Brauerei

„Wir haben für die kommende Zeit viel vor“ – Warsteiner Brauerei wird zum „Winterland“

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Seit knapp 1,5 Jahren ist Friso de Jong Geschäftsführer der „Warsteiner Welt“. Jetzt spricht der Niederländer über Pläne für die WIM, neue Veranstaltungen und Parallelen zum Phantasialand.

Warstein - Besucherbahn statt Achterbahn, Bier statt „Black Mamba“. Im Sommer 2023 wechselte Friso de Jong aus der Marketing-Abteilung des Phantasialandes in die Geschäftsführung der Warsteiner Welt. Statt Loopings gibt es hier Umdrehungen im Glaskrug.

„Wir haben für die kommende Zeit viel vor“ – Warsteiner Brauerei wird zum „Winterland“

„Aber die Arbeit macht wahnsinnig viel Spaß, ich fühle mich hier wirklich wohl“, erzählt der gebürtige Niederländer im Interview mit Anzeiger-Redakteur Alexander Lange. Und verspricht: „Wir haben hier für die kommende Zeit viel vor.“

Friso de Jong, seit knapp anderthalb Jahren Geschäftsführer der Warsteiner Welt, will das Besucherzentrum noch bekannter machen. Und hat dafür schon entsprechende Pläne.
Herr de Jong, seit bald 1,5 Jahren sind Sie Geschäftsführer der Warsteiner Welt, vorher vermarkteten Sie das Phantasialand auf internationaler Ebene. Ist das ein Wechsel zwischen zwei Welten? Oder ist die Schnittmenge doch größer als man denkt?
Das Phantasialand hat viel mit Erlebniswelten zu tun, mit dem Eintauchen in eine andere Welt. Und das trifft auch auf die Warsteiner Welt zu, auch wenn es hier keine Achterbahnen gibt (lacht). Ich war vorher tatsächlich noch nie in Warstein, war aber gleich positiv überrascht. Von der Umgebung, aber auch von der Umgangsart in der Brauerei. Ich habe mich gleich willkommen gefühlt. Das erste Jahr habe ich vor allem aber dazu genutzt, die Brauerei, Warstein und die Region kennenzulernen.
Die Warsteiner Welt hat seit jeher viele niederländische Gäste. Ist das ein Vorteil, dass das auch Ihre Heimat ist? Auch wenn sie schon lange mit Familie im Rheinland leben.
Man muss die Niederländer verstehen, wobei sie nicht ganz eigen sind. Es schadet sicher nicht, ein Gespür dafür zu haben, worauf niederländische, aber auch belgische Gäste achten. Wir haben hier noch eine zweite Kollegin aus den Niederlanden, das ist ein großer Mehrwert, weil es doch für manche Gäste etwas leichter ist, in ihrer Muttersprache zurecht zu kommen und Fragen zu stellen.

Es gab auch zu Montgolfiade-Zeiten immer Besucher hier in der Warsteiner Welt, auch Brauereibesichtigungen, aber es war mehr eine Idylle, eine Ruhezone. Aber wir werden zukünftig stärker eingebunden sein. Das Gelände hier oben bietet sich sehr gut für Attraktionen für Familien mit Kindern an.

Friso de Jong, Geschäftsführer der Warsteiner Welt
Auch die Warsteiner Bevölkerung schätzt die Brauerei, viele sind schon in der Besucherbahn über das Gelände und durch Abfüllhallen und Co. gefahren. Wie haben Sie denn die Warsteiner Bevölkerung kennengelernt?
Die Warsteiner sind teilweise auch sehr niederländisch. Sie sind geradeaus, sie nehmen kein Blatt vor den Mund, das gefällt den Niederländern. Sie sagen, worauf es ankommt, was sie bewegt. Aber in einigen Gesprächen habe ich auch erfahren, dass viele noch nie hier waren oder früher einmal und seitdem nicht mehr. Dabei gibt es hier immer auch Neues zu entdecken, zum Beispiel den neuen Film im Multimedia-Theater, der kurz vor der Corona-Pandemie veröffentlicht wurde. Warsteiner ist eine bedeutende Marke. Für die Stadt und die Region, aber auch international. Und da sind wir stolz drauf. Und auch die Warsteiner können stolz auf die Marke sein.
Die Warsteiner Brauerei gibt es seit 1753, nach wie vor wird das Bier mit Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gebraut. Was sind aber die neuen Vorhaben, von denen Sie reden?
Es geht mir um das Erleben der Marke, der Warsteiner Welt, des Drumherums. Ein Beispiel ist die Warsteiner Montgolfiade im kommenden Jahr. Es gab auch zu Montgolfiade-Zeiten immer Besucher hier in der Warsteiner Welt, auch Brauereibesichtigungen, aber es war mehr eine Idylle, eine Ruhezone. Aber wir werden zukünftig stärker eingebunden sein. Das Gelände hier oben bietet sich sehr gut für Attraktionen für Familien mit Kindern an. Und es wird auch noch weitere Veränderungen geben.
Die da wären?
Es wird auch neue Attraktionen hier auf dem Gelände geben ab dem nächsten Jahr, unabhängig von der Montgolfiade, aber dazu will ich noch nicht zu viel verraten. Und wir würden gerne auch thematische Veranstaltungen anbieten, gekoppelt an unsere Biere. Neben dem Warsteiner Portfolio gibt es zum Beispiel auch IPAs der Rye River Brewery aus Irland, das Weizenbier der König Ludwig Brauerei, Trappistenbier von La Trappe aus den Niederlanden, Estrella Gallicia aus Spanien. Dazu passen wiederum verschiedene thematisch, länderspezifische Speisen.

