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Der AfD-Parteitag versetzt Essen am Wochenende in einen Ausnahmezustand. Es werden bis zu 100.000 Demonstranten erwartet. Die Polizei rechnet mit Ausschreitungen.
Essen - Essen im Ausnahmezustand: Am Wochenende findet der Bundesparteitag der AfD in der Grugahalle statt. Rund 600 AfD-Delegierte werden dort am Samstag, 29. Juni, erwartet und auf bis zu 100.000 Demonstranten aus ganz Deutschland treffen, unter ihnen auch gewaltbereite. „Vor uns liegt der größte Polizeieinsatz, den es in Essen je gegeben hat“, sagt Einsatzleiter Detlef Köbbel am Dienstag. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten.
AfD-Parteitag: „Größter Polizei-Einsatz, den es je in Essen gab“
Halteverbotsschilder in Rüttenscheid, einem beliebten Essener Stadtviertel, künden bereits von dem, was von Freitag (28. Juni) bis Sonntag (30. Juni) auf die Menschen in Essen zukommt, besonders aber auf die Anwohner, denn die Polizei zieht rund um die Grugahalle eine Sperrzone. Wer dort wohnt und sein Zuhause verlässt, sollte den Personalausweis mitnehmen, rät die Polizei. Die Massendemos werden auch zu massiven Einschränkungen im Nahverkehr führen.
18 Versammlungen waren bis Dienstagmittag angemeldet. Eine weitere kam hinzu, kurz bevor sich Essens Polizeipräsident Andreas Stüve und Einsatzleiter Köbbel zum Sicherheitskonzept äußerten. Die Polizei geht von „mehreren 10.000“ friedlichen Teilnehmern aus, doch „wir sind nicht so blauäugig zu glauben, dass es keine Störungen geben wird“, so Köbbel. Mit anderen Worten: Ausschreitungen.
Er rechne damit, dass mehrere hundert gewaltbereite Störer aus ganz Deutschland nach Essen reisen würden. „Wir wissen auch, dass es gezielt Trainings gab, um sich auf die Verhinderung des Parteitags vorzubereiten“, so Köbbel. Die Polizei stellt sich auf Sitzblockaden und Durchbruchsversuche ein. Aufgabe der Polizei sei es, sowohl die friedlichen Proteste zu schützen - als auch den ungestörten Verlauf des Parteitags. Polizeipräsident Stüve: „Wir werden jede Versammlung schützen - egal, ob uns die Meinung gefällt oder nicht.“
AfD-Parteitag sorgt für „größten Polizeieinsatz, den es in Essen jemals gab“




AfD-Parteitag in Essen: Sperrzone rund um die Grugahalle
Die Polizei will vor allem verhindern, dass Aktivisten die Anreise der AfD-Delegierten behindern oder in den gesperrten Bereich um die Grugahalle eindringen. „Falls es wirklich erforderlich sein sollte, werden wir den Schutz auch durch ein robustes Einschreiten gegen möglicherweise unfriedliche Störer gewährleisten“, betonte Essens Polizeipräsident. Köbbel: „Wir werden Straftaten konsequent im Keim ersticken.“
Mehrere 1000 Polizisten aus Essen, NRW und dem gesamten Bundesgebiet werden in Essen im Einsatz sein, näher äußerte sich Köbbel aus taktischen Gründen nicht zur Anzahl, sprach in Verbindung mit den Spielen der Fußball-EM aber insgesamt von einer „extremen Belastung“ am Wochenende.
Die AfD will bei dem Parteitag am Wochenende unter anderem den Vorstand neu wählen. Gegen das Treffen haben zahlreiche Organisationen Widerstand angekündigt - während des ganzen Wochenendes wird es Kundgebungen, Demonstrationen und Versammlungen geben.
Rubriklistenbild: © Volker Hartmann/afp

