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„Höchst demokratisch“, aber ein seltenes Ereignis. In Drolshagen dürfen die Bürger selbst entscheiden, ob das Stadtbad schließt. Streitpunkt: Die Kosten.
Drolshagen – Das hat es im Kreis Olpe noch nicht gegeben: Die Bürger sollen selbst entscheiden, ob das Stadtbad in Drolshagen saniert oder geschlossen wird. Dass es einen solchen Ratsbürgerentscheid geben wird, wurde bei der Stadtverordnetenversammlung beschlossen – 20 Ratsmitglieder haben dafür gestimmt.
Die Abstimmung soll am Tag der Kommunalwahl, 14. September, stattfinden. Folgende Frage müssen die Bürger dann mit Ja oder Nein beantwortet werden: „Soll das Stadtbad in Drolshagen ab 01.01.2026 dauerhaft geschlossen werden?“ Voraussetzung ist, dass mindestens 20 Prozent der in Drolshagen lebenden Menschen an der Abstimmung teilnehmen. Egal, wie knapp die Entscheidung ausfallen wird, es wird umgesetzt. Das sei „höchst demokratisch“, betont Bürgermeister Ulrich Berghof.
Stadtbad Drolshagen: Teure Sanierung
Das Hallenbad gehört seit 50 Jahren – Baujahr 1974/75 – zum Stadtbild. Es wird neben dem allgemeinen Betrieb von Vereinen und für den Schwimmunterricht an Schulen genutzt. Nun ist das Stadtbad „dringend sanierungsbedürftig“. Wie aus einer Vorlage hervorgeht, ist das seit 2018 bekannt.
Im Juni 2020 wurde ein entsprechender Arbeitskreis eingerichtet. Im selben Jahr wurde ein Gutachten durch das Energiebüro Schaumburg erstellt. Sowohl ein Neubau des Bades als auch die Renovierung hätten knapp 10 Millionen gekostet, erklärt Bürgermeister Berghof. Beides wäre „Quatsch“ gewesen und finanziell nicht tragbar für die Stadt. Erst „lange danach“ war klar: So kann es nicht mehr weitergehen.
Bürger entscheiden: Bleibt das Stadtbad?
Nun beschweren sich Bürger (Name der Redaktion bekannt): „Es wurde richtig Geld liegen gelassen“. Denn im Jahr 2020 gab es den sogenannten „Investionspakt zur Förderung von Sportstätten“ des Landes NRW. 47 Millionen Euro wurden für Erneuerung oder den Neubau bereitgestellt. Städte wir Nümbrecht, Erwitte und Schermbeck haben einen Antrag für ihr Hallenbad gestellt und jeweils eine Förderung von 1,5 Millionen Euro bekommen. Einen höheren Zuschuss gab es nicht. Insgesamt haben 272 Städte und Gemeinden Anträge gestellt. Von diesen Anträgen konnten 16 Prozent berücksichtigt werden.
Es wurde richtig Geld liegen gelassen.
Die Stadt Drolshagen hat damals keinen Antrag gestellt. „Die 1,5 Millionen wären sofort verpufft. Wir haben das in Relation gesehen“, erklärt Ulrich Berghof. Laut eines aktuelleren Gutachtens lägen die Kosten für die Sanierung bei mindestens 3,58 Millionen Euro. Dabei könnten die Kosten bis zu 40 Prozent abweichen. Eine Kernsanierung wäre weitaus teuer.
Die Sanierung des Stadtbads sei eine „Wahnsinns Investition“. Der Bürgermeister bleibt bei der Meinung: „Das ist eine Belastung, die wir uns eigentlich nicht leisten können“. Und auch noch nie leisten konnten. Das Stadtbad verursache im Schnitt jährliche Kosten in Höhe von 500.000 Euro.
Stadtbad Drolshagen: Unklare Zukunft
Entscheiden sich die Bürger für die Schließung des Bades, könnte es abgerissen werden. Was dann mit der Fläche passiert, „weiß kein Mensch“, sagt Berghof. Klar ist: „Der Abbruch wäre erheblich kostengünstiger“. Der Schwimmunterricht könnte gut auf umliegende Hallenbäder verteilt werden. Schwieriger wäre es, woanders geeignete Schwimmzeiten für die Vereine zu vereinbaren.
Prognosen, wie die Wahl ausgehen könnte, möchte der Bürgermeister nicht anstellen. Der Ausgang sei völlig offen. „Man hört vieles, wenn man durch Drolshagen geht. Es ist wirklich spannend.“
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