Raketenbeschuss in der Ukraine

Pritschenwagen aus Rhynern in Trümmer geschossen

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Schutt und Asche: Nach einem Raketentreffer ist das Transportfahrzeug aus Rhynern, das seit Herbst in der Ukraine eingesetzt wurde, nicht mehr zu gebrauchen.
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Ein alter Pritschenwagen erlebte ein tragisches Ende in der Ukraine. Einst diente er friedlich im Rhyneraner Handwerk. Sein Schicksal liegt nun in Trümmern.

Hamm/Ukraine – Einschusslöcher, gesplitterte Scheiben, demolierte Frontlichter – schließlich ein Treffer von einer Iskander-Rakete. Ein für humanitäre Zwecke in die Ukraine verfrachtetes Transportfahrzeug aus Rhynern hat seinen „Lebensabend“ mitten in den Kriegsgebieten verbracht. „Es ist nun im Pritschenhimmel“, sagt Thorsten Hazekamp von der Organisation „Rhynern hilft“. Vor zwei Wochen ist das parkende Fahrzeug durch die Rakete vollständig zerstört worden.

Der Einsatz hat sich gelohnt – da sind sich die Organisatoren und Spender (hier bei der Übergabe des Fahrzeugs in Rhynern) sicher: (von links) Thorsten Hazekamp („Rhynern hilft), Antje Voss, Christoph Voss und Matthias Hejosch („Holtum hilft“).

„Rhynern hilft“ hatte das Fahrzeug als Spende vom Dachdeckerbetrieb Voss aus dem Gewerbepark Rhynern erhalten. Geschäftsführer und Dachdeckermeister Christoph Voss hatte es 2005 angeschafft – es war eine seiner ersten Investitionen nach dem Einstieg in den elterlichen Betrieb. In der Firma hatte der Opel-Pritschenwagen zuverlässig seine Dienste verrichtet, transportierte Material und Mitarbeiter zu den Baustellen.

Das Fahrzeug vor der Überfahrt.

Ähnlich zuverlässig zeigte sich das Fahrzeug jetzt im Kriegsgebiet. Seit Herbst 2023 pendelte es zwischen den Militäreinheiten der Ukraine und der Front. Die Aufgabe: Verpflegungs- und vor allem Verwundetenfahrten. Unzählige Soldaten holte das Rhyneraner Auto aus den Gebieten, wo der Krieg gegen Russland tobt, in die Lazarette. „Es hat seinen Dienst getan“, berichtet Matthias Hojesch von der befreundeten Organisation „Holtum hilft“. Er ist in ständigem Kontakt zu Hilfskräften in der Ukraine. Einer davon hatte das Fahrzeug im September 2023 aus Deutschland abgeholt.

Das Fahrzeug mit ersten Einschusslöchern nach ersten gefährlichen Fahrten.

„Bei uns hatte der Wagen ausgedient. Viel Geld hätten wir dafür eh nicht mehr bekommen, da kam mir die Idee, bei Thorsten Hazekamp nachzufragen“, erklärt Voss die Entstehungsgeschichte der Spende. Dass das Fahrzeug nun so endete, nehme er so hin. „Hauptsache, den Menschen, die es transportiert hat, geht es gut“, so Voss. „Zudem hat Putin offenbar eine Rakete verschwenden müssen, um unser Fahrzeug aus dem Verkehr zu räumen“, fügt Voss hinzu. Auch wenn der Wagen in Deutschland längst abgemeldet war, trug er noch das alte Kennzeichen „HAM - VO 56.“

Bevor es in die Ukraine gebracht wurde, verpassten die Hilfsgruppen „Holtum hilft“ und „Rhynern hilft“ dem Fahrzeug noch ein besonderes Outfit. Neben den Aufklebern beider Organisationen durften Kinder aus Deutschland, der Ukraine, Polen und Russland das Fahrzeug bemalen. „Die klaren Botschaften der Kinder berühren uns zutiefst, und wir hoffen, dass jeder ihrer Wünsche in Erfüllung geht“, kommentierte „Holtum hilft“ die Aktion auf ihrem Facebook-Auftritt.

Im Kriegsgebiet angekommen, mussten die bunten Bilder und Schriften allerdings weichen. Der Wagen erhielt einen olive-grünen Anstrich, um seine humanitäre Mission zu erfüllen. „Im Laufe der Wochen und Monaten sind sehr viele Menschen mit dem Fahrzeug gerettet worden“, gibt Hojesch die Berichte aus der Ukraine wieder. Und die Missionen seien jedes Mal lebensgefährlich gewesen. Von einer Tour kehrte der Pritschenwagen sichtlich getroffen zurück. Einschusslöcher und zerbrochene Scheiben zeugten davon, dass er mitten im Gefecht unterwegs war. Doch er wurde noch einmal instandgesetzt, um weiter seinen Dienst zu erfüllen. Erst der Raketentreffer Mitte Januar machte ihn endgültig unbrauchbar.

Für Christoph Voss kein Grund, Trübsal zu blasen. „Ich werde mich bemühen, ein weiteres Fahrzeug aufzutreiben“, sagt er. Seine Firma selbst habe zwar im Moment kein Fahrzeug in dieser Altersklasse, aber vielleicht kenne er ja Betriebe, die hier helfen können. „Rhynern und Holtum hilft“ jedenfalls würden sich über eine erneute Spende freuen. Denn der Einsatz des Rhyneraner Opels habe gezeigt, wie sehr mit einer solchen Spende geholfen werden kann. Und leider auch, wie gefährlich die Situation in der Ukraine weiterhin ist.

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