- VonFrank Osiewaczschließen
Ende der 1950er Jahre leistete Elvis Presley seinen Militärdienst in Deutschland. Auch dort stand er viel im Rampenlicht. Wer eins dieser Fotos besitzt, könnte es teuer verkaufen. Dirk Heimann machte seinerzeit jedoch ein Schnäppchen.
Hamm – Es war ein gutes Geschäft, das Dirk Heimann 1958 auf dem Schulhof abschloss: 80 Pfennig verlangte ein Mitschüler damals für ein signiertes Schwarz-Weiß-Foto des King of Rock ‘n’ Roll. Das entsprach in etwa dem Preis für ein Kilogramm Mehl und etwas mehr als für einen Liter Benzin. Heute werden Elvis-Autogramme je nach Foto-Motiv für vierstellige Beträge angeboten. Ein Verkauf ist aber inzwischen kein Thema mehr.
Seit Donnerstag hängt die Fotografie, die während Elvis’ Militärzeit in Deutschland entstanden und signiert worden ist, fein gerahmt im Wohnzimmer. Das erste Mal überhaupt in fast 65 Jahren, dass ihr eine solche Ehre zuteilwurde. Aber wie findet ein Elvis-Autogramm den Weg nach Hamm?
Von Bad Nauheim nach Hamm
1958 war Dirk Heimann 14 Jahre alt und Schüler am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Ein Mitschüler, dessen Name Heimann nicht mehr bekannt ist, bot ihm die Fotografie auf dem Schulhof an. Laut Heimann hatte der unbekannte Pennäler sie selbst angefertigt. In den Ferien, so erinnert sich der 78-Jährige, sei besagter Mitschüler bei Verwandten in Bad Nauheim oder Umgebung zu Besuch gewesen. In Bad Nauheim lebte auch Presley während seiner Militärzeit von Oktober 1958 bis Februar 1960. Stationiert war er nur etwa drei Kilometer entfernt in den „Ray Barracks“ in Friedberg. Die Zeit bei der Verwandtschaft nutzte der Mitschüler als Fotograf und Autogrammjäger – wie unzählige andere auch, die den damals schon berühmten Musiker belagerten.
Die Fotografie mit zeittypischen gezackten weißen Rahmen zeit Elvis in Militärkleidung mit Blick nach unten, höchstwahrscheinlich bei der Erfüllung von Autogrammwünschen. In der linken Hand ist vage eine Fotografie zu erkennen. Ein älterer Herr mit Hut scheint sie ihm zugesteckt zu haben oder greift danach. Ein Jugendliche mit blonden zurückgekämmte Haaren verfolgt das Geschehen. Anhand der Kleidung könnte das Foto im Herbst 1958 entstanden sein, allerdings gab es 1958 keine Herbstferien in NRW. Das Gebäude im Hintergrund könnte ein Kasernengebäude sein. Die Umgebung ist recht luftig, im Gegensatz zur dichter bebauten Goethestraße, wo Elvis in der Hausnummer 14 lebte.
Der unbekannte Fotograf
An den Namen des Fotografen kann sich Dirk Heimann nicht erinnern. Er sei immer „der Typ mit den Elvis-Fotos“ gewesen. Unklar ist für ihn auch, ob er aus seiner Stufe oder möglicherweise aus einem älteren Jahrgang stammte. Unzweifelhaft ist aber wohl, dass der Schüler nicht nur Heimann ein Foto mit Elvis-Autogramm verkauft hat. Möglicherweise werden ja auch noch in anderen Familien ehemaliger Stein-Schüler Elvis-Bilder aus gleicher Quelle aufbewahrt. Vielleicht gibt es andere Motive von diesem Rock ‘n’ Roll-Ausflug nach Hessen, und vielleicht fühlt sich jetzt sogar der Fotograf angesprochen. Wer ein Foto besitzt oder den Fotografen kennt, kann sich beim WA, Telefon 105-159 oder fosiewacz@wa.de, melden.
Foto mit Elvis-Autogramm: Ein Schatz für alle Generationen
Ihr Vater sei nie ein echter Elvis-Fan gewesen, sagt Tochter Jenny. Zweifellos sei er damals aber von dem Phänomen Elvis, der Berühmtheit und der Begeisterung, die Rock ‘n’ Roll-Star auslöste, angesteckt gewesen. Hängen geblieben sein muss etwas: Sie selbst habe bei sonst eingeschränktem TV-Konsum Elvis-Filme immer bis zum Ende sehen dürfen.
Dirk Heimann hat die Fotografie, die er jahrzehntelang in seinem Schreibtisch hütete, nun an seine Kinder übergeben. Tochter Jenny hatte ursprünglich die Idee, mit dem „Schatz“ bei „Bares für Rares“ aufzutreten und den Erlös für ein Familien-Event zu verwenden. Auf die Zusage des Senders folgte ebenso schnell die Absage: laut Heimann weil die Fotorechte mangels Namen des Fotografen nicht geklärt sind und der Sender das Foto so nicht zeigen kann.
Ein Auktionshaus in Köln bot ihr in der Folge 800 Euro für das Bild – doch dann entschied sich Heimann ganz anders: „Das Bild auf diese Weise einfach für Geld aus der Hand zu geben, fühlte sich nicht richtig an“, sagt sie. Nun bleibt es erhalten und hängt gerahmt an der Wand. Der King und ein Stück Rock-Geschichte, jederzeit zum Greifen nah.
Die Nachricht ging um die Welt: Presleys einzige Tochter ist gestorben. Die Sängerin Lisa Marie Presley hat Medienberichten zufolge zunächst einen Herzstillstand erlitten und musste wiederbelebt werden, nun bestätigt die Familie ihren Tod.
