Nach Razzia im Bahnhofsviertel

Drogengeschäfte jetzt anderswo in Hamm - „So schlimm wie nie“

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Dealen am Hochbunker: Im Bereich der Sedan- und Feidikstraße könnte sich ein neuer Drogenumschlagspunkt etablieren.
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In Hamm haben sich die Drogengeschäfte nach der Großrazzia rund um den Hauptbahnhof offenbar blitzschnell in südliche Richtung verlagert. „So schlimm war es noch nie“, sagt eine Anwohnerin.

Hamm – Der von Polizeipräsident Thomas Kubera immer wieder beschriebene Verdrängungseffekt scheint sich schnell bewahrheitet zu haben: Entsprechende Beobachtungen macht zumindest eine langjährige Anwohnerin im Bereich Sedanstraße und Feidikstraße. Drogengeschäfte nach der Razzia im Bahnhofsquartier am 14. Dezember hätten am südlichen Knotenpunkt im Kreuzungsbereich rund um den Bunker deutlich zugenommen. „So schlimm war es noch nie“, sagt die Frau.

Sowohl tagsüber als auch abends beobachte sie Geschäfte: 10 Uhr, 12 Uhr und nach 22 Uhr seien „Stoßzeiten“, sagt die Frau. „Die Leute drücken sich hier in den Hauseingängen herum. Das ist nicht mehr schön.“ Verbunden sind ihre Beobachtungen mit einem Appell an die Ordnungsbehörden: Die Frau, die weit über zehn Jahre hier lebt, wünscht sich mehr Präsenz von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst (KOD).

Platzverweise, die möglicherweise von der Polizei ausgesprochen würden, seien im Übrigen ziemlich fruchtlos. Innerhalb kurzer Zeit tauchten die selben Gesichter wieder auf.

Weder Stadt noch Polizei überrascht

Nach den jüngsten Maßnahmen zeigte sich weder Polizei noch Stadt überrascht über eine mögliche Verlagerung der Betäubungsmittel-Szene mit Verkäufern und Käufern. So heißt es übereinstimmend in Stellungnahmen beider Behörden auf Nachfrage unserer Zeitung. „Aus Sicht der Polizei war das erwartbar“, sagt Polizeisprecher Hendrik Heine.

Daher beobachte die Polizei mögliche Verdrängungseffekte sehr genau. „Wir behalten die örtlichen Verlagerungen in der Innenstadt genau im Auge und passen unsere Kontroll- und Observationsmaßnahmen in enger Abstimmung mit der Stadt Hamm an“, so der Polizeisprecher.

Für eine fundierte Aussage zu einer möglichen Verdrängung in Richtung Sedanstraße/Feidikstraße sei es noch zu früh. „Dennoch beobachten wir Verlagerungstendenzen rund um das Gustav-Lübcke-Museum und zu dem angrenzend ansässigen Autohandel“, so Heine.

Gemeinsame Streife von Polizei und KOD

Neben einer zivilen Aufklärung seien uniformierte Kräfte verstärkt in diesem Bereich unterwegs. Darunter sei auch die gemeinsame Streife von Polizei und KOD.

Fast gleichlautend ist die Mitteilung der Stadt. In den engen Austausch seien auch die Streetworkerinnen eingebunden.

Dem Eindruck, der KOD sei wenig bis gar nicht vor Ort, widerspricht Stadtsprecher Tom Herberg: „Im Bereich Sedanstraße/Feidikstraße sind die Kolleginnen und Kollegen des KOD häufig unterwegs – allein in den vergangenen drei Jahren seit Dezember 2020 gab es dort 285 Präsenzeinsätze.“

Am 14. Dezember hatten Polizei und KOD im Bahnhofsviertel eine Großkontrolle durchgeführt. Dabei wurden Drogen und Waffen sichergestellt.

In Hamm starb unterdessen ein 16-jähriger Schüler nach dem Konsum von Esctasy. Die Polizei untersucht jetzt die Herkunft der Partydroge.

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