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Bastei steht seit Jahren leer – was passiert mit dem bekannten Gebäude am Rhein?

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Lange Zeit galt die Bastei als „das eleganteste Restaurant“ des Rheinlands. Doch von dem Ruhm ist nicht mehr übrig. Seit Jahren steht das Gebäude leer.

Köln – Die Bastei in Köln zählt zu einem der wohl bekanntesten Gebäuden in Köln und steht sogar unter Denkmalschutz. Wer zwischen Kölner Dom und Zoobrücke am Rhein entlang läuft, kommt automatisch an dem imposanten Gebäude vorbei. Immerhin ragt der Bau acht Meter über das Rheinufer hinaus. Durch den besonderen Bau ermöglicht die Bastei ein atemberaubenden und einmaliges Köln-Panorama. Lange Zeit galt die Bastei dabei als „das eleganteste Restaurant“ des Rheinlands. Doch seit 1997 ist sie geschlossen, seit 2019 sind auch private Veranstaltungen nicht mehr möglich. Denn das Gebäude, das 1924 gebaut worden ist, muss dringend saniert werden.

Alte Fotos zeigen, wie die Bastei früher ausgesehen hat

Blick auf die Bastei am Rheinufer auf der Stadtseite von Köln in den 1930er Jahren.
Die Bastei gilt als eines der bekanntesten Gebäude in Köln. Bereits 1924 wurde die Bastei vom Kölner Architekten Wilhelm Riphahn gebaut. Die direkte Rheinlage kommt dabei nicht von ungefähr: Das Gebäude steht auf Teilen der alten Festungsanlagen von Köln. Im 19. Jahrhundert befand sich dort die Hafeneinfahrt des Kölner Sicherheitshafens. (Foto aus den 1930er-Jahren). © IMAGO/United Archives/K. H. Lämmel
Ein Blick auf die Bastei bei Nacht im Jahr 1926.
Die Bastei wurde als Aussichtsrestaurant gebaut. Die runde Plattform ragt dabei acht Meter über das Rheinufer. Doch das kam damals nicht überall gut an. Einige Kölner befürchteten, dass sich das ungewöhnliche Bauwerk negativ auf das Stadtbild auswirkt. Bei der Eröffnung des rund 300 Quadratmeter großen Restaurants am 24. Oktober 1924 waren die Befürchtungen jedoch vergessen (Foto aus dem 1926). © Jakob Volk/United Archives/Imago.
Der Blick von der Bastei südwärts auf die Hohenzollernbrücke und die Messehallen mit Messeturm in den 1930er Jahren.
Und nicht nur das Gebäude wurde schnell von den Kölnern ins Herz geschlossen. Auch die gute Küche hatte ihre Fans. Schnell war die Bastei als „das eleganteste Restaurant“ des Rheinlands bekannt. Das Restaurant hatte Platz für 200 Personen (Foto aus dem Jahr 1935). © United Archives/K. H. Lämmel/Imago
Ein Blick in die Bastei in Köln. Schon 1929 galt das Restaurant als besonders elegant.
Der Ausblick der Bastei bietet eine einmalige Atmosphäre. Schriftstellere Joachim Ringelnatz widmete der Bastei sogar in den 1930er-Jahren ein eigenes Gedicht. „Ich rufe schmatzend den Ober herbei. Er will mich nicht verstehen. Ich wünsche: Es möchte sich die Bastei jetzt karussellartig drehen“, heißt es darin (Foto von 1929).  © Arkivi/Imago.
Die Bastei in Köln während des Hochwassers im Januar 1926.
Doch die direkte Rheinlage mit dem atemberaubenden Ausblick hat – damals wie heute ihre Nachteile – vor allem in den Wintermonaten kommt es häufig zu Überschwemmungen, wie das Bild aus dem Jahr 1926 zeigt. Ab einem Pegel von 5,80 Meter ist der Parkplatz an der Bastei überflutet. © Jakob Volk/United Archives/Imago.
Blick von der Bastei südwärts auf die Hohenzollernbrücke und die Messehallen mit Messeturm in Köln.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bastei dann komplett zerstört. Das Restaurant musste schließen. (Foto aus dem Jahr 1935). © United Archives/K. H. Lämmel/Imago
Eisschollen treiben auf dem Rhein in Köln. Der Blick auf die Bastei.
Erst 1958 wurde die Bastei mithilfe von alten Plänen und unter Aufsicht von Architekt Riphahn wieder aufgebaut. Nur ein Jahr später kam es zu einem einmaligen Ausblick in der Bastei: Denn 1959 fror der Rhein tatsächlich komplett zu. (Foto aus dem Jahr 1959)  © Jakob Volk/Imago.
Die Rückseite der Bastei in Köln. Im Hintergrund ist der Kölner Rhein zu sehen.
Nachdem das Restaurant 1958 wiedereröffnet wurde, erhielt Inhaber Hans Herbert Blatzheim für das Kölner Rhein-Restaurant einen Michelinstern.  © Imagebroker/Imago
Ein Jogger läuft im Winter an der Bastei vorbei.
Doch 1997 war die Erfolgszeit der Bastei vorbei. Der Restaurantbetrieb wurde eingestellt. In den folgenden Jahren konnte die Bastei nur noch für private Veranstaltungen gemietet werden. Seit 2019 liegt die Bastei sogar im kompletten Dornröschenschlaf.  © imago stock&people
Menschen sitzen am Rheinufer vor der Bastei in Köln.
Der Grund für das Bastei-Aus: Das Gebäude weist „Defizite in allen tragenden Teilen“ auf, erklärt die Stadt. Die Sanierung ist teuer und aufwendig – die Zukunft der Bastei: Ungewiss.  © Imagebroker/Imago

