Ein ungewöhnliches neues Buch made in Hamm stürmt derzeit die Literatur-Charts: „Hard, Heavy & Happy“ von Nico Rose, Mitte Juni erschienen im Heyne-Verlag, ist eine Art Psychogramm über die Fans der riesigen Heavy-Metal-Szene.
Hamm - Der Psychologe und Autor Nico Rose hat für sein siebtes (Fach-)Buch Informationen von mehr als 6000 deutschen Heavy-Metal-Fans ausgewertet, unterhaltsam ausformuliert und um mehrere Interviews mit prominenten und weniger bekannten Insidern angereichert. Überdies ist er selbst seit 30 Jahren begeisterter Teil der Szene und damit voll auf Augenhöhe mit dem Thema und den Menschen. Seit 2018 verantwortet Rose (44) die Facebookseite „Ministerium für Schwermetall“ mit inzwischen fast 50.000 Followern. Aktuell steht das Buch auf Platz 10 der Spiegel-Bestseller-Liste.
Am Freitag, 1. Juli, wird Nico Rose im Biergarten des „Pirates“ (Südstraße) im Rahmen der „Metalnight“ aus seinem Buch lesen. Beginn der Lesung ist um 21 Uhr, der Eintritt ist frei.
„Hard, Heavy & Happy“... vier Fragen an Nico Rose:
Das Buch ist Mitte Juni erschienen. Welche Reaktionen waren die überraschendsten und schönsten bislang?
Nico Rose: Über Social Media schicken mir viele Menschen Fotos von dem Buch – und zwar, wie sie es an andere Menschen verschenken. Links und rechts eine Flasche Bier, das Buch in der Mitte, Klarsichtfolie drumherum und dann ab die Post. Das berührt mich sehr und passt übrigens auch gut zur Szene: Trotz des wilden Aussehens und der aggressiven Musik geht man meist sehr fürsorglich miteinander um.
Das Buch wird unter anderem eingeleitet mit dem Zitat „...ohne sie wäre ich heute nicht mehr“, das einigen Bands zugeordnet wird. Erklären Sie bitte kurz den Hintergrund.
Rose: Ich habe Metal mit 14 Jahren für mich entdeckt. Mit 16 ging ich dann in ein Auslandsjahr in den USA. Dort ging es mir psychisch oft sehr schlecht, ich war fast die ganze Zeit extrem einsam, hatte recht konkrete Selbstmordgedanken. Ich denke, dass – neben ganz viel Sport – die Metalmusik mich durch die Zeit getragen hat und mit dafür verantwortlich ist, dass ich noch hier bin und davon erzählen kann.
Der Metalhead im Psychologen scheint ja einen großen Platzbedarf im Alltag zu haben: Welche Rolle spielen Ehefrau und Kinder in diesem Zusammenhang – müssen die besonders tolerant sein?
Rose: Der eine geht am Wochenende zum Angeln oder zum Bundesligaspiel, ich treibe mich viel auf Konzerten rum. Am Ende tut sich das vermutlich nicht viel. Ansonsten: Meine Kinder wachsen einfach damit auf. Für die beiden sind Black Sabbath oder Iron Maiden „ganz normale Musik“ – aber halt auch Rolf Zuckowski oder Mark Forster. Meine Frau kann das auch ganz gut ab, wir waren 2019 zusammen bei Metallica. Dafür gehe ich mir ihr demnächst zu Ed Sheeran. Das passt also.
Gibt es in Ihrem Leben auch Platz für andere Musik? Wenn ja: welcher Art? Und was geht gar nicht?
Rose: Ich höre zwischendurch immer wieder Klassik, wobei in die Metalmusik eingebaute Zitate häufig den Anlass geben: Wagner, Holst, Rimski-Korsakow, Tschaikowsky und gerne auch Barock von Händel, Bach, Vivaldi & Co. Wenn ich es alle Jubeljahre schaffe, mit meiner Frau vor die Tür zu gehen, dann gerne auch 90er-Jahre Black Music oder House. Dann fühlen wir uns wieder jung und knackig. ;-) Die meiste moderne Popmusik macht allerdings herzlich wenig mit mir.
Nico Rose ist Diplom-Psychologe – für den „Harvard Business Manager“ sogar einer der führenden Experten für Positive Psychologie in Deutschland. Neben sechs Fachbüchern veröffentlichte der Hammer weit über 100 Fachartikel und Buchkapitel. Von 2019 bis Anfang 2022 war Rose Professor für Wirtschaftspsychologie an der International School of Management in Dortmund.