VonJens Hippeschließen
Die Oberhagen-Wand hinter dem Risse-Gelände in Warstein soll das größte und beste Klettergebiet in ganz Nordrhein-Westfalen werden. Doch es gibt Probleme.
Warstein - Es ist ruhig geworden um das geplante Klettergebiet am Oberhagen. Nach fast neun Jahren Arbeit an der Wand „ist die Luft ein bisschen raus. Die Motivation ist ein bisschen zurückgegangen“, gibt Joachim Fischer vom Deutschen Alpenverein zu. Zudem sei er selbst als Antreiber des Projekts gesundheitlich angeschlagen gewesen. Dennoch bleibt es das Ziel des Warsteiners, an der Oberhagen-Wand „das größte und beste Klettergebiet in Nordrhein-Westfalen“ zu etablieren. „Im nächsten Jahr möchte ich das wieder mit vielen Einsätzen vorantreiben“, sagt Fischer.
Das „größte und beste Klettergebiet“ in NRW hat ein Problem: „So viele Unwägbarkeiten“
Im Jahr 2015, genauer am 8. August des Jahres, hatte Fischer, mit vielen Helfern mit der Erschließung der Wand begonnen. Sie räumten „alles, was nicht niet- und nagelfest ist“, aus der Wand, stellten die Verkehrssicherheit und begannen dann mit der Ausarbeitung der Kletterrouten. Etwa 250 sollen es auf einer Breite von gut 500 Metern an der etwa 25 Metern hohen Wand werden, mit den unterschiedlichsten Schwierigkeitsstufen. „Etwa 70, 75 Prozent sind jetzt fertig“, schätzt Fischer.
Dass es noch nicht mehr ist, hat verschiedene Gründe. „In den letzten beiden Jahren hatten wir Rückschläge durch größere Felsbrocken, die abgängig waren“, berichtet der Warsteiner, auch sei das „durchwachsene Wetter“ der letzten beiden Jahre nicht förderlich gewesen. Zudem hatte die Corona-Pandemie zeitweise die Arbeit stark eingeschränkt. Zuletzt war es eben ein Durchhänger bei den Helfern, die alle ehrenamtlich bei der Erschließung tätig sind und die Fischer, wenn er selbst gesundheitlich wieder voll auf der Höhe ist, neu motivieren möchte, um den Oberhagen zu einem Anziehungspunkt für Kletterer zu machen. Zu einem Klettergebiet, das mehr Routen haben soll, als früher die Bruchhauser Steine. Die galten bis zu ihrer Sperrung in den 1990er Jahren als ein Klettergebiet von nationalem Rang.
Die Risse-Pläne
Im historischen Steinbruch am Rande der Warsteiner Innenstadt sollen vier Gebäude entstehen, in denen ein Seniorenheim mit über 100 Betten plus Supermarkt, Cafés, Läden, eine Kita sowie ein Drogeriemarkt Einzug halten sollen. Von den 7,5 Hektar werden 4,5 Hektar bebaut mit einer Nutzfläche von 17 000 Quadratmetern. 200 bis 250 neue Arbeitsplätze, 40 neue Wohnungen, 680 Parkplätze und ein Radweg sollen entstehen – und das alles zentrumsnah, aber vom Durchgangsverkehr abgeschottet.
Bis der Oberhagen diesen Status erreichen wird, wird es noch etwas dauern. „Ich rechne noch mit mindestens drei Jahren, bis wir fertig sind“, sagt Joachim Fischer. Auf einen genauen Termin will und kann er sich nicht festlegen, denn die letzten Jahre haben ihn gelehrt: „Da gibt es so viele Unwägbarkeiten.“ Und dabei kann er noch gar nicht einschätzen, inwieweit die neuen Pläne für das Risse-Gelände die Arbeiten und das spätere Klettern an der Wand beeinflussen werden. „Wenn wir Pech haben, sind wir fertig, wenn dort mit den Bauarbeiten begonnen wird“, schildert er seine Befürchtungen, dass das Gelände während der Bauphase aus Sicherheitsgründen komplett abgesperrt und es keinen Zugang zur Kletterwand geben wird. Bremsen kann ihn diese Befürchtung aber nicht.
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