Bilanz und Kritik

11.11.: Zülpicher überfüllt, KVB fällt aus – chaotischer Karnevalsstart in Köln

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Köln: Zum Start der Karnevalssession 2023 am 11.11. gab es einen Massenandrang im Zülpicher-Viertel. Das sorgte für Chaos und Kritik. So fällt die Bilanz aus.

Köln – Der 11.11. in Köln hinterlässt bei vielen gemischte Gefühle. Zum ersten Mal seit drei Jahren konnte die Sessionseröffnung 2023 komplett ohne Corona-Einschränkungen stattfinden. Kombiniert mit dem grandiosen Wetter, war die Stimmung bei den Jecken in Köln sehr ausgelassen. Auch die reinen Zahlen zeigten, dass es letztlich eher friedlich zuging. Doch der Massenandrang und das damit verbundene Chaos rund um das Zülpicher Viertel sowie bei der KVB sorgten bei vielen Menschen für Kopfschütteln und Unverständnis. Die Stadt wehrte sich aber gegen Kritik.

Karneval in Köln: Messerstiche, Anzeigen, Wildpinkler – so fällt die Bilanz zum 11.11. aus

Polizei

► 335 Einsätze insgesamt
► 145 Strafanzeigen: Unter anderem 51 Körperverletzungsdelikte, 21 Taschendiebstähle, 8 Sexualdelikte (davon eine wegen Vergewaltigung), 6 Sachbeschädigungen, 2 Raubstraftaten sowie 5 Widerstandshandlungen mit 7 verletzten und 3 nicht mehr dienstfähigen Polizeibeamten.
► 2 Messerangriffe
► 75 Platzverweise
28 alkoholisierte Personen in Polizeigewahrsam genommen
406 Verkehrskontrollen: Dabei 27 Alkoholverstöße und 2 Fahrten unter Drogeneinfluss fest. Es wurden 21 Blutproben angeordnet und 6 Führerscheine sichergestellt.

Ordnungsdienst

► Präventivgespräche Jugendschutz: 206 im Zülpicher Viertel
► Jugendschutz-Maßnahmen: 60 (davon 57 wegen Alkohol)
Ansprachen wegen Glasverbots: 66 Personen und 2 Gewerbebetriebe
► Wildpinkler: 317 (268 Männer und 49 Frauen)
► Auflösung einer Techno-Party bei Kölner Dom: 150 Feiernde waren vor Ort

Rettungsdienst

930 Einsätze insgesamt
► Zülpicher Viertel: 215 Behandlungen, 54 Transporte in Kliniken
► Altstadt: 145 Behandlungen, 30 Transporte in Kliniken

Verkehrsdienst

► Im Kwartier Latäng und im Severinsviertel wurden acht Abschleppvorgänge eingeleitet und 16 Autos verwarnt
► In der Innenstadt waren es ebenfalls acht Abschleppvorgänge und 16 Verwarnungen
► Im Bereich Altstadt Nord mussten zwei Autos abgeschleppt werden. Fünf wurden verwarnt

Stand: 12. November 2022

Deutlich über tausend Polizistinnen und Polizisten waren am Freitag (11. November) zur Sessionseröffnung des Kölner Karnevals im Einsatz. Trotz des großen Andrangs in der Kölner Innenstadt blieb es letztlich aber verhältnismäßig friedlich, wie die Polizei berichtet. Größere Ausnahmen waren zwei Messerangriffe. Einmal wurde eine 27-Jährigen in den Rücken gestochen und leicht verletzt. Beim anderen Vorfall wurde ein ebenfalls 27-Jähriger am Hals geschnitten. Die meisten Vorfälle spielten sich im Kwartier Latäng rund um die Zülpicher Straße sowie dem Aachener Weiher ab.

