VonAnnika Wilkschließen
Während Experten ein komplettes Handy-Verbot an Schulen fordern, haben die Schulen in Bönen andere Ansätze. Sie setzen auf Prävention und Regeln.
Bönen – Immer wieder diskutieren Kinder- und Jugendmedizinern darüber, Handys komplett aus den Schulen zu verbannen. „Es wäre eindeutig besser für die Gesundheit, die Konzentrations- und Lernfähigkeit der Kinder und vor allem für deren Sozialisation“, begründet David Martin, Experte für Bildschirmmedien bei der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Ein allgemeines Handy-Verbot gibt es derzeit allerdings noch nicht.
Handy-Verbot an Schulen: Bönener Schule setzen auf Regeln
Beispielhaft hat der WA beim Marie-Curie-Gymnasitum (MCG) und an der Pestalozzi Hauptschule nachgefragt. Die Schulen handhaben das Thema unterschiedlich. An der Hauptschule muss das Handy ausgeschaltet in der Tasche bleiben.
Wer es trotzdem nutzt und erwischt wird, darf es erst nach Schulschluss wieder haben. Bei dreimaligem Vorstoß muss das Handy von den Erziehungsberechtigten abgeholt werden. Das passiert aber laut Schulleiter Anderas Heuser vergleichsweise selten.
Prävention statt Verbot: Pestalozzi Hauptschule hat Meidenscouts
Die geregelte Handynutzung „soll auch dazu beitragen, dass sich die Schüler miteinander unterhalten“, erklärt er. „Außerdem soll damit verhindert werden, dass Persönlichkeitsrechte durch das Verbreiten von Videos und Bildern missachtet und jugendgefährdende Videos und Bilder gezeigt werden.“
Diese Vorgaben würden an der Schule allgemein gut akzeptiert. Außerdem gibt es die Medienscouts. Das sind Schüler aus den höheren Klassen, die nach einer kurzen Ausbildung die jüngeren Stufen über die Sicherheit im Internet aufklären.
Keine Handys im Unterricht: Aus sicht der Schüler „selbstverständlich“
Am MCG darf das Handy mit Erlaubnis des Lehrers im Unterricht zu Recherchezwecken genutzt werden. Wenn es unerlaubt genutzt wird, nimmt der Lehrer es weg. „Generell haben wir kein Problem mit übermäßigen Verstößen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Bianca Giese. Das Thema Handynutzung stelle am MCG keine akute Problematik dar. Auch das Gymnasium hat Medienscouts, aufgrund von mangelnder Nachfrage wurde das Projekt allerdings pausiert.
„Es ist selbstverständlich, dass man das Handy im Unterricht nicht nutzt“, sagt MCG-Schülersprecherin Darja Woitzel. Diese Ansicht teilt auch die zweite Schülersprecherin Emma Schmidt. Sie hat einen Bruder in einer unteren Stufe. „Wenn da ein Kind zu viel am Handy hängt, wird das von den Lehrern in Angriff genommen“, sagt sie. Das findet Schmidt auch wichtig, denn: „In der Unterstufe braucht es Regelung, weil die Jüngeren manchmal nicht einschätzen können, wie viel Konsum nötig ist – erst recht, wenn es von zu Hause keine Vorgabe gibt.“
Handy-Verbot an Schulen: Psychologin rät zur frühen Prävention
Diesen Punkt teilt auch Psychologin Stefanie Lippelt von der schulpsychologischen Beratungsstelle im Kreis Unna. „Es ist aber legitim, die private Nutzung einzuschränken, weil es den Schülern die Möglichkeit für eine Auszeit von der Mediennutzung gibt – so wie Schule“, sagt sie. Sie stimmt der Einschätzung des Experten Martin zu, dass es gesundheitliche Risiken gibt.
Lippelt hält aber ein komplettes Verbot für schwierig. „Verbote führen dazu, dass etwas heimlich gemacht wird. Wenn man die Schüler fragt, ist das Handy überlebenswichtig. Prävention ist wichtig, am besten so früh wie möglich“, sagt die Psychologin. Gerade Grundschulen würden berichten, dass das Thema Handy problematisch sei.
Smartwatch statt Handy: Grundschule sieht neue Problematik
In Bönen ist dem am Beispiel der Hellweggrundschule nicht so. Im Unterricht wird hier das Handy noch nicht eingesetzt. An beiden Schulen sollen die Schüler ihr Smartphone „weit unten“ in den Schultaschen verstauen. Antje Anbring-Keiter, Leiterin der Hellweggrundschule, sieht das Problem in einem anderen Gerät.
„Wir beobachten die Tendenz, dass Kinder zunehmend mit Smartwatches ausgestattet werden“, sagt sie über das Telefon in der Armbanduhr. „Diese haben hohen Aufforderungscharakter für die Kinder und erfordern des Öfteren klärende Gespräche mit den Erziehungsberechtigten.“ Sie sollten ebenfalls im Rucksack verstaut werden, allerdings: „Die Einhaltung ist aber schwer kontrollierbar, daher wären einheitliche klare Vorgaben wünschenswert“, sagt die Leiterin.
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