- VonFrank Osiewaczschließen
Die Ritterpassage soll in den nächsten Monaten abgerissen werden. Der Investor plant einen Neubau. Die Pläne dafür haben sich deutlich geändert.
Hamm – Knapp fünf Jahre nach dem Verkauf der Ritterpassage in Hamm an die Fokus Development AG (Duisburg) zeichnet sich nun der Baubeginn für das „B-Tween“ ab. Momentan läuft die Entkernung der Altimmobilie, Anfang September soll schweres Gerät für den Abbruch des westlichen Teils anrücken – nur 24 Jahre, nachdem die Passage eröffnet wurde. Das teilte Axel Funke, Vorstandsvorsitzender von Fokus, am Freitag mit.
Damit kommt eine lange Geschichte doch noch zum Ende: Schon 2011 hatte ein Investor aus Münster den Umbau angekündigt und war gescheitert.
Pläne für die Ritterpassage: 15 bis 20 Geschäfte und viel Wohnraum
Fokus Development will einen neuen Komplex mit 15 bis 20 Ladenlokalen im Erdgeschoss und rund 120 Wohnungen in drei Obergeschossen plus Staffelgeschoss errichten. Die Prüfung des Bauantrags stehe kurz vor dem Abschluss, sagte Stadtbaurat Andreas Mentz beim Ortstermin. Wie der Bau genau aussehen wird, solle zunächst dem Gestaltungsbeirat der Stadt vorgestellt werden.
Klar ist aber, dass er sich grundlegend von ersten Entwürfen unterscheidet, die gar kein Wohnen vorsahen. (Zur Erinnerung: So sahen sie aus.) Eine der besonders einschneidenden Veränderungen wird die Wiederöffnung der Rödinghauser Straße sein: Wie Funke erläuterte, wird es bei dem Neubau keine Dachkonstruktion mehr geben. Zwar ist der Durchgang Bestandteil des privaten Neubaus. Er solle jedoch den Charakter einer öffentlichen „Straße“ für Fußgänger haben. „Bruchlos“ solle sich der Komplex an den Teil der Rödinghauser Straße anschließen, der auf die Weststraße mündet. Hier will die Stadt nach dem Erwerb der Mayerschen Buchhandlung selbst baulich aktiv werden, Baulücken schließen und einen Platz mit Aufenthaltsqualität schaffen.
Pläne geändert: Investor überarbeitete aufgrund der Pandemie
In erster Linie die Pandemie mit ihren Unwägbarkeiten für den Handel hatte Fokus Development zum Umdenken in Richtung Wohnen bewegt. „Wir sind überzeugt, jetzt die nachhaltigere Lösung gefunden zu haben. Corona hat das Projekt am Ende besser gemacht. Der Wohnungsbedarf wird steigen“, sagte Funke.
Stadtbaurat Andreas Mentz zeigte sich überzeugt, städtebaulich „an einem guten Punkt“ angekommen zu sein. Die alte Verbindung habe nicht funktioniert. Nun werde sich eine große Lücke im Stadtbild schließen. Oberbürgermeister Marc Herter erklärte, das Projekt sei ein Baustein zur Belebung der Innenstadt auch nach Geschäftsschluss. Die Stadt als Wohnraum sei von vielen Menschen gefragt.
Wohnraum in der Stadt: Auch an anderen Stellen geplant
Auch an Stelle des ehemaligen Kaufhofs und am Ter-Veen-Standort soll Wohnraum entstehen, ebenso an der Neuen Bahnhofstraße in Form von Studentenappartements.
Beheizt werden soll der Komplex mit Fernwärme aus Abwärme der Müllverbrennungsanlage. Auf dem Dach liefert Photovoltaik Strom. Das Haus sei in hohem Maße regenerativ und damit beispielhafter Bestandteil auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität, so der OB.
Vermietung der Läden erfolgt während des Baus
Die Vermietung der Ladenzeile erfolge im Bauprozess, sagte Funke. Einige der Bestandsmieter bleiben vor Ort. Das Investitionsvolumen sei von bisher rund 37 Millionen Euro auf rund 40 Millionen gestiegen, sagte Funke. Beim Ortstermin übergab er den städtebaulichen Vertrag an die Stadt.

