Das Cineplex kehrt nach Hamm zurück und mit ihm Carsten Dunke als Theaterleiter. Er erklärt, wie er sich cineastische Erlebnisse in Zukunft vorstellt.
Hamm – Zielmarke für den Neustart des Cineplex in Hamm ist der 18. Mai – passend zum Start von „Fast and Furious 10“. Zurück als Theaterleiter an alter Wirkungsstätte ist dann Carsten Dunke. Dunke war vor dem viereinhalbjährigen Intermezzo des Cinemaxx das Gesicht des Hammer Kinos. Damals hatte er sich bewusst gegen einen Wechsel in den Konzern entschieden und blieb seinem Arbeitgeber treu. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert er, was sich in diesen gut vier Jahren verändert hat, wie Kino der Zukunft aussehen kann und wieder zum Baustein der Stadtkultur wird.
Wie fühlt es sich an, wieder zurückzukehren?
Ich freue mich sehr auf die Aufgabe und fühle mich geschmeichelt von dem vielen Zuspruch, den wir erhalten haben. Aber ich habe auch großen Respekt vor dem Neuanfang in Hamm. Ein Selbstläufer ist das nicht.
Was hat sich verändert in den vergangenen viereinhalb Jahren, nicht zuletzt durch Corona?
In Deutschland beklagt die Branche einen Umsatzrückgang von 25 bis 30 Prozent. Viele bleiben weg und bedienen sich an dem Riesenangebot im Fernsehen und auf den Streaming-Plattformen. Mit Corona sind die Auswertungsfenster von 90 bis 100 Tagen für die Kinos, ehe ein Film anders verfügbar ist, gekappt worden. Diese Kino-Exklusivität gibt es nicht mehr. Inzwischen können Filme zum Beispiel auf Disney+ bereits nach 30 bis 60 Tagen geschaut werden. Mancher wartet diese Zeit ab. Aber ich sehe das Riesenangebot im TV umgekehrt auch als Chance für das Kino: Um der Überflutung zu entgehen, sehen sich die Besucher wieder gezielt einen Film ihrer Wahl auf der großen Leinwand an. Alle Filmverleiher haben sich klar zum Kino bekannt und hoffen für 2023 auf 100 Millionen Besucher in den deutschen Kinos. Das bleibt abzuwarten und hat entscheidend mit der Qualität des Angebots zu tun. Aber natürlich glaube auch ich ans Kino – sonst würde ich mir einen anderen Job suchen.
Neuer, alter Theaterleiter: Das Cineplex soll ein Wohlfühl-Kino sein
Zu Cineplex-Zeiten gehörte Kino immer fest zur Kulturlandschaft in der Stadt und war kein anonymer Betrieb. Was wollen Sie tun, um wieder dort hinzukommen?
Wir wollen alle Zielgruppen in Hamm ansprechen. Am Standort Lippstadt beobachten wir, dass mehr Familien ins Kino gehen. darauf müssen wir unsere Angebote zuschneiden. Denkbar wäre beispielsweise eine Reihe „Mein erster Kinobesuch“ und ein „Kinderwagenkino“ mit entsprechendem Programm und Ambiente. Das Thema setzt sich in der Gastronomie fort: Auch hier werden wir entsprechende Angebote machen, Getränke und Popcorn beispielsweise nicht nur in XXL-Größen anbieten. Grundsätzlich soll das Cineplex ein Wohlfühl-Kino sein. Ich möchte, dass die Leute rausgehen und sagen: ,Das war ein schöner Abend: ein guter Film, nettes Personal, bequem gesessen.’
Kino ist ein Erlebnis, und das hat auch einen Preis.
Das Cineplex war immer auch ein Schauplatz von Aktionen. Kommen diese wieder?
Ja. Wir haben mit Konzerten, Lesungen, Ausstellungen oder Sondervorführungen immer wieder gezeigt, dass Kino mehr ist, als die Top 100-Filme abzuspielen. In der Stadt werden wir ins wieder mit vielen Partnern vernetzen und sind offen für Kooperationen jeglicher Art.
Das Cineplex startet zunächst mit zwei Sälen. Warum ist das so?
Es sind umfangreiche Modernisierungsarbeiten erforderlich. Die Projektionstechnik wird ausgetauscht und auf den modernsten Stand gebracht, die Bestuhlung wird komplett erneuert und wesentlich komfortabler sein, und die EDV muss auf das Cineplex-System umgestellt werden. Das lässt sich nicht alles innerhalb von zwei Wochen bewältigen. Aber den Betrieb über längere Zeit ganz zu schließen, wäre keine Option gewesen.
Wie wird sich das auf die Eintrittspreise auswirken?
Im Vergleich werden wir uns in einem normalen Preisgefüge bewegen. Über die Cineplex-App haben Besucher die Möglichkeit, Rabatte auf Tickets und das Gastronomieangebot zu erhalten. 5,99 Euro- und Ramsch-Aktionen wird es nicht geben. Kino ist ein Erlebnis, und das hat auch einen Preis. Wenn das Erlebnis gut ist, darf es auch etwas kosten.
Kino in Hamm: Alle wichtigen Filme sollen zu sehen sein
Wie wird sich das Kino personell aufstellen?
Alle Mitarbeiter werden übernommen. Aber wir werden auch Personal neu einstellen. Das ist ein Muss für guten Service. Das gilt für die Gastronomie, aber beispielsweise auch für das Telefon, die Erreichbarkeit, da man bei uns nicht in einem Call-Center landet, und auch für Sonderaktionen, die erhöhten Personalbedarf benötigen.
Werden in Hamm alle wichtigen Filme zu sehen sein?
Es sind so viele Filme, die den Weg ins Kino suchen. Wir werden sie nicht alle spielen können. Aber ich muss auch nicht immer alles gleich zum Start spielen, sondern kann Titel auch etwas zeitversetzt zeigen. So kann ich sie immerhin doch anbieten. Aber ja: Alle wichtigen Filme werden zu sehen sein.
Greifen Sie die bewährten Reihen wieder auf?
Ja, unbedingt. Ein Leben ohne VHS-Kino ist nicht denkbar. Das beliebte Seniorenkino wird fortgesetzt, ebenso die Ladies-First- und die Echte-Kerle-Reihe. Es wird Sneak Previews geben, und auch ,alte’ Filme, die auf der Leinwand ein anderes Erlebnis sind als im TV, werden gezeigt. Das alles nach dem Motto: Lasst uns den Film noch mehr zelebrieren. Wir haben solch ein Spektrum, das muss man ausnutzen.