Bastei ohne Zukunft? „Statiker spricht sich für Rückbau aus“

Seitdem hoffen viele Kölnerinnen und Kölner auf die Kernsanierung und eine baldige Neueröffnung des Kultbaus am Kölner Rhein. Immerhin war die Bastei bereits früher ein bekanntes Restaurant und eine beliebte Eventlocation in Köln. Doch der Hoffnungsschimmer für die Bastei-Fans wird von Jahr zu Jahr kleiner. Und auch jetzt gibt es alles andere als gute Nachrichten. Das Gebäude weist „Defizite in allen tragenden Teilen“ auf. Das geht nun aus einer Mitteilung der Stadtverwaltung an den Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft hervor.

„Insbesondere plastische Verformungen, Korrosionen, aber auch Querschnittsschwächungen und eine an sich stark unterbemessene Konstruktion“ sorgen für eine sehr marode Bausubstanz, wie die Stadt Köln erklärt. Das hat ein Gutachten der TU Braunschweig ergeben. Die Konsequenz: „Daher spricht sich der Statiker für einen Rückbau der tragenden Konstruktion aus.“ Das bedeutet, wenn die Bastei gerettet werden soll, müssen die gesamte Tragwerkskonstruktion ausgetauscht werden.

Das ist die Bastei

► Die Bastei wurde vom Kölner Architekten Wilhelm Riphahn entworfen. Das Gebäude steht auf Teilen der mittelalterlichen Festungsanlagen von Köln. Im 19. Jahrhundert befand sich dort die Hafeneinfahrt des Kölner Sicherheitshafens.

► Das rund 300 Quadratmeter große Restaurant wurde am 24. Oktober 1924 eröffnet und galt als „das eleganteste Restaurant“ des Rheinlands.

► Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bastei zerstört. Der Wiederaufbau erfolgt in den 1950ern nach alten Plänen und unter Architekt Riphahn selbst. 1958 feierte das Restaurant Wiedereröffnung. 

► Grundlegend saniert wurde das Bauwerk zuletzt 1985. Doch schon 1997 wurde der Restaurantbetrieb eingestellt. 

► Die Stadt hatte im Jahr 2000 die Bastei an Koelnmesse verkauft und im Dezember 2018 zurückgekauft. 

► Seit 2019 steht das Gebäude leer.

Bastei in Köln ist kaum noch zu retten – aber wie geht es jetzt weiter?

Doch die Sanierung der Bastei ist aufwändig. Immerhin handelt es sich bei der Stahlkonstruktion um „eine hochkomplexe Stahl-Tragwerks-Konstruktion“, so die Stadt Köln zuletzt.

Auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse müssen jetzt mit der Denkmalpflege die weiterführenden Abstimmungen und Möglichkeiten zum architektonisch-konstruktiven Umgang mit der denkmalgeschützten Bastei aufgenommen werden (...) Erst, wenn diese Fragen geklärt sind, kann eine denkmalrechtliche Erlaubnis erteilt werden, an die sich die weitere Planung über Art und Umfang einer möglichen Nutzung anschließt. 

Stadt Köln

Ein weiteres großes Problem der Sanierung: Die Bastei steht unter Denkmalschutz. Denn das Gebäude wurde 1924 auf einem Teil der mittelalterlichen Festungsanlagen rund um Köln errichtet. Ist die denkmalgeschützte Bastei noch zu retten? Und wenn ja: Wie teuer ist das? Ganz klar ist das noch nicht. Die Stadt Köln will nun klären, welche Sanierungsmaßnahmen ergriffen werden müssen und sollten und ob sich der Aufwand lohnt. Klar ist jedoch, die Liste an Mängeln ist lang.

Daher soll nun entschieden werden, ob sich die Sanierung überhaupt lohnt. Dafür spreche, dass die Bastei nicht nur ein außergewöhnlicher Bau ist, sondern – ähnlich wie der Kölner Freizeitpark Tivoli – auch mit der Kölner Stadtgeschichte verknüpft ist. (jw) Fair und unabhängig informiert, was im Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Imagebroker/Imago

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