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Am 11.11. beginnt die neue Karnevalssession. Das Datum zählt im Kölner Karneval zu den wichtigen Terminen überhaupt. 11 Fakten zum 11.11. in Köln.
Köln – Am 11.11. steht in Köln nur ein Thema im Mittelpunkt: Der Kölner Karneval. Jedes Jahr feiern Zehntausende Menschen den Sessionsstart – in den Straßen, in den Kneipen und auf Partys. 2023 feiern wohl umso mehr Menschen den 11.11. in Köln, denn dieses Jahr fällt er auf einen Samstag. 24RHEIN zeigt 11 Dinge, die man über den 11.11. in Köln wissen sollte.
1. Eine große Party in ganz Köln am 11.11.
Der 11.11. in Köln ist vor allem eins: Eine riesige Straßenparty, darum bleibt zu hoffen, dass das Wetter am 11.11. in Köln mitspielt. Viele Kölner fiebern regelrecht auf diesen Tag hin und beschäftigen sich schon Wochen vorher mit Kostümideen und Party-Plänen. An diesem Tag wird in vielen Kölner Stadtteilen um kurz vor 11:11 Uhr der Countdown heruntergezählt und die neue Karnevalssession gefeiert. Dabei steht das ganze Stadtgebiet Kopf. Tausende verkleidete Menschen streifen durch die Straßen, wobei ein Kostüm verrückter als das andere ist. Es wird geschunkelt, gebützt (Küsschen verteilt) und ordentlich Kölsch getrunken. Am 11.11. treffen sich Jung und Alt in Kneipen und Bars, um einen der wichtigsten Tage in Köln zu zelebrieren.
2. „Et echt kölsche Jeföhl“ in der Kneipe
Alteingesessene Kölner lieben den Karneval. Aber nicht so wie die jungen Leute in der Disco oder im Club. „Dat echt kölsche Jeföhl“ bekommt man am ehesten in der „Kneipp um d‘r Eck“ zu spüren. Hier trinkt man gemütlich das eine oder andere Kölsch. Die „ahl kamelle“ Lieder von Willi Ostermann oder Willy Millowitsch werden gehört und mitgesungen. Es wird geschunkelt und gelacht, alles in einer urig gemütlichen Atmosphäre.
3. Flönz, Kölsch & Mett – typisches Essen
Am 11.11. ist es wieder so weit und die echt kölschen Gerichte kommen auf den Tisch. Neben den Klassikern „Himmel un Ääd“, „Halve Hahn“ und vor allem „Flönz“ (Blutwurst), darf das Mettbrötchen nicht fehlen. Auch die Jugend frühstückt gerne morgens vor dem Feiern mit dem ersten Kölsch ein Mettbrötchen. Ein altbekannter Karnevals-Klassiker ist auch die „Ähzezupp“ (Erbsensuppe).
Für den süßen Zahn dürfen Klassiker wie Berliner, Krapfen oder auch Mutze und Mutzemändelchen nicht fehlen. Mutze und Mutzemändelchen sind wie Berliner und Krapfen Fettgebäck. Mutzemandeln sind kleine Teigkugeln und erinnern von der Form her an Mandeln. Mutze sind größere Teigstücke, die flach ausgerollt werden und eher knusprig sind. Beides ist mit Puderzucker bestreut.
4. „Alaaf“ oder „Helau“? Der richtige Narrenruf
Besonders wichtig ist der richtige Narrenruf, der je nach Stadt und Region zu einem ganz eigenen Schlachtruf wird. „Alaaf“ ist der kölsche Narrenruf, der auf keinen Fall mit „Helau“, dem Schlachtruf der Düsseldorfer, verwechselt werden sollte. In NRW finden sich allerdings noch zahlreiche weitere Narrenrufe: die Paderborner rufen beispielsweise „Hasipalau“ und in Tönisvorst heißt es „Klappertüt“.
5. Höhner, Brings & Co. – die wichtigsten Karnevalsbands
Der Karneval ist vor allem musikalisch ein einziger Soundtrack für die Zeit vom 11.11. bis Aschermittwoch. Hits wie „Viva Colonia“, „Kölsche Jung“ „Leev Marie“ oder „Stadt met K“ laufen in der fünften Jahreszeit auf Dauerschleife. Bands wie die „Höhner“, „Brings“ „Kasalla“ und „Klüngelköpp“ dröhnen dabei an den Feiertagen nicht nur aus jeder Seiten- und Hauptstraße, sondern treten zudem überall in Köln und der Region auf. Dass Karnevalsbands aber mehr können als Karneval, wird spätestens bei einem Torerfolg des 1. FC Köln klar, sobald die Hymne „Wenn et Trömmelche jeht“ erklingt.
6. Die Zahl 11 spielt eine wichtige Rolle
Ganz klar: Das Datum geht leicht von der Zunge – das ist allerdings nicht der Grund dafür, dass die Zahl Elf so eine wichtige Rolle im Karneval übernimmt. Mythen und Überlieferungen gibt es viele. Zum einen soll die Zahl die Einheit und Gleichheit aller Narren symbolisieren.
