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Anstieg der Ausländerkriminalität in NRW - Reul: „Thema, das immer mehr drängt“

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Die Ausländerkriminalität in NRW ist deutlich gestiegen. Innenminister Herbert Reul spricht von einem „Problem, das immer mehr drängt“, warnt aber vor Hysterie.

Düsseldorf – Die Ausländerkriminalität ist in Nordrhein-Westfalen um zehn Prozent gestiegen. „Das ist ein Thema, das immer mehr drängt“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung der Zahlen vor Journalisten in Düsseldorf. Exakt ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger im vergangenen Jahr in NRW um 10,4 Prozent auf knapp 170.000 Personen gestiegen.

PolitikerHerbert Reul
Geboren 31. August 1952 in Langenfeld
AmtInnenminister von NRW

Anstieg der Ausländerkriminalität in NRW - Minister Reul: „Thema, das immer mehr drängt“

Damit lag der Ausländeranteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen in 2023 bei 34,9 Prozent (Vorjahr 32,8). Ausländer sind in dieser Statistik damit deutlich überrepräsentiert. Denn in der Bevölkerung in NRW betrug der Ausländeranteil mit 2,8 Millionen Menschen im Jahr 2022 nur 15,6 Prozent.

Reul warnte vor Hysterie und mahnte zur Differenzierung. „Wir haben kein Problem mit Ausländern, sondern mit Tätern nichtdeutscher Herkunft.“ Zugleich machte er keinen Hehl daraus, dass sich in der Migrations- und Integrationspolitik etwas ändern muss. „Die Zahlen zeigen, dass wir unsere Hausaufgaben bei der Integration nicht gemacht haben.“ Und über die Zuwanderung sagte er: „Es kommen zu schnell zu viele dazu.“ Masse und Tempo seien mit Blick zum Beispiel auf den Bereich Schule ein Problem.

Am höchsten war der Ausländeranteil bei den ermittelten Tatverdächtigen im Bereich Taschendiebstahl. Dort kletterte er zu 2022 nochmals um 1,5 Prozent auf 80,1 Prozent. Es folgten Ladendiebstahl (47,6 Prozent), Wohnungseinbruchdiebstahl (47,3), Raubdelikte (45,7), Straftaten gegen das Leben (41,6), gefährliche und schwere Körperverletzung (40,3) und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (27,4) – davon mit Gewaltanwendung (37,1).

NRW-Minister Reul: „Ich habe keine Lust, merkwürdigen Menschen die Munition zu liefern“

Bei den Nationalitäten mit den zahlenmäßig meisten Tatverdächtigen bezogen auf die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger zeigt sich folgendes Ranking: Türkei (11,5 Prozent), Syrien (9,4), Rumänien (9,1), Polen (7,2), Bulgarien (4,2), Ukraine (4,1) und Serbien (4,0). Bei den syrischen Tatverdächtigen gab es einen Anstieg um 21,3 Prozent. Erkennbar angestiegen sei auch die Anzahl der Tatverdächtigen aus den nordafrikanischen Staaten Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten und Libyen. Zwei Beispiele: Tunesien hat einen Anstieg von 40,3 Prozent, Marokko von 16,3 Prozent.

NRW-Innenminister Herbert Reul stellte Zahlen zur Ausländerkriminalität vor. Er warnte vor Hysterie.

Die Kriminalitätsstatistik 2023 für NRW wird erst am 3. April vorgestellt. Reul lud aber bereits Medienvertreter zum Informationsgespräch ein – um Hintergründe zu erläutern. „Ich habe keine Lust, merkwürdigen Menschen die Munition zu liefern“, sagte Reul und spielte damit – ohne die Partei beim Namen zu nennen - auf die AfD an.

Man müsse über Ausländerkriminalität sprechen, betonte er. „Aber wir müssen es differenziert machen.“ Es gehe darum, „fernab von politischem Gepolter“ ein schwieriges Thema anzusprechen. So führte Reul aus, dass auch der Ausländeranteil insgesamt gestiegen sei. Zudem würden nicht alle Tatverdächtigen in NRW leben. Zu beachten sei auch, dass die Aufklärungsquote in keinem Deliktbereich bei 100 Prozent liege. Es seien Faktoren zu berücksichtigen, die das Bild verzerren könnten.

Ausländerkriminalität in NRW: Türkei im Ranking vor Syrien und Rumänien

Reul wies darauf hin, dass sich die Demografie verändert habe. 2013 lebten 1,7 Millionen Ausländer in NRW, 2022 waren es bereits 2,8 Millionen - eine Steigerung von 60 Prozent. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen stieg im selben Zeitraum aber „nur“ um 33,5 Prozent.

Reul präsentierte auch Unterschiede bei den ausländischen Gruppen in NRW: 7,6 Prozent haben einen ukrainischen Pass, ihr Anteil bei den Tatverdächtigen beträgt dagegen „nur“ 4,1 Prozent. Insgesamt sei das Kriminalitätsproblem eher männlich. So liegt der Frauenanteil bei den Tatverdächtigen bei 26 Prozent. Reuls Hinweis dazu: „Aus Syrien kommen meist junge Männer, aus der Ukraine meist Frauen und Kinder.“

NRW-Innenminister Reul: „Wir leben in NRW verdammt sicher“

Reul wies auch darauf hin, dass Eigentumsdelikte häufig Armutsdelikte seien. „Wer flieht, den hält nichts mehr zu Hause.“ Das seien meist „arme Menschen, die nichts haben.“ Und: Er wolle sich nicht ausmalen, was diese Menschen auf ihrer Flucht erlebt hätten.

Man müsse deshalb mehr über das Thema Integration sprechen. „Wenn wir es nicht schaffen, die zu integrieren, dann gehen die Zahlen weiter hoch“, so Reul. Er schlug vor: mehr Dialog und in die Viertel reingehen. Man brauche neue und bessere Konzepte für die Innenstädte. Reul betonte aber auch: „Wir leben in NRW verdammt sicher, wenn sie sich einmal in der Welt umschauen.“ Von Verhältnissen wie in Pariser Vororten oder in Schweden sei man weit entfernt. Am Schluss gab Reul zu: „Sie sehen einen Minister, der keine Antwort hat.“ Die Problembeschreibung mache ihn unruhig und nervös.

2022 gab es in NRW bei der Kinder- und Jugendkriminalität einen, so Herbert Reul, „steilen Anstieg“. „Das ist auch im Jahr 2023 der Fall“, sagte der Innenminister. Das betreffe auch den Kreis der nichtdeutschen Tatverdächtigen. Hier zähle man 13,6 Prozent mehr Kinder (insgesamt 7 039) und 21,9 Prozent mehr Jugendliche (13 040). „Das ist eine Entwicklung, die wir sehr ernst nehmen
müssen“, sagte Reul. „Wir müssen uns besser um unsere Jüngsten kümmern. Von Tag eins an.“

Bei einer bundesweiten Großrazzia gelang der Polizei ein Schlag gegen die Mafia. Auch in NRW hat der Mafia-Clan ‘Ndrangheta offenbar Fuß gefasst.

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa/Illustration

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