- VonFrank Osiewaczschließen
BSW-Oberbürgermeisterkandidat Christopher Bürger sieht sich als Teamplayer. Vieles was er aus seinem Beruf kennt, ist ihm in der Politik nützlich. Etwas unheimlich ist ihm die Sache mit den Wahlplakaten aber schon.
Manchmal reichen Blicke... und schwupps, ist man als Oberbürgermeisterkandidat „ausgeguckt“. Genau so sei es gewesen, sagt Christopher Bürger. Als die Blicke an ihm haften blieben, habe er „ja“ gesagt. Am 14. September bei der Kommunalwahl steigt der 43-Jährige für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in den sprichwörtlichen Ring. Dass Blicke einmal solche Folgen haben können und sich der Heessener jetzt selbst von Wahlplakaten anschaut, hätte er bei seinem Parteieintritt noch nicht für möglich gehalten.
„Ein klein wenig unheimlich ist das mit den Plakaten schon“, sagt Bürger. „Doch ich habe mich daran gewöhnt.“ Gewöhnt auch daran, dass ihn Menschen jetzt direkt ansprechen, weil sie ihn wiedererkannt haben. Aber das sei ja auch die Aufgabe von Kommunalpolitikern, ansprechbar und vor allem nahbar für die Menschen zu sein. „Bürger“ für Bürger quasi.
Als die Redaktion den BSW-Kandidaten mit der Parteiausweisnummer 3299 zuhause besucht, hat er Urlaub. Zumindest beruflich, denn unter dem Abdach sind noch einige Hundert Wahlplakate abgestellt, die zügig verteilt und gehängt werden wollen. Zu diesem Zeitpunkt sind es noch einige Wochen bis zur Wahl, doch alles muss organisiert werden und auch ein OB-Kandidat muss da mit ran. „So viele sind wir ja nicht“, sagt Bürger.
Zurückhaltend, aber doch neugierig verfolgen die Söhne Leonardt (8) und Elias (10), was Papa so alles über seine neue Herausforderung erzählt. Sie hören, dass ihre Mutter Mirella (40) zunächst etwas ungläubig geschaut habe, aber voll hinter ihrem Vater stehe. Sie hören auch, dass auch die Großeltern politisches Engagement gut fänden. Zwar hätten sie gefragt „Warum ausgerechnet die?“, und damit das BSW gemeint. Doch auch sie fänden politisches Engagement schon okay. Und sie hören, dass ihre Schwester Isabell (14) – die gerade lieber auf ihrem Zimmer chillt – politisch interessiert sei und schon zur Bundestagswahl viele Fragen gestellt hätte.
Urlaub ja, aber eine Reise steht für die Bürgers gerade nicht mehr auf dem Plan. Die gab es Anfang des Jahres mit Ziel Madeira. Ansonsten auch gerne nach Bayern. „Zum Wandern und um den Kopf auszuschalten“, sagt Bürger. Stattdessen führen Tagestrips jetzt in die nähere Umgebung, zum Beispiel ins Planetarium nach Münster. So bleibt mehr Zeit für Haus, Garten, Kinder, Hund Polly – und natürlich die Wahl.
Stichwort Wahl: Was reizt den politischen Newcomer Christopher Bürger, der gerade erst Parteimitglied geworden ist, an der Kommunalpolitik und am Amt des Oberbürgermeisters? „Als bekannt wurde, dass Sahra Wagenknecht eine Partei gründen würde, war ich sofort interessiert“, sagt der 43-Jährige. „Es reizt mich, an Veränderungen auf kommunaler Ebene mitzuwirken. Einer der schlimmsten Sätze für mich ist: Das haben wir schon immer so gemacht.“
Es gebe so viele Themen: zum Beispiel die Umgestaltung der Innenstadt, Leerstand sinnvoll nutzen, bezahlbaren Wohnraum schaffen. „Lebensqualität ist wichtig. Viele Leute leben nur für die Miete“, sagt er. Na klar, Themen gibt es viele. Aber warum ist ausgerechnet er der richtige Mann, um sie anzupacken? „Ich setze mich gerne mit Menschen auseinander und setze auch gerne meinen Kopf durch“, sagt Bürger.
