„Wir wollen selbst genießen“

Einheizer für Kapelle bei h4: Wer sind eigentlich diese „Que Pasa?“

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Musikalisches Quartett: „Que Pasa?“ sind Frederik Parton, Sven Kirner, Alexander Pfleiderer und Lorenz Ahlbrand (von links).
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„Que Pasa?“ wollen beim Kulturfest h4 am Samstagabend kräftig einheizen. Dass die Band das kann, hat sie oft genug unter Beweis gestellt. Ein Interview.

Hamm – Die Band „Que Pasa?“ spielt am Samstag ab 19.20 Uhr vor dem Topact Kapelle Petra beim Kulturfest h4 in Hamm. Nicht bei allen Hammern wird da was klingeln. Dabei gibt es die Band schon seit rund 25 Jahren - zumindest mehr oder weniger. Neugierig? Wir wollen aufklären und fragen Frontmann Sven Kirner nach dem wieso, weshalb, warum und wohin!

„Que Pasa?“ hatten 1998 den ersten Auftritt, lösten sich 2006 auf und fanden 2017 in der Besetzung Frederik Parton, Lorenz Ahlbrand (Gitarre), Sven Kirner (Bass, Gesang) und Alexander Pfleiderer (Schlagzeug) wieder zusammen. 2003 und 2004 wurden sie zu „Hamms bester Band“ gekürt...

„Que Pasa?“ heißt auf deutsch „Was passiert?“. Warum habt Ihr diesen spanischen Bandname? Ihr spielt doch Ska und Punk und du singst englisch?

Sven Kirner: Im Jahr der Bandgründung, also im zarten Alter von um die 20, waren wir in einem Spanienurlaub und neben den Worten „una cerveza por favor“ (Ein Bier bitte!), waren das die einzigen Wörter, die wir mitgebracht haben. Mit dem Namen sind wir auch heute noch sehr glücklich, denn neben anderen Bands sticht man heraus und außerdem sind wir keine typische Punkrock-Band, keine typische Ska-Band, singen neben Englisch auch Deutsch, ein nicht typischer Name passt daher bestens.

„Que Pasa?“ vor Kapelle Petra bei h4: Halbes Tempo geht nicht

Anders als der Hauptact des h4-Festivals und eure Vorgänger bei Hamms beste Band, Kapelle Petra, habt ihr nicht an der Musik festgehalten, sondern euch 2006 aufgelöst. Warum?

Sven Kirner: 2006 war der Schritt folgerichtig, da wir an einem Punkt angekommen waren, wo es vom Zeitaufwand schon professionelle Züge erreicht hatte, aber niemand wirklich davon leben konnte. Irgendwann wurden uns dann andere Dinge wichtiger als das fünfte Mal in Rheda-Wiedenbrück zu spielen. Die Tatsache, dass wir dann alle in sehr interessante Berufe eingestiegen sind und jeder einzeln für sich dann auch mit seiner Zeit haushalten musste, kam erschwerend hinzu. Irgendwann mussten wir uns dann entscheiden zwischen Vollgas Musik oder der Bandauflösung. Halbe Geschwindigkeit zu fahren und das Ganze nebenbei zu machen, war dabei nie eine Option.

Gab es je den Gedanken, ganz auf die Musik zu setzen?

Sven Kirner: Auf jeden Fall. Wir sind ja immer mit einem jugendlichen Leichtsinn und einer sehr lockeren Entspanntheit an die Sachen herangegangen und waren dann vom Erfolg schon sehr überrascht. Teilweise sind wir bei irgendwelchen Wettbewerben nur eingesprungen und haben das Ding dann gewonnen, ohne uns wirklich vorzubereiten. Genauso war es auf irgendwelchen Festivals, wo beim ersten Song 300 Menschen vor der Bühne standen und am Ende des Sets 1500 Leute über Bänke und Tische gingen.

Da kam der Gedanke schon mal auf, wie weit es gehen würde, wenn wir das Ganze mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Professionalität angehen würden. Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber wahrscheinlich kam genau in diesem Moment jemand mit einem Sixpack Bier in den Proberaum und dann lag unser Fokus eher darauf und der Gedanke war weg.

„Que Pasa?“ vor Kapelle Petra bei h4: Kinder vor Schlager schützen...