Die Warsteiner sind teilweise auch sehr niederländisch. Sie sind geradeaus, sie nehmen kein Blatt vor den Mund, das gefällt den Niederländern.

Friso de Jong, Geschäftsführer der Warsteiner Welt
Eine erste thematische Veranstaltung dieser Art soll es schon in diesem Winter geben. Eine Art „Warsteiner Winterland“...
Genau. Wir sind hier ja umringt von Kupferkessel und Wald, mitten im Grünen. So kam der Gedanke auf, besondere Weihnachtsfeiern anzubieten. All-inclusive, mit allen Wünschen. Hauptsächlich in der Warsteiner Welt, aber teils auch im  Biergarten werden wir Weihnachtsmarkthütten aufbauen, weihnachtlich schmücken mit Christbaum, Schlitten und Geschenken. Dazu gibt es das Warsteiner Portfolio, Wein, Weihnachtspunsch und Softdrinks, Gänsebraten, Crepes, Grünkohl und vieles mehr. Gedacht ist das für Gruppen ab fünf Personen, Platz ist hier für bis zu 250 Leute gleichzeitig.
Ein öffentlicher Weihnachtsmarkt wird das aber nicht?
Nein, es läuft über Buchungen beziehungsweise Reservierungen. Wir wollen damit kleine und große Firmen, Gruppen und Vereine ansprechen. Auf unserer Homepage stellen wir alles vor. Und die Weihnachtsfeiern sollen auf alle Fälle Auftakt für kommende Events sein.
Wie schafft man es denn, noch mehr Gäste in die Warsteiner Welt zu locken?
Es gibt hier in der Umgebung viele touristische Angebote, aber in 30 oder 40 Kilometern kennen einige die Warsteiner Welt gar nicht. Das wollen wir ändern, wir müssen uns und die Angebote hier noch besser vernetzen. Dafür haben wir schon das vergangene Jahr genutzt, das wollen wir fortsetzen. Dazu zählt auch, dass ab 2025 Brauereibesichtigungen durchgängig von Dienstag bis Samstag, 10 bis 17 Uhr, dreimal am Tag stattfinden. Und zu diesen Zeiten haben wir auch ganz normal geöffnet. Wobei eine gebuchte Brauereibesichtigung nicht Voraussetzung für einen Besuch der Warsteiner Welt ist. Und Kontinuität ist auch bei den Öffnungszeiten des Biergartens wichtig, das spüre ich. Wir wollen nicht mal öffnen und mal geschlossen haben, die Warsteiner sollen nicht überrascht werden. Deshalb kommunizieren wir klar und langfristig, wann der Biergarten geöffnet ist und wann nicht. Dass auch die Brauereibesichtigungen teurer geworden sind, hängt mit dem allgemeinen Preisanstieg zusammen, dafür sind wir eine eigenständige GmbH. Aber im Vergleich zu anderen liegen wir im ähnlichen Preissegment. Und das Angebot der zwei Stunden freien Verzehrs im Anschluss findet man kaum woanders. Als Warsteiner Welt verstehen wir uns weiterhin und auch in Zukunft als Aushängeschild der Warsteiner Brauerei.

In den Hallen der Warsteiner Brauerei wird seit einiger Zeit auch das polnische Bier Tyskie Gronie gebraut und abgefüllt – diese Kooperation ist ein Novum.

Rubriklistenbild: © Lange, Alexander

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