Fotos vom 11.11. in Köln: So feierten die Jecken den Start in den Karneval

Feiernde am Heumarkt in Köln.
11:11 Uhr am Heumarkt: Die Karnevals-Session ist eröffnet. © Rolf Vennenbernd/dpa
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker beim Start in die neue Karnevals-Session am Heumarkt.
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker beim Start in die neue Karnevals-Session am Heumarkt. © Jöran Steinsiek/Imago
Die Bühne auf dem Heumarkt bei der feierlichen Sessionseröffnung um 11:11 Uhr.
Die Bühne auf dem Heumarkt bei der feierlichen Sessionseröffnung um 11:11 Uhr. © Jöran Steinsiek/Imago
Karnevalisten in Kostüm vor der Bühne am 11.11.2022 in Köln bei der Eröffnung der Karnevals-Session.
Konfetti am Heumarkt: Tausende feiern den Sessions-Start in den Karneval in Köln. © Horst Galuschka/Imago
Das designierte Kölner Dreigestirn bei der Sessions-Eröffnung am Heumarkt.
Das designierte Kölner Dreigestirn bei der Sessions-Eröffnung am Heumarkt. © Rolf Vennenbernd/dpa
Diese Karnevalistin machte direkt ein Selfie mit der Menschenmasse auf dem Heumarkt.
Diese Karnevalistin machte direkt ein Selfie mit der Menschenmasse auf dem Heumarkt. © Christoph Hardt/Panama Pictures /Imago
Karnevalistinnen beim Sessionsauftakt auf dem Heumarkt.
Die Jecken am Heumarkt waren bester Laune. Kein Wunder, schließlich hat auch das Wetter mitgespielt. © Gladys Chai von der Laage/Imago
Andrea Schönenborn und Guido Cantz am Heumarkt in Köln.
Andrea Schönenborn und Guido Cantz haben am Heumarkt als Moderatoren-Team durch die Sessions-Eröffnung geführt. © Jöran Steinsiek/Imago
Henning May, Sänger und Frontmann der Band AnnenMayKantereit.
Mit einem unerwarteten Auftritt sorgte die Band „AnnenMayKantereit“ für eine große Überraschung zum Sessionsauftakt am Heumarkt. © Rolf Vennenbernd/dpa
Die Band Cat Ballou auf der Bühne am 11.11.2022 in Köln bei der Eröffnung der Karnevalsession.
Auch Cat Ballou sind beim Sessions-Auftakt in den Kölner Karneval am Heumarkt aufgetreten. © Horst Galuschka/Imago
Ein Zeppelin-Ballon mit dem Schriftzug „Kölle Alaaf“ am 11.11. über Köln.
Auch aus der Luft gibt es Karnevals-Grüße: Ein Zeppelin-Ballon mit dem Schriftzug „Kölle Alaaf“ am 11.11. über Köln. © Jöran Steinsiek/Imago
Wildpinkler sind am 11.11.2022 in Köln unterwegs.
Trotz vieler WCs: Wildpinkler sind auch am 11.11.2022 in Köln unterwegs – und sorgen vor allem bei Anwohnern für Ärger. © Political-Moments/Imago
Karnevalisten feiern vor dem Dom.
Bereits am frühen Morgen haben zahlreiche Karnevalisten vor dem Kölner Dom gefeiert. © Roberto Pfeil/dpa
Zwei kostümierte Jecken vor dem Kölner Dom.
Die Stimmung bei den Feiernden in Köln ist schon am Freitagmorgen gut. Erstmals seit 2020 wird Karneval ohne Corona-Einschränkungen gefeiert. © Roberto Pfeil
Jecken feiern den Auftakt der Karnevalssession auf dem Heumarkt.
Schon vor dem offiziellen Start um 11:11 Uhr sind tausende am Heumarkt in Köln in Feierlaune. © Rolf Vennenbernd/dpa
Zwischen Seifenblasen und Konfetti warten zwei Karnevalistinnen auf den Sessionsstart in Köln.
Zwischen Seifenblasen und Konfetti warten zwei Karnevalistinnen auf den Sessionsstart in Köln. © Political-Moments/Imago
Karnevalisten feiern vor dem Dom. Heute startet die fünfte Jahreszeit in eine Session ohne Coronarestriktionen.
Großes Jubiläum: In dieser Session werden auch 200 Jahre Kölner Karneval gefeiert. © Roberto Pfeil/dpa
Feiernde Karnevalisten in Köln, mit bunten Kostümen.
Bunt kostümiert und mit bester Laune warten die Jecken in Köln auf den Sessionsstart um 11:11 Uhr. © Political-Moments/Imago
Feiernde auf der Zülpicher Straße in Köln.
An der Zülpicher Straße ist es schon am Freitagmorgen voll. Der Bereich gilt als Party-Hotspot beim Karneval in Köln – und sorgt immer wieder für Diskussionen. © 24RHEIN
Eine Bahn der KVB mit dem Schriftzug „Kölle Alaaf“.
Auch die SWB (Stadtwerke Bonn) grüßen am Freitagmorgen die Domstadt Köln mit einem „Kölle Alaaf“. © Ippen Media