Nach elf Jahren habt ihr 2017 zu einem Benefiz wieder zusammen gefunden – in Originalbesetzung mit Bläsersatz?

Sven Kirner: Nicht ganz. Etwas haben wir durchgetauscht, und unser jetziger Schlagzeuger Alexander war früher unser Posaunist. Unser ehemaliger Schlagzeuger Michael Finkennest spielt allerdings nun bei der Reisegruppe Hardrock genau so wie Andreas Johnen, unser ehemaliger Gitarrist. Da die Reisegruppe Hardrock an diesem Abend auch gespielt hat, war es ein riesiges „Que-Pasa?“-Familientreffen.

Habt ihr seitdem weitere Konzerte gespielt und habt ihr vor, weitere Konzerte zu spielen? Oder spielt ihr „nur“ für euch im Probenraum?

Sven Kirner: Nach dem Benefiz haben wir nur noch einmal auf dem Kurparkfest im darauffolgenden Jahr gespielt, ansonsten ist h4 der erste Auftritt nach fünf Jahren Pause. Daher schlottern uns auch ein wenig die Knie, denn von der Erfahrung ist nicht mehr viel da. Tatsächlich wollen wir aber wieder etwas auf die Bühne zurück, allerdings in einem komplett stressfreien Rahmen. Geplant sind drei bis maximal fünf Auftritte im nächsten Jahr. Das Konzert am 2. März 2024 im Kulturrevier Radbod steht schon fest, alles andere ist in Planung und wird außerhalb Hamms stattfinden.

Und wie reagiert ein jüngeres Publikum? Du bist ja auch Familienvater, finden deine Kinder das gut, was ihr macht?

Sven Kirner: Meine Kinder (4 und 7) sind zum Glück in dem Alter, in dem noch alles ganz cool ist, was Papa so macht. Das wird sich auf jeden Fall bald ändern, aber bis dahin genieße ich noch die Zeit. Sie wollen tatsächlich auch aus freien Stücken kommen, und diesen Moment muss ich zur musikalischen Früherziehung nutzen. Man stelle sich nur mal vor, die beiden hören eines Tages Schlager oder elektronische Musik, davor muss man sie und mich schützen, haha!

„Que Pasa?“ vor Kapelle Petra bei h4: 60 Minuten alles rausfeuern

Habt ihr euch für h4 beworben oder hat die Stadt oder Kapelle Petra euch als Vorband angefragt?

Sven Kirner: Mit Markus von der Kapelle Petra stehe ich ja häufiger in Kontakt – auch zwangsläufig durch den Kapelle Somma im Kulturrevier Radbod. Und als wir wieder einmal ein „Arbeitstreffen“ hatten, bei dem auch mindestens 50 Prozent der Zeit über andere Dinge geredet wird, kam die Idee auf, dass ein Doppelkonzert eine Menge Spaß machen könnte.

Vor Jahren hatten wir schon einmal über ein Zeitreise-Konzert in die 00er- Jahre nachgedacht: also Jugendzentrum Südstraße, Kapelle und „Que pasa?“, drei Mark fünfzig Eintritt. Irgendwie ist es nie dazu gekommen, aber das Kulturbüro hatte ähnliche Ideen zum h4 und schönerweise ein offenes Ohr. Dann haben wir das gemeinschaftlich mal weitergedacht. Ob das eine gute Idee war, zeigt sich am kommenden Samstag, noch bin ich optimistisch, haha.

Was erwartet ihr von dem Festival?

Sven Kirner: Es steckt so viel Arbeit und auch Herzblut in der Planung zum h4, dem können wir nur mit offenen Herzen und großem Respekt begegnen. Wir sind einfach froh, ein kleiner Teil des gesamten Spektakels zu sein und freuen uns sehr, neben beziehungsweise vor den Profis der Kapelle Petra auf der Bühne zu stehen. Außerdem sind wir super aufgeregt, nach fünf Jahren Pause hätte man ruhig eine Nummer kleiner starten können, haha.

Aber wir werden in einer Stunde alles rausfeuern, was wir haben und wollen auch selbst ein wenig genießen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir und auch das Publikum in viele grinsende Gesichter schauen können und wir alle einen mitreißenden Tag erleben werden.

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