Miniatur-Kirmes

Allerheiligenkirmes im Mini-Format: Sogar die „Alte Liebe“ ist wieder zu sehen

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Rainer und Katrin Scholz aus Wangerland präsentieren den begeisterten Besuchern die Miniaturkirmes im Remter am Dom.
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Die Miniatur-Allerheiligenkirmes von Rainer und Katrin Scholz lässt im Remter die Kirmesherzen höher schlagen. Sogar die „Alte Liebe“ ist wieder in Soest zu sehen.

Soest – Mit einem Bausatz von Faller fing es an. Als Steppke bekam Rainer Scholz glänzende Augen, als ihm seine Eltern ein Riesenrad im Kleinformat schenkten, das ideal zur Märklin-Eisenbahn passte, die schon länger ihre Runden daheim in Ahlen drehte. Denn der Filius war längst vom Kirmes-Bazillus befallen. Angesteckt von seinem Vater, der sich nebenbei beim Kirmesaufbau betätigte.

„So hat er auch meine Mutter kennengelernt, an der Raketenfahrt zum Mond“, hat Rainer Scholz diesem Fahrgeschäft, das in den 50er- und 60er-Jahren der Knüller war, einen Ehrenplatz in jener Miniaturkirmes reserviert, mit der er und seine Frau Katrin jetzt zum zweiten Mal bei der Allerheiligenkirmes in Soest gastieren. Im Remter am Dom hat das Paar den Jahrmarkt im Kleinformat aufgebaut, wo seit Sonntag Vorfreude geweckt wird auf die fünfte Jahreszeit in der Bördemetropole.

Allerheiligenkirmes im Mini-Format: Sogar die „Alte Liebe“ ist wieder in Soest zu sehen

16 Platten, jeweils einen halben Meter breit und anderthalb Meter lang, haben die beiden aus dem Wangerland in Ostfriesland angereisten Bausatzexperten zusammengebaut. So können sich die Kirmesfans auf Einladung der Kirmesfreunde die Nasen an den Plexiglasscheiben platt drücken, um all die kleinen, liebevoll zusammengefügten Details erkennen zu können.

Da beschleicht einen Soester etwas Wehmut: 25 Jahre nach ihrem Abschied kehrt die „Alte Liebe“ zurück.

An die 7000 Figuren bevölkern die Miniaturkirmes mit ihren 35 Fahrgeschäften, 130 Buden, über 100 Wohnwagen und Transportwagen, ungezählten Autos und etlichen Häusern und Kirchen. Ein Highlight ist dabei, ganz taufrisch, die „Alte Liebe“, jene Schiffschaukel, die sich vor 25 Jahren für immer aus Soest verabschiedet hatte. Während das Schiff von der Firma Faller stammt, haben Rainer und Katrin Scholz den Bausatz ergänzt.

„Allein der Schriftzug hat 834 SMD-Leuchten“, erklärt Katrin Scholz, die daheim in Ostfriesland für die Arbeiten zuständig ist, die ganz viel Feingefühl erfordern. Da müssen die kaum einen Millimeter großen Minilämpchen an der richtigen Stelle angeklebt, verlötet und verkabelt werden. „Dabei muss ich aufpassen, dass ich die Farben nicht vertausche. Gar nicht so einfach, denn unbeleuchtet kann man sie kaum auseinanderhalten“, erklärt sie.

Ihr Mann ist für die Entwürfe zuständig, die am Computer angelegt werden, um sie über eine CNC-Maschine aus Kunststoff, Metall oder Holz herzustellen. So sind sie allesamt entstanden, jene Fahrgeschäfte, Buden und Fahrzeuge, die jetzt im Remter zu bewundern sind. Besonderer Gag für Soest: Honig-Experte Heinrich Amelunxen hat nun einen Stammplatz in der Miniaturkirmes.

Auch weitere in Soest bestens bekannte Karussells und Buden sind bei genauem Hinschauen zu erkennen. Ob es die Schießbar Desperado ist, die Fleischspieße von Marcello Winter, Röpers Mandeln oder der Flying Airdance – sie gibt es ab Mittwoch in groß zwischen Bahnhof und Damm und eben im 1:87-Kleinformat im Remter.

Rainer Scholz hat sich auf dieses Format festgelegt, weil es in Deutschland durch die H0-Bahn von Märklin so gängig ist. Diese Entscheidung für den Maßstab liegt nun 27 Jahre zurück. Denn damals wagte Rainer Scholz den Weg in die Selbstständigkeit. „Ich war Kraftfahrer, mein Arbeitgeber ging in die Insolvenz, da war ich arbeitslos. Da habe ich es gewagt, mein Hobby zum Beruf zu machen“, so der aus Ahlen stammende Wahl-Ostfriese.

Seine Kreativität kannte keine Grenzen, erlernt in all den Jahren, als er Bausätze von Faller nach eigenen Vorstellungen ergänzte, verfeinerte und mit allerlei Improvisationskunst gestaltete. „Da wurden auch Schaschlikspieße und Joghurt-Becher als Ausgangsmaterial genutzt“, lässt er in die Anfänge seiner Tätigkeit blicken.

Auch Heinrich Amelunxens legendärer Stand ist in der Miniatur-Kirmes zu sehen.

Die Geschäftsidee funktionierte, seit Jahr und Tag sind die Scholzens unterwegs in Sachen Modellbau und eben mit ihrer Miniaturkirmes. Ob Oldenburg oder Ibbenbüren, ob Bad Salzuflen oder Rheine – Ghost-Rider, Riesenrad von Landwermann, Colorado Rafting, Autosooter und eben auch Kentuckyderby und Bonbonstand – all diese Attraktionen im Miniformat kommen weit rum.

Eben auch nach Soest, wo im vergangenen Jahr Debüt war. „Da haben die Leute ganz geduldig in der Schlange gestanden und gewartet“, freuen sich Rainer und Katrin Scholz über die großartige Resonanz im Vorjahr. „Viele haben uns angeschrieben, weil sie uns nicht gefunden haben.“ Denen sei gesagt, dass die Miniaturkirmes am Rande der großen Kirmes im Remter des Patroklushauses neben dem Dom zu finden ist, Eingang ist neben dem Morgner-Haus. Zwei Euro kostet der Eintritt, für Kinder nur einen Euro. Geöffnet ist täglich bis zum 12. November von 11 bis 18 Uhr, an den Kirmestagen sogar bis 20 Uhr.

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