In den 1960ern wieder abgebaut

Als die Zukunft elektrisch war: Vor 125 Jahren fuhr die erste Straßenbahn in Hamm

+
Fototermin am Marktplatz: Mit 50 geladenen Gästen fuhr die erste Hammer Straßenbahn am 19. Oktober 1898 über die Straßen. Der reguläre Betrieb begann am nächsten Tag, heute vor 125 Jahren. Foto: archiv der stadtwerke ham
  • schließen

Vor 125 Jahren fuhr in Hamm die erste Straßenbahn. Zeitweise transportierten Bahnen auf vier Linien die Bürger durch Hamm.

Hamm – Damals ging alles ganz schnell: Im Sommer 1897 schlossen die Stadt und die Elektrizitäts Aktiengesellschaft Schuckert & Co. einen Vertrag über den Bau einer Straßenbahn in Hamm. Man begann umgehend mit Vermessungsarbeiten, verlegte im Frühjahr 1898 die Schienen und begann mit Probefahrten. Erfolgreich: Heute vor 125 Jahren nahm die Hammer Straßenbahn den regulären Betrieb auf.

Seit dem 20. Oktober 1898 pendelten die Züge zwischen dem Westenschützenhof und der Kronenburg (heute: Ost-Apotheke). Die Betriebsgenehmigung war erst am Vortag von der Bezirksregierung per Telegram geschickt worden; die offizielle Eröffnungsfahrt mit geladenen Gästen war da bereits vorbei. Die Hammer nahmen das neue Verkehrsmittel an. Dass gleich am ersten Tag ein Wagen auf der Ostenallee entgleiste, tat der Begeisterung für die Straßenbahn keinen Abbruch.

Stadtväter waren sich zunächst nicht sicher, wie die Straßenbahn ankommen würde

Dabei waren sich die Stadtväter gar nicht so sicher gewesen, dass ihre 30.000-Einwohner-Stadt eine Straßenbahn braucht. Das wirtschaftliche Risiko hatten sie deshalb zunächst auf den privaten Betreiber abgewälzt. Einmal erfolgreich, landete die Bahn 1907 in städtischem Eigentum.

Und das Netz wuchs: Ab 1901 ging es per Straßenbahn nach Hamm-Süden, 1910 nach Wiescherhöfen, 1913 nach Hamm-Norden, 1917 zur Zeche Radbod, 1926 bis Bockum, 1928 nach Pelkum und 1931 nach Herringen. Der Verkehr lief zumeist eingleisig, für sich begegnende Wagen gab es Ausweichstellen. Die zentrale Strecke zwischen Hamm-Westen und Hamm-Osten wurde allerdings zügig zweigleisig ausgebaut. Eine geplante Strecke nach Heessen kam allerdings nicht mehr zustande.

Fahrkarte 1923 kostete 50 Milliarden Reichsmark

Feste Haltestellen gab es seit 1899, Liniennummern wurden 1925 eingeführt: 1 Herringen – Bad Hamm, 2 Bahnhof – Hamm-Süden, 3 Pelkum – Bad Hamm und 4 Bahnhof – Bockum. Das Nummernsystem gilt teilweise heute noch. Die Fahrer standen anfangs auf offenen Plattformen, erst die Fahrzeugtgeneration der 1920er Jahre war vollverglast. Untergestellt und gewartet wurden sie in zwei Depots an der Wilhelm- und an der Tondernstraße.

Rückkehr auf Zeit: Ein historischer Straßenbahnwagen aus Remscheid steht beim NRW-Tag 2009 am Westentor. Die Hammer Original-Fahrzeuge wurden nach 1961 vollständig verschrottet.

Die Straßenbahn begleitete die Hammer durch die Jahrzehnte: 1923 kostete eine Fahrkarte 50 Milliarden Reichsmark. 1944 wurden Schienen, Oberleitungen und Wagen bei Luftangriffen so weit zerstört, dass der Betrieb eingestellt werden musste. Erst im Sommer 1945 fuhren die Bahnen wieder.

Aber nicht mehr für lange Zeit: 1957 wurde die erste Strecke stillgelegt, am 2. April 1961 fuhr dann der letzte Zug. Die Straßenplaner hatten, wie man heute weiß, die Entscheidung maßgeblich beeinflusst. Immer wieder kam es in Hamm zu Diskussionen, ob die Stadtbahn wieder eingeführt werden sollte - bisher ohne Erfolg.

Aktuell arbeitet der Dortmunder Autor Sven Bindig an einem Buch zur Hammer Straßenbahn. Wer Material wie Fotos oder Fahrpläne hat, kann ihn kontaktieren: Telefon 02 31/22 09-2 23, E-Mail post@sbb-verlag.de.

Kommentare