Nachfolgerin von Dr. Bohle

Corona: Neue Ärztesprecherin in Hamm wirbt fürs Impfen

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Obwohl die Zahl der Corona-Impfungen in Hamm stark sinkt, ist es aus medizinischer Sicht vor allem für Ältere und Immungeschwächte nach wie vor sinnvoll, den Impfschutz aktuell zu halten. Das betont Dr. Ulrike Leise-Rauße, die neue Vorsitzende des Ärztevereins Hamm.

Hamm - Erfahrungsgemäß biete die Impfung aktuell drei bis sechs Monate lang guten Schutz. Auch, wenn die derzeit erhältlichen Präparate nicht an die neuen Omikron-Varianten angepasst seien. „Es gibt im Moment ja nichts anderes“, so Dr. Leise-Rauße pragmatisch. „Klar ist: Das Impfen schützt weiter vor schweren Verläufen. Und das soll es ja in erster Linie.“ (News zum Coronavirus in Hamm, für überregionale Infos hier klicken.)

Omikron führe zwar generell nicht zu so schwerwiegenden Symptomen und gesundheitlichen Folgen wie etwa die Delta-Variante oder gar der Urtyp. Dennoch erkrankten viele Infizierte derzeit nennenswert. Sie lägen häufig mit Erkältungs- oder Grippe-Symptomen für mehrere Tage im Bett. Das könne für Immungeschwächte schon eine gesundheitliche Herausforderung darstellen.

Leise-Rauße führt aktuell in der eigenen Praxis noch zwischen 20 und 30 Impfungen pro Woche durch, insgesamt habe auch bei den Hausärzten die Nachfrage abgenommen. Die Ärzte-Sprecherin geht allerdings davon aus, dass im Herbst wieder eine Auffrischungswelle nötig sein wird. Dann im besten Fall mit an Omikron angepassten Impfstoffen. „Dazu gibt es allerdings auch für uns noch keinerlei offizielle Infos. Wir müssen abwarten“, sagt die 47-Jährige. In jedem Fall sei dann wünschenswert, dass Einzelspritzen orderbar werden. Aktuell müssten nach wie vor sechs Patienten gefunden werden, damit eine Phiole des Impfstoffs restlos verbraucht werden kann. Was übrig bleibt, müsse weggeworfen werden. Und das sei am Ende vor allem für den Steuerzahler teuer.

Corona-Impfung in Hamm: viele Anrufe aus Altersgruppe 60 plus

Unterdessen könnten schon jetzt sehr wahrscheinlich mehr Impfungen durchgeführt werden, als tatsächlich im Impfzentrum und bei den Hausärzten verabreicht werden. „Aktuell erreichen uns viele Anrufe aus der Altersgruppe 60 plus bezüglich des Wunsches nach einer freiwilligen vierten Impfung“, teilte Stadtsprecher Detlef Burrichter mit. Diese Möglichkeit bestehe zumindest im Rahmen der städtischen Angebote allerdings nicht.

„Die Stadt bittet um Verständnis dafür, dass nach Rücksprache mit dem NRW-Gesundheitsministerium und gemäß dem aktuellen Impferlass des Landes NRW derzeit keine vierten Impfungen für diese Personengruppe zulässig sind“, so Burrichter. „Erst ab dem vollendeten 70. Lebensjahr wird auf Wunsch die freiwillige vierte Impfung ermöglicht. Vierte Impfungen sind freiwillig auch möglich für Personen, die beruflich regelmäßig mit vulnerablen Personen in Kontakt kommen, zum Beispiel in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.“

Corona-Impfung in Hamm: Jüngere Impfwillige sollen noch abwarten

Jüngere Impfwillige werden dazu aufgerufen, abzuwarten, bis es eine neue Entscheidung des Gesundheitsministeriums gibt. Die erfolge erwartungsgemäß in enger Abstimmung mit der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Dass auch die Ärzte sich allgemein an den Empfehlungen der Stiko ausrichten, bestätigt Leise-Rauße. In den Praxen der niedergelassenen Ärzte können dennoch unter Umständen auch Jüngere an die vierte Impfung kommen. „Angstpatienten zum Beispiel oder Menschen, die mich eindringlich darum bitten, sie zu impfen, verwehre ich das nicht“, sagt die Ärzte-Sprecherin. „Sie sollen sich ja auch nicht hinterher anstecken und krank werden, weil ihr bisheriger Impfschutz nachgelassen hat. Dann fehlen sie am Arbeitsplatz oder müssen den Familienalltag umplanen. Das muss nicht sein.“

Ärzteverein: Leise-Rauße löst Bohle ab

Dr. Ulrike Leise-Rauße ist seit Juni neue Sprecherin des Ärztevereins Hamm. Sie ist auf der Jahreshauptversammlung einstimmig gewählt worden und tritt die Nachfolge von Dr. Matthias Bohle an. Bohle begründete seinen Rückzug nach sechs Jahren damit, wieder mehr Zeit für die Familie haben zu wollen. Ansonsten arbeitet der Vorstand des Ärztevereins unverändert weiter.

Leise-Rauße ist Internistin, 47 Jahre alt und arbeitet seit 2018 zusammen mit Burkhard Overhage in einer Gemeinschaftspraxis am Westring 2. Zuvor arbeitete sie im St.-Marien-Hospital und vertretungsweise auch im Evangelischen Krankenhaus.

Auch auf Notarzt-Fahrten war Leise-Rauße in Hamm bereits im Einsatz. Ursprünglich kommt sie aus dem Sauerland und studierte in Bonn und Hamburg. Zwischenzeitlich arbeitete sie in der Schweiz und in Meran in Südtirol. Die Mutter einer Tochter will sich künftig dafür einsetzen, dass die Hammer Ärzte- und Kliniklandschaft besser vernetzt wird. Auch der Hausarzt-Mangel werde in den kommenden Jahren ein großes Thema für den Ärzteverein darstellen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Marijan Murat/dpa

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