VonNina Büchsschließen
Es ist ein ungewöhnlicher Anblick: Ein Bahngleis, das durch mehrere Gebäude in Köln führt. Täglich fahren hier Güterzüge – direkt neben Wohnungen.
Köln – Im Wohnzimmer sitzen und fernsehen oder in der Küche das Abendessen zubereiten, während unter der Wohnung Güterzüge hindurchfahren – das ist für einige Menschen in Köln längst Alltag geworden. Denn im Stadtteil Braunsfeld (Stadtbezirk Köln-Lindenthal) wurde die dort aktive Gleisanlage in teils geschlossener, teils offener Bauweise mit Wohn- und Geschäftsräumen überbaut. Das Projekt besitzt weite Strahlkraft und ist bislang einmalig in Europa. Ausgezeichnet wurde es 2022 mit dem renommierten internationalen Architekturpreis ICONIC AWARD.
Clarenbachplatz Köln: Zug fährt unter Wohnhäuser hindurch – das Projekt im Überblick
- Standort: Clarenbachplatz 1 in Köln (Braunsfeld)
- Länge der überbauten Gleisanlage: Rund 160 Meter
- Zug: Verschiedene Güterzüge, unter anderem von der Rheincargo
- Bauherr: Clarenbachplatz 460 GmbH & Co. KG - Joint Venture der Friedrich Wassermann GmbH und der WvM Immobilien+Projektentwicklung GmbH
- Architektur: md3+ Architekten, Matthias Dittmann (Projektidee, Entwurfs- und Genehmigungsplanung)
- Projektentwicklung: Friedrich Wassermann Projektentwicklung GmbH
- Bauzeit: Herbst 2018 bis Februar 2021
Hinweis
Dieser Artikel wurde im Herbst 2022 erstmals veröffentlicht.
Clarenbachplatz Köln: Bahn fährt unter Wohnhäusern hindurch – Projekt erhält wichtigen Preis
Das mit dem Designaward ausgezeichnete Projekt verfügt insgesamt über 67 Wohnungen, verteilt auf drei Häuser auf und neben der Güterzugtrasse. Die offizielle Preisverleihung des internationalen Architektur- und Designwettbewerbs findet anlässlich der Immobilienmesse EXPO Real am 5. Oktober in München statt.
In der Urteilsbegründung lobt die Jury des Iconic Awards vor allem den Mut, die Herausforderung zur Überbauung von Bahngleisen mit einer innovativen technischen Lösung anzugehen, als auch die herausragende städtebauliche und architektonische Leistung:„Gerade in Ballungsräumen, wo Platz knapp ist, fehlt es an Wohnraum. Um diesem Problem Herr zu werden, bedarf es zuweilen außergewöhnlicher Bauprojekte, wie Clarenbachplatz 1 in Köln-Braunsfeld eindrucksvoll zeigt“, heißt es.
Das Projekt sei laut der Jury „spektakulär“ und „kühn“, aber war auch mit einigen Herausforderungen konfrontiert. So musste unter anderem das Problem der durch die Güterzüge entstehenden Vibrationen gelöst werden. Dafür wurde der Schotteroberbau gegen eine erschütterungsarme feste Fahrbahn ausgetauscht. Um Schwingungen zu entkoppeln, wurden die Gleise in ein neues Schienenbett mit Gummipuffern gelegt. Um den Schallschutz sicherzustellen, erhielten die seitlichen Wand- und Deckflächen außerdem eine schallabsorbierende Dämmung. Zudem wurde eine absorbierende Lärmschutzwand in Höhe von 1,20 Metern zum Gleis im Bereich der Öffnungen errichtet. Großer Wert wurde auch auf das Thema Brandschutz und Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner gelegt. „Eine besondere ingenieurtechnische Leistung, die auch in formal-ästhetischer Hinsicht vorbildlich gelöst wurde“, so die Jury.
Köln: Züge fahren durch Haus am Clarenbachplatz – was wird auf den Zügen transportiert?
Eigentümer der Bahnstrecke ist übrigens der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK). Von der HGK sind die Güterzüge selbst jedoch nicht – stattdessen verkehren unterschiedliche Züge auf der Strecke, unter anderem auch von der Rheincargo. Transportiert werden damit unter anderem Quarzsand und Kohleprodukte, so Christian Lorenz, Pressesprecher der HGK gegenüber 24RHEIN. Die Eisenbahnstrecke endet am Niehler Hafen. (nb) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

