 waren es 3783 Verfahren.

53 815 Arbeitnehmer NRW-weit betroffen

„Zum Zeitpunkt der Übermittlung im Jahr 2023 waren 53 815 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einer Unternehmensinsolvenz betroffen, fast viermal so viele wie im Jahr 2022 (damals: 14 305 Beschäftigte). Die voraussichtlichen Forderungen beliefen sich im Jahr 2023 auf 8,6 Milliarden Euro und waren damit fast dreimal so hoch wie im Jahr 2022 (damals: 3,0 Milliarden Euro)“, schreiben die Statistiker.

Am auffälligsten ist der Einbruch an Verbraucherinsolvenzen im Corona-Jahr 2023. Seitdem bewegt sich der Wert grob in etwa auf dem Niveau davor. GRAFIK: WIECHOWSKI

„Nach Rückgängen in den Jahren 2020 bis 2022 gab es damit erstmals wieder einen Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen“, heißt es weiter. Ihre Zahl war um 14,6 Prozent niedriger als vor der Corona-Pandemie (2019: 5351 Verfahren). Die Zahl der betroffenen Beschäftigten war dagegen 2023 um 48,0 Prozent höher als vor der Corona-Krise (2019: 36 363 Beschäftigte). Auch die voraussichtlichen Forderungen waren mehr als doppelt so hoch wie im Jahr 2019 (damals: 3,2 Milliarden Euro).

Gesundheitsbereich am stärksten betroffen

Im Jahr 2023 gab es nach Angaben der Statistiker im Wirtschaftsbereich „Gesundheits- und Sozialwesen” mit 179 gemeldeten Insolvenzverfahren den größten Anstieg bei den Verfahrenszahlen, die Zahl war demnach fast doppelt so hoch wie 2022 (damals: 90 Verfahren). In diesem Bereich waren 4857 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betroffen, das waren fast sechsmal so viele wie ein Jahr zuvor (2022: 819 Beschäftige). Die voraussichtlichen Forderungen beliefen sich auf 198,1 Millionen Euro und waren damit fast dreimal so hoch wie 2022 (damals: 72,4 Millionen).

Wahrscheinlich fehlen noch viele Zahlen

Das Statistische Landesamt weist darauf hin, dass die Zahl der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht bei allen Insolvenzverfahren bekannt ist. „In der Statistik werden alle Insolvenzverfahren erfasst, für die eine gerichtliche Entscheidung über den Antrag erlassen wurde und die die Amtsgerichte für den jeweiligen Berichtszeitraum an das Statistische Landesamt gemeldet haben“, heißt es.

In Einzelfällen meldeten die Gerichte Insolvenzverfahren verspätet. Diese Verfahren würden nicht dem Berichtszeitraum zugeordnet, in dem die gerichtliche Entscheidung gefallen sei, sondern dem nächsten zu erstellenden Berichtszeitraum. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten einzelner Amtsgerichte im 4. Quartal 2023 sei vermehrt mit Nachlieferungen in den nachfolgenden Berichtszeiträumen zu rechnen.

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