VonThomas Machatzkeschließen
Nezahat Baradari zwischen Bundeshauptstadt und Sauerland: Während es in den letzten Sitzungen des Parlaments noch um wichtige Entscheidungen, geht es im Wahlkreis um jede Stimme für die Bundestagswahl im Februar.
Lüdenscheid – Im neuen Jahr geht alles ganz schnell: In fünf Wochen bereits wartet der Gang an die Wahlurne. Bundestagswahl, ein neues Kapitel nach dem Ende der Ampel. Die Karten, sie werden, wenn man so will, neu gemischt. Für Nezahat Baradari, die SPD-Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis 148 (Olpe/Märkischer Kreis I), sind es stressige Wochen. Einerseits warten noch die letzten Termine und Anliegen in Berlin, andererseits geht‘s im Wahlkreis um jede Stimme.
Der Wahlkreis mit den 13 Kommunen aus dem märkischen Südkreis und dem Kreis Olpe ist traditionell ein „schwarzer“ Kreis. Hier hat immer die CDU das Direktmandat geholt. Das gute Standing der SPD in Lüdenscheid und anderen MK-Kommunen hat noch nie etwas ausrichten können gegen die Olper CDU-Ergebnisse. Baradari hat es in der SPD zuletzt nur auf Rang 32 der Landesliste geschafft. Was also gibt ihr Hoffnung, dass sie es wieder in den Bundestag schaffen wird?
„Viele Stimmen für die SPD“, sagt Baradari; das würde ihr Hoffnung geben: „Wenn die FDP, die Linken und das BSW nicht in den Bundestag kommen, könnte der Listenplatz noch ziehen.“ Dafür kämpft sie dieser Tage. In Podiumsdiskussionen, im Tür-zu-Tür-Wahlkampf, auf dem Sternplatz und anderen Marktplätzen, bei Firmenbesuchen, bei Online-Terminen. „Aber die Erreichbarkeit ist schwierig in dieser Jahreszeit“, sagt sie. „Großveranstaltungen gibt es da nicht.“ Und selbst beim Gang von Tür zu Tür haben die Menschen wenig Zeit. Es ist ein mühsames Geschäft.
Bis zu den Neuwahlen: Zwei wichtige Anliegen möchte Nezahat Baradari in Berlin noch durchsetzen
Eines zudem, in das sich auch weiterhin die Pflichttermine in Berlin mischen. Am 24. Januar geht es noch mal für ein㈠einhalb Wochen in die Hauptstadt, am 10./11. Februar warten dann die letzten Tage im Parlament. „Es geht noch darum, ein paar wichtige Dinge auf den Weg zu bringen“, sagt Baradari und kann diese Dinge für ihr Herzensressort, die Gesundheit, auch klar benennen. Ein Gesetz für die leichtere Hilfsmittelversorgung für Kinder mit Handicap soll unter anderem noch verabschiedet werden, damit Krankenkassen zum Beispiel bei der Rezeptierung eines Rollstuhls weniger Möglichkeiten haben, die Umsetzung zu blockieren. „Ein zweiter Punkt ist eine teilweise Entbudgetierung für die Hausärzte“, sagt Baradari. Für die Kinder- und Jugendärzte ist eine komplette Entbudgetierung umgesetzt worden. Bei den Hausärzten wünscht sie sich, dass Überschüsse aus dem großen Topf zumindest in Teilen an Hausarztpraxen verteilt werden. Das wird nicht leicht angesichts der Haushaltslage und bei dem Standpunkt der Krankenkassen, aber Baradari hofft auf ein Kompromissmodell. Immerhin das.
Auch bei der Pflege hofft sie noch auf eine Deckelung der Heimkosten. Sie hat in dieser Woche eine ältere Frau im Wahlkampf getroffen, deren Mann dement im Pflegeheim untergebracht ist. Sie hat gehört, wie sich die Frau ums Ersparte, ums kleine Eigenheim sorgte. Es sind die Sorgen, die sie vielfältig antrifft. Zukunftsangst im Zeichen vieler Krisen und Unsicherheiten. Sie würde sich wieder Mut und Vertrauen wünschen. Das wäre auch für den Handel und die Wirtschaft so wichtig. Auch dafür kämpft sie dieser Tage. Und sie würde es gerne noch über den 23. Februar hinaus tun.
Wenn die FDP, die Linken und das BSW nicht in den Bundestag kommen, könnte der Listenplatz noch ziehen!
Ihr Listenplatz 32 ist eine Enttäuschung gewesen für sich, das gibt sie zu. „Der Platz ist bescheiden. Nach dem Senioritätsprinzip hätte ich erwartet, einen besseren Platz zu bekommen“, sagt sie. Nach dem „Senioritätsprinzip“ hätte Baradari als erfahrene Abgeordnete mit langer Erfahrung im Bundestag einen Listenplatz vor anderen Kandidatinnen bekommen müssen. Aber: „Es folgt nicht immer logischen und gerechten Prinzipien. Für eine Stadt wie Lüdenscheid wäre es schade, wenn es nicht klappt.“ Sie zählt Erreichtes auf: Tumo, Erlöserkirche, gerade erst in dieser Woche Schloss Neuenhof. „Teilweise schwierige Förderungen“ seien das gewesen, sagt sie und ist sich sicher, dass es für Lüdenscheid ohne Fürsprache in Berlin schwerer werden würde in Zukunft.
