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Der angekündigte Bahnstreik trifft seit Mittwoch Pendler und Bahnreisende in NRW hart. Der Schienenverkehr ruht fast sechs Tage lang. Die Auswirkungen.
Hamm - Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hatte „längere und härtere“ Bahnstreiks angekündigt. Jetzt wurde der Plan Realität - mit massiven Auswirkungen für Pendler und Bahnreisende auch in Nordrhein-Westfalen. Der Streik im Personenverkehr begann um 2 Uhr in der Nacht zu Mittwoch, 24. Januar, und soll erst am Montag, 29. Januar, um 18 Uhr enden.
Neuer Bahnstreik von Mittwoch bis Montag trifft NRW hart
Für Pendlerinnen und Pendler an Rhein und Ruhr stehen erneut schwierige Tage mit absehbar Tausenden Zugausfällen bevor. Erstmals ist in dieser Tarifrunde auch das Wochenende von einem Streik betroffen. Die Gewerkschaftsmitglieder bei der für Güterverkehr zuständigen DB Cargo sind bereits seit Dienstag, 21. Januar, 18 Uhr zum Streik aufgerufen.
Schon im Dezember 2023 hatte der mächtige GDL-Chef Claus Weselsky mit Bahnstreiks zwischen drei und fünf Tagen gedroht. Die bisherigen Streiks im November und Dezember 2023 sowie erst jüngst vom 10. bis 12. Januar 2024 haben einen klaren Eindruck davon vermittelt, was Bahnkunden bei einem neuerlichen Ausstand erwartet. Es fielen jeweils gut 80 Prozent der vorgesehenen Fahrten im Fernverkehr aus. Die Bahn rechnet eigenen Angaben zufolge mit „massiven Beeinträchtigungen im Fern-, Regional- und S-Bahn Verkehr“. Nur ein Notfahrplan soll „ein sehr begrenztes Zugangebot“ bieten, schreibt 24RHEIN. „Für diese Fahrten setzt die DB im Fernverkehr längere Züge mit mehr Sitzplätzen ein, um möglichst viele Menschen an ihr Ziel bringen zu können“, erklärt die DB zum Notfahrplan, der rechtzeitig in den Auskunftssystemen der Bahn abrufbar sein soll.
Im Regionalverkehr waren die Auswirkungen in manchen Bundesländern noch deutlicher, in einigen Regionen fuhr zeitweise quasi kein Zug und kaum eine S-Bahn. In NRW waren die Züge privater Anbieter wie Eurobahn, Westfalenbahn und National Express trotz Streiks unterwegs - und das ist auch diesmal so. Auf vielen Strecken des einwohnerstärksten Bundeslandes geht jedoch nichts mehr oder nur noch wenig, wie eine Übersicht zeigt.
Neuer Bahnstreik im Tarifstreit zwischen GDL und Deutscher Bahn
Die GDL fordert im aktuellen Tarifstreit:
- Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden ohne Lohnkürzung
- Mindestens 555 Euro mehr Lohn im Monat (324 Euro für Azubis)
- Erhöhung der Zulage für Schichtarbeit um 25 Prozent
- Inflationsprämie von 3000 Euro für Voll- und Teilzeitbeschäftigte (1500 Euro für Azubis)
Die Deutsche Bahn lehnt weiter die Kernforderung der GDL nach einer Absenkung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden für Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich ab. Allerdings legte sie Ende vergangener Woche ein neues Angebot vor, das offenbar nicht auf Gegenliebe stieß. Nur wenige Tage später kam die Ankündigung des Mega-Streiks.
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