Tödlicher Einsatz

Polizei erschießt Mann im Kreis Paderborn – ihn trafen vier Kugeln

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Ein Polizeieinsatz endet im Kreis Paderborn für einen 30-Jährigen tödlich. Der Mann befand sich offenbar in einem „psychischen Ausnahmezustand“. Nun gibt es neue Details.

Update vom 13. Oktober, 14.29 Uhr: Zwei Tage nach dem tödlichen Schuss durch die Polizei auf einen offenbar psychisch kranken Mann in Paderborn, hat die Polizei nun neue Details zum Einsatz veröffentlicht.

Demnach seien insgesamt vier Polizeibeamte, davon drei Polizeikommissare im Alter von 37 und 27 Jahren, sowie eine Polizeikommissarin im Alter von 21 Jahren, mit der Fahnund nach dem Vermissten betraut gewesen. „Als durch Zeugen der Aufenthaltsort des Vermissten im Nahbereich zur Wohnanschrift mitgeteilt wurde, begab sich zunächst der erste Streifenwagen mit den 37- jährigen und 27-jährigen Polizeibeamten dorthin“, heißt es.

Am besagten Ort angekommen, hatten die Beamten den Vermissten, dessen Bewaffnung mit einem Küchenmesser bekannt gewesen sei, angesprochen. „Kurze Zeit später erreichte der zweite Streifenwagen mit dem späteren Schützen als Fahrer die Örtlichkeit, wobei nach den bisherigen Erkenntnissen die beiden Fahrer links vom jeweiligen Streifenwagen und die Beifahrer jeweils auf der rechten Seite standen. Der zweite Streifenwagen hielt dabei hinter dem ersten Streifenwagen“, erklärt die Polizei. Wenig später ist offenbar die Schussabgabe erfolgt.

Mann sei mit Messer auf Polizisten zugelaufen

„Kurze Zeit später lief der Vermisste unvermittelt mit erhobenem Küchenmesser auf die beiden an der Fahrerseite stehenden Polizeibeamten los, wobei seine Entfernung zu den Polizeibeamten nach bisherigem Erkenntnisstand weniger als eine Streifenwagenlänge betrug“, heißt es. Der hintere Polizeibeamte habe daraufhin „insgesamt vier Mal auf den 30-jährigen Angreifer“ geschossen. Dieser erlag „unmittelbar vor Ort den Schussverletzungen“. Warum der Beamte vier Schüsse abgegeben hat, ist derzeit noch unklar, lässt aber Zweifel an der Verhältnismäßigkeit aufkommen.

Eine Obduktion des Toten hat die Todesursache mittlerweile ergeben. „Die durch die Rechtsmedizin Münster durchgeführte Obduktion hat ergeben, dass der Messerangreifer tödlich am Kopf und im Bauchraum getroffen wurde. Zudem wurde die das Küchenmesser führende rechte Hand unter Beschädigung des Messergriffs sowie der linke Brustbereich durch einen Streifschuss verletzt“, heißt es.

Hilfe bei Suizidgedanken

Wir berichten in der Regel nicht über Suizide, weil leider durch die Berichterstattung die Nachahmerquote erhöht wird. Wir machen in bestimmten Fällen – wie diesem hier – eine Ausnahme. Wenn Sie sich selbst in einer Krisensituation befinden, suchen Sie sich bitte Hilfe, z.B. bei der Telefonseelsorge (Tel. 0800-1110111).

Weiter sind einige Fragen offen. „Die Ermittlungen zum Tatgeschehen und zum Motiv des Angreifers dauern an. Es wird insbesondere ermittelt, ob es sich um ein Geschehen des sogenannten ‚suicide by cop‘ handelt. Wie bereits berichtet, waren die Bodycams der eingesetzten Polizeibeamten und auch die Kameras der Streifenwagen ausgeschaltet. Die damit zusammenhängenden Fragen sind ebenfalls Gegenstand der noch laufenden Ermittlungen“, heißt es.

Polizei erschießt Mann im Kreis Paderborn – 30-Jähriger im „psychischen Ausnahmezustand“

Update vom 12. Oktober, 12.54 Uhr: Die Ermittlungen zu dem tödlichen Schuss im Rahmen eines Polizeieinsatzes in Delbrück im Kreis Paderborn dauern weiter an. Die Polizei äußerte sich nun auf wa.de-Nachfrage dazu, warum kein psychologischer bzw. psychiatrischer Experte hinzugezogen wurde.