Im Uni-Viertel gab es „schon in den frühen Nachmittagsstunden immer wieder deutlich erkennbare Polizeipräsenz“, sagte ein Polizeisprecher am Freitagabend. Die Gründe: Erhöhter Alkoholkonsum und das daraus resultierende Aggressionspotential. Aufgrund der schieren Masse an Menschen mussten sogar weitere Einheiten der Bereitschaftspolizei NRW nach Köln beordert werden. In den anderen Karnevals-Hotspots am Heumarkt, Alter Markt und der Südstadt mussten Polizei, Ordnungsamt oder Rettungsdienst derweil eher weniger eingreifen.

11.11. in Köln: Zülpicher Viertel früh überfüllt – KVB stellte Bahn-Betrieb in Innenstadt ein

Trotz relativ wenig Gewalttaten, kam es am 11.11. zum Chaos, doch was war eigentlich genau passiert? Bereits früh machten sich viele tausende Menschen zum beliebten Zülpicher Viertel auf. So viele, dass noch vor dem offiziellen Karnevalsstart um 11:11 Uhr die Zugänge geschlossen werden mussten. In der Folge sammelten sich Zehntausende Feiernde auf den Entlastungsflächen der Uniwiesen, direkt an bzw. vor der Zülpicher Straße. Da auch diese schnell überfüllt waren, weitete sich die Masse bis zum Aachener Weiher aus.

11.11. in Köln: Fotos zeigen überfülltes Zülpicher Viertel an Karneval

Feiernde auf der Zülpicher Straße in Köln.
Am späten Nachmittag ist es auf der Zülpicher Straße immer noch voll, aber nicht mehr so überfüllt, wie noch am Mittag. © 24RHEIN
Polizei in Schutzkleidung sichert die Absperrungen an der Zülpicher Straße.
Polizisten in Schutzkleidung sichern die Absperrungen an der Zülpicher Straße. © Thomas Banneyer/dpa
An der Zülpicher Straße feiern Zehntausende Karneval am 11.11. in Köln.
Party-Zone: An der Zülpicher Straße feiern Zehntausende Karneval am 11.11. in Köln. © Ippen Media
Polizeibeamte haben den Zugang zur Zülpicher Straße wegen Überfüllung abgeriegelt.
Der Zugang zur Zülpicher Straße in Köln wurde wegen Überfüllung von der Polizei abgeriegelt. © Thomas Banneyer/dpa
Eine Polizeikette steht an der Absperrung zum Zülpicher Viertel.
Eine Polizeikette steht an der Absperrung zum Zülpicher Viertel. © Thomas Banneyer/dpa
Zahlreiche Karnevalisten stehen an einer Absperrung, da Polizeibeamte den Zugang zur Zülpicher Straße wegen Überfüllung abgeriegelt haben.
Mit digitalen Anzeigen weist die Stadt darauf hin, dass das Zülpicher Viertel geschlossen wurde. © Thomas Banneyer/dpa
Tausende Feiernde auf der Zülpicher Straße in Köln.
Schon am Vormittag war es auf der Zülpicher Straße voll. © Thomas Banneyer/dpa
Dicht gedrängt stehen die Menschen zum Karnevals-Auftakt auf der Zülpicher Straße in Köln.
Dicht gedrängt stehen die Menschen zum Karnevals-Auftakt auf der Zülpicher Straße in Köln. © Thomas Banneyer/dpa
Feiernde an einem Zugang an der Zülpicher Straße.
Auch an den Zugängen zur Zülpicher Straße war das Gedränge schon am Mittag groß. © 24RHEIN
Polizisten stehen an einem abgesperrten Zugang zum Zülpicher Viertel in Köln.
Polizisten stehen an einem abgesperrten Zugang zum Zülpicher Viertel in Köln. © Thomas Banneyer
Polizei kontrolliert das abgeriegelte Kwartier Latäng beim Auftakt des Kölner Karnevals auf der Zülpicher Straße.
Polizeikontrollen am abgeriegelten Kwartier Latäng beim Auftakt des Kölner Karnevals auf der Zülpicher Straße. © Christoph Hardt/Panama Pictures/Imago
Ein Fahrzeug der Polizei auf dem Weg zum Haupteingang im Zülpicher Viertel in Köln.
Gegen 13:30 Uhr ist die Polizei mit mehreren Fahrzeugen Richtung Haupteingang im Zülpicher Viertel gefahren. © 24RHEIN

