Info-Abend auf dem Schulhof

Ärger über Grundschule Lösenbach: „Wir fühlen uns vergackeiert“

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Anwohner und Eltern nutzten den Info-Abend der SPD, um ihren Unmut über den „Stillstand“ an der Grundschule Lösenbach zu äußern.
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Im Januar soll es an der Grundschule Lösenbach endlich losgehen. Zwar nicht mit dem Abriss und Neubau des Gebäudes, immerhin jedoch mit der lange angekündigten Reaktivierung der Sport- und der Schwimmhalle. Das war die nahezu einzige positive Nachricht, die die Chefin der Zentralen Gebäudewirtschaft (ZGW) der Stadt, Irina Becker, zum Info-Abend auf dem Schulhof mitgebracht hatte.

Lüdenscheid - Ansonsten weht den Vertretern der Stadtverwaltung am Montagabend bei Nieselregen in der Dunkelheit eisiger Wind entgegen. Etwa 30 Anwohner und Eltern der Buckesfelder Schule sind auf Einladung der SPD gekommen – und lassen ihrem Ärger über den „Stillstand“ beim Abbruch und Neubau des Schulgebäudes emotional und ungebremst freien Lauf. Eine Bürgerin bringt die Gefühlslage im Stadtteil auf den Punkt. „Wir fühlen uns total vergackeiert.“

Seit zweieinhalb Jahren werden die Kinder nicht mehr wohnortnah unterrichtet, sondern mit Bussen quer durch die Stadt zur Ersatzschule an der Kaiserallee transportiert. Genauso lange warten die Eltern darauf, dass sich an der Schubertstraße irgendetwas tut. SPD-Stadtverbandsvorsitzender Philipp Kallweit, seine Ratskollegin Ramona Ullrich, Stadtkämmerer Sven Haarhaus und ZGW-Leiterin Irina Becker haben zwar Antworten, aber auch hörbar Mühe, die Wut der Bürger zu zügeln. Zwischenrufe wie „Ihr Pfeifen!“ verbessern das Gesprächsklima nicht.  

Für den Unmut der Anwohner und Eltern gibt es offenbar mehrere Gründe. Zum einen das „Vakuum“, in dem die Betroffenen seit der Schulschließung auf Fortschritte warten, wie ein Nachbar sagt. Zum anderen die Tatsache, dass Bürgermeister Sebastian Wagemeyer „hier nicht steht“, wie ein anderer anmerkt. „Woanders wird so was zur Chefsache gemacht, das vermisse ich hier.“

 „Woanders wird so was zur Chefsache gemacht, das vermisse ich hier.“

Anwohner

Die Argumente der Verantwortlichen aus dem Rathaus klingen hingegen plausibel. Eines der Stichworte lautet: Personalressourcen. Irina Becker: „Der Rat hat uns für dieses Projekt drei zusätzliche Stellen bewilligt, die können wir nicht besetzen.“ Bis heute gebe es keine geeigneten Bewerber. Kämmerer Haarhaus ergänzt: „Wir hatten Bewerber aus dem nicht-europäischen Ausland, etwa aus Nordafrika – ohne Deutschkenntnisse.“

Doch einfach heimische Handwerker zu konsultieren, die sich mit Heizung und Elektrik auskennen, um wenigstens den Sportbetrieb am Schulstandort zu sichern, wie ein Anwohner es fordert – das scheitere an der Pflicht der Kommune, anstehende Arbeiten stets europaweit auszuschreiben. Philipp Kallweit: „Wir haben in Deutschland ein riesiges Bürokratieproblem.“

Bei der ZGW müssten Fachleute die Rechnungen der Bauunternehmer prüfen – um diese Rechnungen dann dem Rechnungsprüfungsamt vorlegen zu können. „Aber die Leute sind nicht da, und die kommen auch nicht.“ Auch dieses Beispiel zeige, dass die Brückensperrung „irrsinnig viel kaputt gemacht hat“.

Die Politiker und ZGW-Vertreter hatten bei der Diskussion keinen leichten Stand.

Auch der Umstand, dass die Verantwortlichen weder mit der Entkernung und Asbest-Entsorgung im Inneren der Schule begonnen, geschweige denn eine Planung für den Neubau auf dem Schreibtisch haben, sorgt vereinzelt für Hohngelächter. Ein weiteres Problem für die Akteure der Stadtverwaltung: Es gab schon einen Generalplaner für den „Rückbau“, doch der ist wieder abgesprungen. Ob der Abriss der Schule bis Sommer erledigt ist, dazu sagt Irina Becker: „Das kann ich noch nicht einschätzen.“ Die Situation sei „Neuland“ für die Stadt. Man frage auch in anderen Kommunen nach: „Wie macht ihr das?“

So müssen sich Anwohner und Eltern am Buckesfeld offenbar noch eine Weile mit dem Status quo abfinden – und damit, dass ihre Kinder morgens um 7 Uhr aus dem Haus zur Bushaltestelle müssen, um für Kosten von rund 500 000 Euro pro Jahr zum Unterricht gefahren zu werden. Eine Mutter: „Meine kleine Tochter ist in Lüdenscheid mehr auf den Straßen unterwegs als ich.“ Ein Vater: „Das kostet unsere Steuergelder.“

Es bleiben Fragen offen. Wie groß wird die neue Schule? Irina Becker: „Größer als die jetzige.“ Bleiben die Bäume stehen? „Die sollen so weit es geht erhalten werden.“ Über welche Straßen wird der Baustellenverkehr abgewickelt? „Die Anliegerstraßen sollen geschützt werden.“ Und: Warum konnten die Kinder bis zum Abriss nicht einfach in ihrer angestammten Schule bleiben? „Weil die Duldung durch die Bauaufsicht und die Feuerwehr aus Brandschutzgründen nur vorübergehend bestand.“

Das Ende der Veranstaltung auf dem Schulhof gerät versöhnlicher als deren Verlauf. Nachbar Hans-Joachim Waibel: „Es ist nicht gut, dass die Mitarbeiter der ZGW hier wie eine Sau durchs Dorf getrieben werden.“ Ein Anlieger dankt den Verwaltungsvertretern dafür, „dass Sie hier Rede und Antwort gestanden haben“.

Wenn der Beginn der „großen“ Arbeiten an der Schubertstraße absehbar ist, will die Stadt die Buckesfelder wieder einladen – und über die Baustellen-Abwicklung informieren.

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