Mit Badestrand in Bottrop

Riesige Sandgrube in NRW soll Badesee werden – der Plan steht schon länger

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Bereits seit vielen Jahren steht der Plan im Raum, aus einer Sandgrube in Bottrop einen Badesee zu machen. Das ist der aktuelle Stand bei dem Projekt.

Bottrop – Mehrmals pro Woche patrouillierte der Ordnungsdienst im vergangenen Jahr am Heidesee in Bottrop-Kirchhellen in NRW. Immer wieder wurden dort Menschen angetroffen, die verbotenerweise schwimmen, grillen oder feiern. Eigentlich steht schon seit vielen Jahren ein Plan bereit, der das Problem lösen könnte. Nur wenige Kilometer vom Heidesee entfernt soll ein neuer Badesee entstehen, um das Naturschutzgebiet zu schonen: In der Sandgrube neben dem Töttelberg im Westen der Stadt.

Großer Badesee soll in Bottrop entstehen – auf rund 18 Hektar

Schon vor knapp 20 Jahren hat der Regionalrat die Erarbeitung eines Plans für den künftigen See unweit des Movie Parks beschlossen. Den geplanten See skizzierte der Fachbereich Umwelt und Grün der Stadt Bottrop im Jahr 2019 dann schließlich so: Auf rund 18 Hektar soll sich das Gewässer erstrecken, es soll bis zu 650 Meter lang und 350 Meter breit werden. Das Volumen des Sees soll rund 950.000 Kubikmeter betragen, mit einer maximalen Tiefe von 16 Metern. Ein rund 40 Meter breiter Landstreifen soll demnach als Badestrand dienen.

Neuer Badesee in Bottrop: Vorbereitungen bei der Stadt laufen

Damals hatte der Regionalverband Rhein-Ruhr (RVR) bereits eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Das Ergebnis: „Ein Badesee in Töttelberg ist machbar“, wie Jens Hapke, Sprecher des Regionalverbands, zu wa.de sagte. Doch dann wurde es – zumindest öffentlich – still um das Projekt. Vom RVR werde das Projekt derzeit nicht weiter verfolgt, wie Hapke sagte. Stattdessen habe sich die Stadt Bottrop dem Vorhaben angenommen.

Dort laufen die Planungen hinter den Kulissen weiterhin auf Hochtouren, wie Andreas Pläsken, Sprecher der Stadt Bottrop, zu wa.de sagte. Demnach seien noch einige Punkte zu klären, bevor es an die Umsetzung des Sees gehen kann: „Vereinfacht gesagt, kann planungsrechtlich eine Kommune oder auch eine Privatperson nicht einfach irgendwo einen See anlegen und Trockenfläche in Wasserfläche verwandeln“, so Pläsken.

Sandgrube in Bottrop soll zu Badesee werden: Wann kann See gefüllt werden?

Deshalb laufe aktuell ein wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren. Die Stadtverwaltung müsse sich dafür ausgiebig mit verschiedenen Stellungnahmen und Gutachten befassen, wie der Sprecher erklärte. „Dies ist äußerst zeitaufwendig und muss sorgfältig und vor allem rechtssicher durchgeführt werden, um sich vor nachgelagerten Klagen zu schützen.“ Ein Ergebnis des Planfeststellungsverfahrens wird für Ende 2023/Anfang 2024 erwartet, wie Bärbel Berent vom Fachbereich für Umwelt und Grün der Stadt Bottrop zu wa.de sagte.

Aus der Sandgrube am Töttelberg in Bottrop-Kirchhellen soll ein See werden.

Im Anschluss kann mit der Füllung des geplanten Sees durch Grundwasser begonnen werden. Laut einem Gutachten sollte es rund sieben Jahre dauern, bis der See tatsächlich voll genug ist, um ihn als Badesee nutzen zu können. Aktuell werde allerdings überlegt, das bereits in die Grube gelaufene Wasser zwischenzuspeichern, wie Berent erläuterte. Dadurch könnte sich die Fülldauer möglicherweise noch einmal verkürzen.

Kritik am geplanten Badesee in Bottrop: Politik muss zustimmen

Das Planfeststellungsverfahren werde zudem benötigt, um als Grundlage für einen Bebauungsplan zu dienen: „Auch hier ist mit
einiger Zeit zu rechnen, die jeder Bebauungsplan benötigt aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen“, so Pläsken. Darin sollen die rechtlichen Grundlagen, wie unter anderem die Schaffung von Parkplätzen, der Verkehrsfluss oder das nötige Equipment für den Badebetrieb, geklärt werden, wie Berent ergänzte: „Das Projekt ist eine wahre Mammutaufgabe“.

Bis letztendlich in dem See am Töttelberg geschwommen werden könnte, werden also noch einige Jahre ins Land streichen. Zumal die Politik den Bebauungsplan auch noch abnicken muss, was keinesfalls sicher ist. Mehrere Bezirkspolitiker äußerten sich bereits kritisch über das Vorhaben. Sollten die aktuellen Planungen der Stadt in der Form funktionieren, geht damit ein jahrzehntelanger Prozess zu Ende. (mg)

Rubriklistenbild: © Hans Blossey/Imago

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