Die Menschenmasse war letztlich so groß, dass die Zugänge zum Zülpicher Viertel quasi überrannt wurden. Nur dank der Hilfe von zwei Einsatzhundertschaften der Polizei konnte die Lage beruhigt werden. Doch Folgen hatte die Überfüllung dennoch, denn die KVB stellte mittags den Stadtbahnverkehr im Innenstadtbereich komplett ein. Bis in der Nacht zum Samstag (12. November) fuhr dort keine Linie mehr. Durch den Einsatz der Polizei musste zudem der Bahnhof Köln-Süd geschlossen werden. Jeweils auf Bitten der Polizei und Stadt Köln.

Chaos am 11.11. in Köln sorgt für Kritik: Innenstadt-Bürgermeister entsetzt – Reker wehrt sich

Der Zugang zur Zülpicher Straße in Köln wurde wegen Überfüllung von der Polizei abgeriegelt.

Das ganze Geschehen rund um das Zülpicher Viertel am 11.11. zog schnell deutliche Kritik nach sich. Allen voran beklagte sich der zuständige Innenstadt-Bürgermeister Andreas Hupke über „Bilder wie am Ballermann“. Er betrachtet das von der Stadt lange geplante Sicherheitskonzept für das Zülpicher Viertel als gescheitert. Diese hatte vor allem die Zugangsregelungen zur beliebten Festmeile zentralisiert.

Für eine Bewertung des Sicherheitskonzeptes sei es noch zu früh, sagte derweil der Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel am Freitagnachmittag. Am Samstag (12. November) äußerte sich die Stadt Köln schließlich zu dem Sicherheits- und Sperrkonzept. „Wir werden in den kommenden Tagen alle Einsatzbilanzen zusammentragen, daraus ergibt sich dann ein Gesamtbild. Wir werden es analysieren und beraten, was gut und was weniger gut funktioniert hat, damit wir für den Straßenkarneval gegebenenfalls notwendige Anpassungen vornehmen können“, kündigte Stadtdirektorin Andrea Blome an.

Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker wehrte sich gegen Kritik. Am Freitagnachmittag hatte auch sie ein erstes größeres Statement abgegeben:

Reker zum Sicherheitskonzept für das Zülpicher Viertel am 11.11.: „Hier ist natürlich festzustellen, dass zu viele Menschen auf zu kleinem Raum sind. Wir haben das Sicherheitskonzept ja nicht in der letzten Woche vor dem 11.11. gemacht, sondern hatten dafür viel Zeit und haben sie gut genutzt. Deshalb ist es auch so umfangreich geworden. Dass ich es erst dem runden Tisch vorstellen wollte, war ja klar.“

Reker zu den Zuständen im Zülpicher Viertel: „Man mag das jetzt schön finden, wie hier gefeiert wird, oder nicht, aber: ‚Mer bruche keiner dä uns säht, wie mer Fastelovend fiere deit‘, und das tun eben die jungen Leute so. Wir müssen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sie es in Sicherheit und Ordnung machen können. Wenn das heute so weitergeht wie bisher und nichts Schlimmes mehr passiert, bin ich letztlich zufrieden, wenn die Polizei es abschließend bewertet und mir eine Maßgabe gibt, denn der Karneval, die 200-jährige Session steht bevor. Wir wollen auch aus heute lernen. Aber eines steht fest: Wir können die Menschen nicht davon abhalten, nach Köln zu kommen oder auf ihre Art Karneval zu feiern.“

Reker zu einer möglichen, weiteren Entlastungsfläche weiter entfernt vom Zülpicher Viertel: „Es hat sich kein Veranstalter, kein Gastronomen-Konsortium gefunden, die diese Veranstaltung dann übernommen hätten. Zudem wäre es nicht sicher, dass wir die Ströme der Jugendlichen, die hier auf der Straße feiern, zu dieser Veranstaltung hätten bringen können. Zudem wären dann vielleicht sogar noch mehr Menschen in die Stadt gekommen. Wer immer eine gute Idee hat, wie man diese Ströme so steuern kann, dass es völlig unproblematisch wird, ist Herzlich Willkommen.“

(os mit dpa/ots) Dieser Text wurde am 12. November um 18:29 Uhr inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Aktuelle Zahlen in den Bilanzen ergänzt/aktualisiert/korrigiert.

Rubriklistenbild: © Thomas Banneyer/dpa

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