VonDirk Wilmsschließen
Da prallten einmal mehr die Gegensätze aufeinander. Dominic Mertens, sachkundiger Bürger aus den Reihen der CDU im Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Planung, Natur und Klimaschutz, klagte sein Leid: „Wenn ich nach Feierabend noch bei Rossmann vorbeifahre, finde ich kaum einen Parkplatz!“ Dem entgegnete Monika Korn von der FDP: „Ich kriege in Welver immer einen Parkplatz. Man darf auch nicht alles zerreden. Wir sollten froh sein, dass man in Welver kostenlos parken kann. Das ist in den Nachbarstädten anders.“
Welver – Anlass für die Debatte war die Vorstellung der Parkraumanalyse, die Markus Grundmann von Planersocietät aus Dortmund vorstellte. Tenor seiner Aussagen: „Im Untersuchungsgebiet liegt kein Parkdruck vor!“ Mit anderen Worten: Es gibt genug Parkplätze im Zentralort; sei es aktuell oder auch nach der Umgestaltung der Ortsmitte im Rahmen des ISEK, die bald beginnen soll.
Grundmann untermauerte seine Analyse mit etlichen Zahlen. Demnach gibt es in Welvers Zentrum zwischen dem Ostbusch und der Reiherstraße, zwischen Starenschleife und Bahnhofstraße 388 Parkplätze, davon 181 unbewirtschaftete, also ohne Parkzeitbegrenzung, sowie 31 mit einer Stunde Parkzeit und 45 mit zwei Stunden Parkzeit. Zudem sind 90 Kundenparkplätze ohne zeitliche Begrenzung und 34 Kundenparkplätze mit einer Stunde Parkzeit vorhanden. Schließlich sind noch sieben Behinderten-Parkplätze aufgelistet.
Diese Parkplätze wurden am Donnerstag, 27. April, von 6 bis 19 Uhr, sowie am Freitag, 28. April, von 6 bis 14 Uhr, unter die Lupe genommen, pro Stunde die belegten Plätze gezählt. Somit wurde ein normaler Werktag und ein Freitag mit dem Wochenmarkt ausgewählt. Dabei ergab sich, dass am Donnerstag über alle Flächen gesehen, zwischen 11 und 12 Uhr die stärkste Belegung zu verzeichnen war, die bei 49 Prozent lag. Nach Umsetzung des ISEK und der damit verbundenen Reduzierung der Parkflächen am Marktplatz und in der Straße Am Markt um elf Stellplätze läge die Auslastung bei 52 Prozent.
Die am stärksten frequentierte Parkfläche ist der Park-and-Ride-Platz am Ostbusch mit Werten von 71 bis 94 Prozent zwischen 8 und 16 Uhr. In der Spitze waren dort zwischen 11 und 12 Uhr 58 der 62 Parkplätze besetzt. „Dabei sind die Wildparker entlang des Ostbusches nicht berücksichtigt, sonst wären wir bei über 100 Prozent“, sagte Grundmann. In diesem Bereich bestehe Parkdruck.
Freitags ist während des Wochenmarktes eine etwas höhere Belegung der Parkplätze zu verzeichnen, die Auslastung betrug 57 Prozent zwischen 11 und 12 Uhr; nach Umsetzung des ISEK läge sie bei 60 Prozent. Der Park-and-Ride-Platz ist hingegen freitags nur bis zu maximal 73 Prozent ausgelastet. „Freitags ist ein typischer Home-Office-Tag“, verwies Grundmann darauf, dass die Anzahl der Pendler am letzten Werktag in der Regel geringer ist. Vielmehr sind am Freitag – wohl in erster Linie wegen des Marktes – mehr Ultrakurzparker registriert worden.
In seiner Analyse empfahl Grundmann, den Park-and-Ride-Platz vielleicht in Form eines Ticketings zu bewirtschaften, um die Fremdparker dort zu entfernen. Denn im Zuge des Ausbaus des Bahnhaltepunktes dürften womöglich noch mehr Pendler die Gelegenheit nutzen, in Welver auf die Bahn umzusteigen.
Darauf wies auch Kay Philipper von Welver 21 hin, der die Analyse vor etwa zwei Jahren beantragt hatte. Er mahnte auch an, bei allen Überlegungen die Belange des Handels im Ort zu berücksichtigen. „Es gibt einen Aufschrei, wenn man nicht mehr direkt vor den Läden parken kann“, fürchtete er Proteste. Und Peter Holuscha von der BG fügte an, dass bei der Bebauung der Fläche zwischen Bärbels Imbiss und der Starenschleife 29 Parkplätze wegfallen würden.
Gleichwohl bleibt die Auslastung der Parkplätze in Welvers Zentrum überschaubar, zumal Grundmann noch auf neue Parkplätze verwies, die im Zusammenhang mit der Umsetzung des Projekts „Alter Kornspeicher“ auf dem ehemaligen Raiffeisen-Gelände entstehen sollen.
Gegenüber dieser Zeitung machte er deutlich, dass in Sachen Parkplätze bisweilen unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten bestehen: „Da prallen Ideologien aufeinander!“ So beobachtete er nach der Sitzung, dass auf dem Marktplatz viel mehr Autos standen als auf den sieben eingezeichneten Flächen eigentlich erlaubt.
Die Politik nimmt die Analyse jetzt mit zur Beratung in den Fraktionen, so der Beschluss im Ausschuss. Außerdem wurde die Verwaltung beauftragt, die Parkraumanalyse auch auf die vier Kirchdörfer zu erweitern.
