Bahn-Pläne lassen aufhorchen

Weniger Zugteilungen in Hamm: Haben Promis bald ausgelästert?

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Mit dem neuen Fahrbahnwechsel wird die Zugteilung der ICE in Hamm stark reduziert. Zum Glück entfällt sie nicht ganz: Worüber sollen die Bahnfahrer in Deutschland denn demnächst sonst reden, schreiben, lachen und spotten?

Hamm - Okay, der Hauptbahnhof Hamm ist nicht der Nabel der Bahnwelt. Tagtäglich bietet der Konzern so viel mehr Gesprächsstoff auf allen Ebenen. Machen wir uns aber nichts vor: „Hamm/Westfalen“ ist vielen Bahnreisenden in Deutschland vor allem wegen seines Schnittmengen-Bahnhofs inklusive der ICE-Zugteilungen ein Begriff. Ähnlich wie für viele Autofahrer der A1/A2-Knoten bei Hamm. Nun wird das legendäre Lästerthema hart beschnitten.

Auf der Strecke Berlin-NRW wird die Bahn das Angebot im Fernverkehr ab 10. Dezember 2023 deutlich aufstocken. Damit falle jede zweite Zugteilung in Hamm weg, wie die Bahn am Freitag konkretisierte. Bisher gab es sie im Durchschnitt jede Stunde. Zudem werde sie häufiger die neuen ICE-4-Züge betreffen, bei denen es weniger Kuppelprobleme geben soll als bei den älteren ICE 2.

Der Hintergrund: Mit einer zusätzlichen, zweistündlichen ICE-Linie zwischen Berlin und Köln über Wuppertal fährt künftig alle 30 Minuten ein Fernzug zwischen der Hauptstadt und Hannover. Das Sitzplatzangebot auf der Gesamtstrecke erhöht sich so um 20 bis 25 Prozent. Eben wegen der Extra-Verbindung sei die Zugteilung in Hamm halt weniger oft nötig.

Ein eigentlich unspektakulärer Vorgang: In Hamm werden die ICE gekoppelt oder entkoppelt.

Zugteilung in Hamm: immer irritierend und oft störanfällig

Mittels der Zugteilung (Fachbegriff „Flügelung“) können möglichst viele Menschen aus dem westlichen NRW nach Berlin und umgekehrt gebracht werden. Zwei unabhängige Routen machen das bisher möglich: eine über Wuppertal und Hagen und eine weitere über Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund. In Hamm werden beide Züge ge- oder entkoppelt. Das spart nicht nur Streckenbelegungen zwischen Hamm und Berlin, sondern auch Lokführer, und bindet zugleich mehr Bahnhöfe an die Direktverbindung nach Berlin an.

Aber: Seit ihrer Einführung im Mai 1998 gilt die Zugteilung als irritierend und störanfällig. Während die allzu oft streikende Technik für Verspätungen sorgt, finden sich Fernreisende oft schlecht zurecht und dann im falschen der beiden Einzelzüge wieder. Unzählige Schlagzeilen und Geschichten von in Hamm Gestrandeten füllen die Social-Media-Kanäle und das Internet. Darunter Stoff vieler Promis, deren Posts natürlich besondere Beachtung finden...

Zugteilung in Hamm: So lästern Promis über unseren Bahnhof

Im September 2014 regte der Satiriker Hans Zippert (“Zippert zappt“) in einem Zeitungsbeitrag an, die Bahn möge doch den doppelten Fahrpreis von jenen kassieren, die „das spektakuläre Naturschauspiel der ‚Zugteilung in Hamm‘ erleben“ möchten. Im September 2020 stellte Zippert die Frage, ob die Zugteilung in Hamm nicht - vergleichbar mit dem Teilen von Schweinen bei Tönnies - die Ausbreitung von Corona fördern würde.

Im Winter 2019 schlug ein Thread des Bestsellerautors Saša Stanišić - Bahnfahrer und Liebling der Twitterwelt - hohe Wellen, in dem er sich herrlich gemein der Zugteilung widmete: „In einer Stunde die Zugteilung in Hamm. Mega aufgeregt. Sitze natürlich im falschen Zugteil wie 70% der Fahrgäste. Alle haben auch nur dieses Thema: ‚Hamm‘. Lebende Stadt der legendären Zugteilung. Nie war da jemand länger als die paar Minuten der Zugteilung. Zugteilungen.“ Mehrere tausend „Gefällt mir“ und hunderte Retweets erhielt der 41-jährige Wortkünstler dafür in kürzester Zeit, ehe er selbst weitere Salven abfeuerte.

Im Juni 2020 strandeten SPD-Politiker Karl Lauterbach und der TV-Doktor Eckhard von Hirschhausen auf dem Hammer Bahnhof. Sie hatten an ihren eigenen Tweets ebensolchen Spaß wie ihre Follower.

Im Februar 2021 nahm der Satiriker Jan Böhmermann in seinem „ZDF Magazin Royale“ den Hammer Bahnhof aufs Korn - und begründete das mit dessen Prominenz durch die Zugteilung.

Überraschend geht auch die Deutsche Bahn selbst mitunter witzig mit dem Thema um. So veröffentlichte der Konzern im Oktober 2022 auf Twitter (heute „X“) einen Post an Superstar Rihanna: „Dear @Rihanna, since you seem to be an expert in filling annoying intermissions … do you know Hamm?“ (übersetzt: „Liebe Rihanna, da du anscheinend ein Experte darin bist, lästige Pausen zu füllen … kennst du Hamm?“).

Ach - und: Der Versandhändler „katzundgold“ hat tatsächlich ein T-Shirt mit der Aufschrift „Hamm - Stadt der Zugteilung“ und einem auffälligen Blitz im Angebot.

Nach dem Brand eines Güterzuges in Wunstorf bei Hannover hat die Bahn derweil am Freitagmorgen wieder den regulären Betrieb aufgenommen. Damit haben sich auch die Zeiten am Hauptbahnhof Hamm (der erst seit 2019 so heißt) wieder normalisiert. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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