So habe sich der getötete Mann zwar in einem „psychischen Ausnahmezustand“ befunden, ein Experte hätte „auf die Schnelle“ aber nicht zum Einsatzort beordert werden können, sagte eine Sprecherin. „Auch sind unsere Beamten geschult, um auf Menschen mit Suizidabsichten verbal einzuwirken und diese von ihrem Vorhaben abzubringen. In der Regel richtet sich deren aggressives Verhalten ja nicht gegen andere, sondern gegen das eigene Leben. Warum nun diese Situation entstanden ist, ist Teil der laufenden Ermittlungen“, sagte sie.

Aufgrund dessen könne sie auch keine weiteren Angaben zu den Geschehnissen machen. Die noch offenen Fragen sollen nun in den kommenden Tagen geklärt werden.

Polizei erschießt Mann im Kreis Paderborn

Erstmeldung: Delbrück/Bielefeld – Ein Polizeieinsatz in Delbrück im Kreis Paderborn (NRW) endete für einen Mann tödlich. Ein Polizist hat den 30-Jährigen, der sich ersten Erkenntnissen zufolge in einem „psychischen Ausnahmezustand“ befand, erschossen. Der Beamte soll aus Notwehr gehandelt haben, die Ermittlungen dazu dauern aber noch an. Der Fall wirft Fragen auf.

Wie die Polizei Bielefeld in einer gemeinsamen Presseerklärung mit der Staatsanwaltschaft Paderborn mitteilt, habe der Mann den Polizeibeamten am Mittwochabend, 11. Oktober, mit einem Messer angegriffen. „Bei dem anschließenden Einsatz der Schusswaffe erlitt der Angreifer tödliche Verletzungen“, heißt es. Offenbar hatten die Beamten die Kontrolle über die Situation verloren und sahen keinen anderen Ausweg, als die Dienstwaffe einzusetzen.

Polizei erschießt Mann im Kreis Paderborn bei Einsatz

„Nach den derzeitigen Erkenntnissen wurde der Polizei Paderborn gegen 12.40 Uhr ein 30-jähriger Delbrücker mit Suizidabsichten als vermisst gemeldet. Eine erste Suche der Polizeibeamten nach dem Suizidenten, auch unter Einsatz eines Hubschraubers verlief negativ“, heißt es zum Sachverhalt. Gegen 17.55 Uhr seien bei der Polizei Hinweise zu dem Aufenthaltsort des Gesuchten an der Westenholzer Straße kurz vor Nordhagen eingegangen. Warum die Polizisten ohne psychologische Unterstützung zum besagten Ort fuhren, ist derzeit noch unklar.

30-Jähriger erschossen: Er befand sich „in einem psychischen Ausnahmezustand“

Jedenfalls habe der sich „in einem psychischen Ausnahmezustand“ befindliche 30-Jährige „ein längeres Küchenmesser“ gezogen und sei damit auf die Polizisten zugelaufen. „Daraufhin setzte ein 27-jähriger Polizist die Dienstpistole ein. Der 30-Jährige erlitt dabei eine tödliche Kopfverletzung“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei. Ob der Polizist zuvor einen Warnschuss abgab oder andere Mittel hätte wählen können, um den augenscheinlichen Angreifer zu stoppen, ist ebenfalls noch unklar.

Die vom Polizeipräsidium Bielefeld eingerichtete Ermittlungskommission „Weste“ habe unter Leitung des Kriminalhauptkommissars Stefan Esdar die weiteren Ermittlungen übernommen. „Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat gegen den Polizeibeamten ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand ist davon auszugehen, dass die Schussabgabe durch Notwehr gerechtfertigt war. Die Ermittlungen dazu dauern an“, heißt es.

Tödliche Schüsse in Delbrück: Polizei hatte Bodycams wohl nicht eingeschaltet

Die Bodycams der Einsatzkräfte seien der Polizei zufolge „während des Einsatzes nicht eingeschaltet“ gewesen. Warum, ist ebenfalls noch Gegenstand der Ermittlungen. „Im Laufe des heutigen Tages wird die Obduktion des Getöteten auf Antrag der Staatsanwaltschaft Paderborn erfolgen“, heißt es abschließend zu dem tödlichen Polizeieinsatz, der noch viele Fragen aufwirft.

Der Fall erinnert an den 16-Jährigen, der im August 2022 in Dortmund von Polizisten erschossen wurde. Auch er hatte sich offenbar in einer psychischen Ausnahmesituation befunden und war mit einem Messer bewaffnet.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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