Andere behaupten, dass es bei der Zahl Elf im Karneval einen politischen Bezug gibt: Seit der Französischen Revolution steht ELF für E = Egalité, L = Liberté und F = Fraternité (Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit). Und weil Köln lange Zeit durch Frankreich besetzt gewesen ist, spielt die Zahl auch heute eine große Rolle für Kölle. Eine andere Legende besagt hingegen, dass die Zahl in seiner Ursprungsbedeutung als Repräsentation von Sünde gilt. Elf steht als Zahl genau zwischen den Zehn Geboten und den zwölf Aposteln. Im Christentum hat die Zahl deshalb eine symbolische Bedeutung, sie gilt seit dem Mittelalter als unchristlich. Passend dazu gehen viele Jecke an Karneval auf die Straßen zum Feiern und Trinken, bevor dann bis Ostern gefastet wird.
Die eine Bedeutung und Erklärung für die enorme Bedeutung der Zahl Elf im Kölner Karneval gibt es darum wohl nicht. Aber genau das macht den Karneval ja auch irgendwie aus: Auch wenn der genaue Hintergrund unklar ist, stimmt das Gefühl und man feiert es einfach mit.
7. Der 11.11. ist bunt!
Karneval und Kostüme gehören stets zusammen. Im Karneval sind alle jeck und verkleiden sich so bunt und fröhlich wie möglich. Ob klassisch in den kölschen Farben „rut un wies“ oder doch lieber als Katze, Cowboy oder Pirat. Hier ist alles erlaubt. Schon Wochen vor dem 11.11. machen sich die Jecken Gedanken über ihr Kostüm für die neue Session. Niemand wird, wie der Kölner sagt, „schääl anjeluurt“ (blöd angeschaut), wenn er nicht normal gekleidet ist. Doch das war nicht immer so. Früher war der Karneval eine eher seriöse Angelegenheit. Noch bis in die 60er Jahre trug man auf den Karnevalssitzungen schicke Anzüge und Kleider. Und auch heute noch erinnern im Kölner Karneval mehrere Frackgesellschaften und die zahlreichen Prunksitzungen an damals.
Kostümtrends für den Karneval 2024 in Fotos




8. Die kölsche Herzlichkeit
Für viele Menschen, die nicht aus dem Rheinland kommen, mag die kölsche Mentalität an Karneval wohl erstmal eine Umstellung sein. Die Kölner und Kölnerinnen gelten nämlich als besonders herzlich, offen und gesellig – das merkt man vor allem an den Karnevalstagen. Am 11.11. kann es also schnell passieren, dass mit völlig Fremden in einer Kneipe zusammen geschunkelt und sich bei einem Kölsch über Gott und die Welt unterhalten wird. Dabei kann auch mal ein Bützchen, also ein Wangenküsschen, verteilt werden, was nicht als Anmache verstanden werden sollte.
9. Ein karnevalistischer Sprachexkurs
Das Wort „Karneval“ ist historisch bereits seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der genaue Ursprung ist unklar. Auch hier gibt es verschiedene Meinungen und Theorien. Unter anderem wird vermutet, dass es vom italienischen Wort „carnevale“ abstammt, was in etwa „Fleisch, lebe wohl“ heißt und an die bevorstehende Fastenzeit erinnert.
Andere sind der Meinung, dass das Wort seine Wurzeln im lateinischen „carrus navalis“ – ein „Narrenschiff“ – hat. Dieses war im Mittelalter eine symbolische Darstellung für eine Gesellschaft, die nur dem eigenen Wohlergehen frönt, frisst und säuft und geistigen Anstrengungen heftige Abneigung entgegenbringt. So gesehen soll der Karneval ein Ausnahmezustand sein, der Freude bringt und Verrücktes zulässt.
10. Die größten Veranstaltungen am Sessionsstart
Grundsätzlich wird überall gefeiert. Besonders groß gefeiert wird linksrheinisch jedoch vor allem bei der Sessionseröffnung auf dem Heumarkt samt buntem Bühnenprogramm am 11.11. oder rund um die Zülpicher Straße. Und auch rechtsrheinisch finden zwei große organisierten Karnevalsveranstaltungen statt: Beim „Elften im Elften“ kommen über 10.000 Menschen in der Lanxess-Arena zusammen. Die Sessionseröffnung im Tanzbrunnen – „Kölscher Countdown“ – bietet eine familienfreundlichere Alternative, bei der beliebte kölsche Bands und Musiker auf der Bühne stehen. Übrigens: Aufgrund der Sessionseröffnung kommt es am 11.11. zu zahlreichen Umleitungen und Trennungen bei den KVB-Bahnen.
11. Die Zülpicher Straße am 11.11. – für viele ein Dorn im Auge
Besonders viele Menschen tummeln sich jedes Jahr aufs Neue vor allem auf der Zülpicher Straße. Sie ist eine beliebte Anlaufstelle für junge Leute und Touristen und ein Hotspot für potenzielle Tumulte – und vielen Kölnerinnen und Kölnern daher ein Dorn im Auge. „Man mag das jetzt schön finden, wie hier gefeiert wird, oder nicht. Aber das tun eben die jungen Leute so“, sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur Sessionseröffnung 2022. Sie gab zu, dass zu viele Menschen auf zu engen Raum unterwegs waren, verteidigte das Sicherheitskonzept der Stadt aber. Besonders 2022 herrschte an Karneval Chaos in der Innenstadt.
Um den Menschen einen sicheren Karneval zu ermöglichen, wird dieses Konzept jedes Jahr aufs Neue angepasst, ausdiskutiert, aber auch kritisiert. Der diesjährige 11.11. fällt auf einen Samstag – und auch 2023 warten zahlreiche Partys und Veranstaltungen auf die kostümierten Besucher. (spo/mcg)
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