Bürger ist von Beruf Krankenpfleger am Uniklinikum in Münster. Und was hat das mit Politik zu tun? Eine ganz Menge, meint er. „Ich bin ein Typ, der Fingerspitzengefühl mitbringt. In meinem Beruf ist das notwendig, weil man in unterschiedlichsten Situationen mit unterschiedlichsten Menschen zu tun hat.“ Fingerspitzengefühl sei bei allem Durchsetzungswillen auch in der Politik gefragt. „Man muss eine andere Meinung auch mal stehen lassen können“, sagt Bürger. „Es gibt immer einen Mittelweg.“ Er nehme selbst gerne Kritik an.
„Natürlich hätte ich Respekt vor der Aufgabe“
Aber die Vorstellung, die Uniklinik und die Patienten mit dem Chefsessel im Rathaus zu tauschen, wäre das nicht eine allzu große Herausforderung? Längst nicht alle Stadtoberhäupter seien Verwaltungsmenschen. Dafür gebe es reichlich Beispiele. „Natürlich hätte ich Respekt vor der Aufgabe und natürlich muss man sich einarbeiten“, sagt Bürger. „Aber hinter einem Oberbürgermeister steht immer auch ein Team.“ Und dann ist er wieder bei seinem Beruf: Auch hier sei Teamarbeit quer durch die Hierarchien gefragt. Das sei ihm wichtig. „Eine Behandlung von oben herab mag ich gar nicht“, sagt er. „Ich bringe schon meinen Kindern bei, alle Menschen gleich zu behandeln.“
Und was macht Christopher Bürger, wenn er gerade nicht für die Patienten da ist und sich Politik mal hinten anstellen muss? „Vielleicht eine kleinere Fahrradrunde“, sagt er. „Etwas Gartenarbeit, mit den Jungs kickern, abends zum Entspannen ein Rollenspiel auf der Playstation oder etwas Leckeres kochen. Früher Ju-Jutsu beim TuS 1859“. Bürger und seine Frau, die beruflich ebenfalls im Krankenhausbereich tätig ist, lieben asiatische Küche und decken sich regelmäßig im Fachhandel mit Zutaten und Gewürzen ein. „Am liebsten kochen wir koreanisch“, verrät Bürger. Gerade ist die nächste größere Ration Kimchi, ein traditionelles koreanisches Gericht aus fermentiertem Gemüse, in Arbeit. „Kochen ist eine Form von Entspannung für mich“, sagt er.
„Hamm ist eine supertolle Mischung“
Bürger und seine Familie leben in einem Zechenhaus, haben aber keine Zechenvergangenheit. Kinderzeit in Wiescherhöfen, Jahre in Mitte, auf dem Daberg, im Süden und im Westen. In Heessen ist Bürger jetzt angekommen. Die Stadt hat er also von vielen Seiten kennengelernt. „Hamm ist eine supertolle Mischung zwischen Ruhrgebiet und Münsterland“, meint Bürger. „Die Stadt hat eine industrielle Prägung und gleichzeitig so viel Grün.“ Gute Gründe, sich für die Stadt zu engagieren, meint der BSW-Oberbürgermeisterkandidat.
Unsere Serie
Am 14. September entscheiden die Bürger in Hamm über ihre politischen Vertreter auf kommunaler Ebene. Im Vorfeld stellen wir die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters vor. Bevor es an die Wahlurne geht, erscheint jeweils mittwochs und samstags ein neuer Teil unserer Serie. Dabei stellen wir die Person hinter dem Politiker in den Vordergrund. Passend dazu gewähren die Kandidaten uns und den Lesern des WA seltene Einblicke in ihr privates Umfeld.
![[Foto: © Andreas Rother] --> Hamm: Homestory-Fotos mit Christopher Bürger (BSW); Zum Sachsenhof 39 (Heessen) [Foto: © Andreas Rother] --> Hamm: Homestory-Fotos mit Christopher Bürger (BSW); Zum Sachsenhof 39 (Heessen)](http://www.ippen.media/bilder/2025/08/27/93902940/39465989-foto-andreas-rother-gt-hamm-homestory-fotos-mit-christopher-buerger-bsw-zum-sachsenhof-39-heessen-1ka7.jpg)


