- VonFrank Lahmeschließen
Der AfD-Büroleiter in Hamm, Julian-Bert Schäfer, muss sein Ehrenamt bei der katholischen Kirche ruhen lassen. „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“, sagt die Bischofskonferenz.
Hamm – Ein aktiver Part in der AfD verträgt sich nicht mit kirchlichem Ehrenamt: Diese Position vertritt Pfarrer Ralf Dunker aus dem Süden von Hamm, der nun in Abstimmung mit dem Erzbistum Paderborn auch Fakten geschaffen hat. Julian-Bert Schäfer (20), seit einigen Jahren als Messdiener, Lektor und gelegentlicher Beerdigungs-Organist in der Pfarrei St. Franziskus von Assisi (Hamm Süden und Stadtbezirk Rhynern) im Einsatz, wurde Anfang Juli von Dunker dazu aufgefordert, seine ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Gemeinde ruhen zu lassen, solange er für die AfD aktiv und öffentlich tätig ist.
AfD-Büroleiter fliegt in Hamm als Messdiener der Kirche raus
| Stadt | Hamm |
| Einwohner | 180.761 ( Stand: 31.12.2023) |
| Oberbürgermeister | Marc Herter (SPD) |
Julian-Bert Schäfer ist, wie er im Gespräch mit wa.de mitteilt, seit vier Jahren AfD-Mitglied und seit November 2023 Büroleiter der AfD-Ratsfraktion in Hamm. Er habe dort einen 30-Stunden-Job, der nach TVöD (Entgeltgruppe 11) vergütet werde, sagt Schäfer. „Damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt.“ Zu seinen Aufgaben als Büroleiter gehöre die Pressearbeit für die Hammer AfD, der Dialog mit Bürgern aus der Stadt und die Vermittlung von Anträgen und Anfragen „seiner“ Ratsfraktion an die Verwaltung. Der 20-Jährige ist zudem Beisitzer im Vorstand des AfD-Kreisverbandes Hamm und Bürgervertreter der AfD im Ausschuss für Familie, Kinder- und Jugendhilfe. Sein LinkedIn-Profilbild zeigt ihn an der Seite von Alice Weidel, im NRW-Jugendlandtag trat er bereits 2023 für die AfD als Redner auf.
Der 20-jährige Schäfer hat seinen Fall nun selbst öffentlich gemacht. Nicht als Privatperson, sondern per AfD-Pressemitteilung samt Parteilogo vom 18. Juli. Er fühle sich zu Unrecht aus dem kirchlichen Leben ausgeschlossen, ist darin unter anderem zu lesen. Die Maßnahme sei ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz (Artikel 3 Grundgesetz). Dunker habe seine Entscheidung zudem „willkürlich“ und ohne Abstimmung mit dem Seelsorgeteam getroffen.
AfD-Büroleiter muss Ehrenamt ruhen lassen - so erklärt der Pfarrer den Schritt
Ralf Dunker erklärt im Gespräch mit wa.de, dass er zunächst von zwei Mitgliedern aus der Gemeinde auf die Rolle Schäfers in der AfD angesprochen und daraufhin in Abstimmung mit dem Erzbistum Paderborn tätig geworden sei. Die Entscheidung, dass Julian-Bert Schäfer sein Ehrenamt in der katholischen Kirche ruhenzulassen habe, habe nichts mit dessen Parteizugehörigkeit an sich, sondern mit der aktiven und öffentlichen Rolle des 20-Jährigen in der AfD zu tun. Wenn er seine Funktionärstätigkeit aufgebe, könne er wieder in der Gemeinde tätig werden.
Dunker und der Bereich „Pastorales Personal“ im Erzbistum berufen sich unter anderem auf eine Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz von Februar 2024 „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“. Die Pressestelle des Erzbistums teilte wa.de zudem mit, dass die Entscheidung im Schäfer-Fall auch nach einer Erörterung in der Dechanten-Konferenz als begründet einzustufen sei.
Bislang wurde Schäfer die Entscheidung nur mündlich mitgeteilt. Das missbehagt ihm und der AfD. „Wir wollen das politisch nutzen“, sagt Schäfer wa.de. Er habe nunmehr einen Anwalt eingeschaltet, der die Gründe für den Ausschluss, dessen Dauer und die Bedingungen für eine Rücknahme schriftlich bei Dunker einfordern werde. Wer dieser Anwalt sei? „Ein Bundestagsabgeordneter der AfD, der zugleich Rechtsanwalt ist“, so Schäfer.
Auf ihrer Facebook-Seite versucht die Hammer AfD bereits Stimmung zu machen. „Rauswurf gegen das Grundgesetz – AfD-Mann wird aus Kirche geworfen“ ist dort zu lesen.
Zuletzt sprach der AfD-Politiker Björn Höcke in Hamm, sein Auftritt war jedoch nicht öffentlich.
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