VonMarvin K. Hoffmannschließen
Die Kult-Biermarke Borussia aus Dortmund feiert schon bald ihr Comeback. Sie ist eng mit der Geschichte des BVB verbunden. Nun steht der Verkaufsstart fest.
Dortmund – „Es ist ein malziges, kräftiges Bier, mit einem gewissen Hopfen-Charakter“, sagt Christian Wolf. Wenn der Dortmunder über derlei Dinge spricht, dann weiß er, was er tut. Wolf ist Bier-Sommelier. Und mit diesen Worten beschreibt er nicht irgendein Bier – sondern die „Erlkönigin“. So nennen sie den Comeback-Prototypen einer Kult-Marke, die bald schon in Dortmund (NRW) wieder getrunken werden soll und auf die „jeder Dortmunder stolz“ sein werde.
Dortmunder Kult-Biermarke eng mit BVB-Geschichte verwoben
Wir reisen fast auf den Tag genau 113 Jahre zurück: Die jugendlichen Mitglieder der „Dreifaltigkeit“-Gemeinde finden immer mehr Freude an sportlicher Betätigung. Im Mittelpunkt, wie könnte es in Dortmund anders sein: eine grüne Wiese und ein rundes Leder. Den Leibesübungen auf dem Fußballplatz steht der damalige Kaplan Hubert Dewald – vorsichtig ausgedrückt – skeptisch gegenüber. Er geht sogar so weit und will es den jungen Männern verbieten. Um diesem Verbot zu entgehen, gründen Franz Jacobi, seine beiden Brüder sowie 15 weitere Männer am 19. Dezember 1909 keinen geringeren Verein als Borussia Dortmund.
Dass die 18 Gründungsväter des BVB den Namenszusatz „Borussia“ wählten, hatte dabei keineswegs etwas, wie oft behauptet, mit der latinisierten Bezeichnung für Preußen und einer dazugehörigen Extra-Portion Nationalstolz zu tun. Nein, hier kommt die bei vielen längst in Vergessenheit geratene Dortmunder Kult-Biermarke ins Spiel.
Die Borussia-Brauerei half den BVB-Gründungsvätern bei der Namensfindung
Wir befinden uns immer noch im Jahr 1909: An einer Wand in der BVB-Gründungsgaststätte „Wildschütz“, unweit des Dortmunder Borsigplatzes, hängt ein altes Emaille-Schild der Borussia-Brauerei. Die existierte zwar nur von 1885 und musste bereits 1901, also acht Jahre vor Gründung des BVB, schon wieder Konkurs anmelden. Franz Jacobi und seine Gesinnungsgenossen entscheiden sich dennoch, wohl aus der Not heraus, dazu, den Namen für ihren Verein zu übernehmen. Dank dieses Zufalls hatte er Bestand – und soll nun wieder mit neuem Leben respektive Kaltgetränken gefüllt werden.
Zurück ins Hier und Jetzt: Filmemacher und Watzke-Berater Jan-Henrik Gruszecki kennt die Geschichte des BVB wie kaum ein anderer. In „Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ hat er sie cineastisch festgehalten. Der Film handelt von der Gründung von Borussia Dortmund. Selbstredend spielt auch die Borussia-Brauerei eine Rolle.
Dortmunder Kult-Brauerei Borussia kehrt zurück: „Ein großartiges Projekt für das Borsigplatz-Viertel“
„Bei den Dreharbeiten im Jahr 2015 ist mir aufgefallen, dass die Markenrechte frei waren“, erklärt Gruszecki im Gespräch mit wa.de. Er sicherte sie sich und schaute sich fortan in der Bierbranche um, verschaffte sich einen Überblick. Bis zum 19. Dezember 2022, dem 113. „Geburtstag“ von Borussia Dortmund. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen“, sagt der bekennende BVB-Fan, „an dem diese Idee umgesetzt wird. Das wird ein großartiges Projekt für das Borsigplatz-Viertel.“
Unterstützung erhält er dabei unter anderen von Oliver Jäger sowie dem eingangs erwähnten Bier-Experten Christian „BrauWolf“ Wolf. Sie bilden gemeinsam mit weiteren Unterstützern die Speerspitze bei der Rückkehr der Dortmunder Kult-Brauerei. Wolf kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Brauerei „BrewDog“ aus Berlin um das Rezept, den Geschmack und Herstellung der zunächst nur „einmaligen und stark limitierten Sonderedition ‚Erlkönigin‘“. Im kommenden Jahr sollen dann die Sorten Pils und Export folgen, die schließlich auch in den Verkauf gehen. Jäger übernimmt ab Januar 2023 die Geschäftsführung der Dortmunder Borussia Brauerei GmbH. Ein Projekt, auf das er sich nach eigenen Angaben riesig freue.
Borussia-Geschäftsführer Oliver Jäger: „Wir wollen erstmal richtig gutes Bier machen“
„Wir wollen erstmal richtig gutes Bier machen. Eins, auf das jeder Dortmunder stolz ist. Dortmund war mal eine Bierhauptstadt - diese Stadt hat etwas, das keine andere hat. Wenn wir dazu beitragen können, dieses Gefühl zu stärken, dann machen wir es richtig“, sagt Jäger im Gespräch mit wa.de. Der zukünftige Borussia-Geschäftsführer ist Lokalpatriot durch und durch: „Ich bin in Dortmund-Kirchderne aufgewachsen und kann mich mit dieser Bier-Marke komplett identifizieren.“ Als die Idee aufkam, die legendäre Marke zu reanimieren, musste er nicht lange nachdenken.
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„Dortmund, Borussia und Bier – das passt“, sagt Jäger. Er wolle dabei mithelfen, „dass die Borussia-Brauerei wieder groß wird in Dortmund – und wir auch irgendwann vielleicht wieder in Dortmund Borussia-Bier brauen können. Man darf gespannt sein auf das, was kommt“, sagt er.
Mittlerweile steht auch der Verkaufsstart fest. „Wahnsinn – wir sind überwältigt von eurer Resonanz auf unsere Ankündigung, die Borussia-Brauerei wiederzubeleben“, ließ das junge Unternehmen seine „Fans“ via Newsletter wissen. Darin verriet das Team der neuen alten Kult-Brauerei auch gleich Details zum Verkaufsstart. Die sogenannte „Erlkönigin“ können Bier-Fans aus und um Dortmund erstmal am Freitag, 23. Dezember, testen. Von 16 bis 22 Uhr gibt es dann das Bier vom Fass bei der „Bude116einhalb“ (Saarlandstraße 116, 44137 Dortmund). Auch sollen Dosen in limitierter Stückzahl verkauft werden.
