Fischlaken

Eines der ältesten Dörfer an der Ruhr ist ein heute beliebtes Ausflugsziel

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Am Südufer des Baldeneysees in Essen findet sich eines der ältesten Dörfer an der Ruhr. Und auch über den Stausee hinaus gibt es dort einiges zu sehen.

Essen – Der Baldeneysee ist einer der wichtigsten Naherholungsorte in NRW. Dafür strömen mehrere Millionen Besucher pro Jahr in den Süden von Essen, darunter Wanderer, Angler und Segler. Wer sich jedoch gen Südufer des Baldeneysees begibt, stößt dort auf ein weniger bekanntes Ausflugsziel: der Stadtteil Fischlaken. Denn das Örtchen, das vor knapp 100 Jahren Teil von der Ruhrgebietsstadt wurde, ist eines der ältesten Dörfer an der Ruhr – und hat einiges zu bieten.

Essener Stadtteil Fischlaken ist wohl das älteste Dorf an der Ruhr

Heutzutage wohnen gut 4.500 Menschen in Essen-Fischlaken. Die Siedlung hat jedoch eine längere Historie als die Ruhrgebietsstadt: Erstmalig fand sie als „Villa Fiscu“ im Jahr 796 Erwähnung, wie der Landschaftsverband Rheinland (LVR) auf dem KuLaDig-Portal schreibt. Bei einigen Historikern gilt die Gemeinde deshalb nicht nur als eines der, sondern als das älteste Dorf entlang der Ruhr. Der Name des Weilers bedeutet übersetzt so viel wie „Fischtümpel“ oder „Fischteich“.

Das Gelände war durch seine Nähe zum Gewässer durch besonders fruchtbare Böden geprägt. Deshalb wurde im alten Kern des Dorfes vor allem Ackerbau betrieben. „Die Erträge reichten aus, um eine geschlossene Siedlung mit mehreren Höfen anlegen zu können“, schreibt der LVR. Weiter südlich Richtung Bergisches Land eigneten sich die kargeren Böden eher als Weideland – und damit für die Viehzucht. Dort siedelten sich damals deshalb nur vereinzelt Landwirte mit ihren Höfen an.

Das östliche Ufer des Baldeneysees im Essener Ortsteil Fischlaken. (Archivbild)

Vieles erinnert in Fischlaken noch heute an das Mittelalter

Seit dem Mittelalter könnte sich die Anordnung der Höfe im Dorfbild kaum verändert haben, schreibt der LVR. Zwar ist heutzutage natürlich vieles moderner, doch auch im 21. Jahrhundert betreiben viele Menschen dort weiterhin Landwirtschaft. Eine Reihe der Höfe aus dem 18. und 19. Jahrhundert gaben der Straße „Fischlakener Höfe“ ihren Namen und sind noch heute in dem Essener Stadtteil zu finden. Die Straße führt vom Südufer des Baldeneysees bis zum industriellen Siedlungskern von Fischlaken.

Von Fischlaken aus präsentiert sich Besucherinnen und Besuchern ein idyllischer Blick über den Baldeneysee.

Eine nennenswerte, räumliche Erweiterung hat der Weiler Fischlaken laut dem LVR seither nicht erfahren. Man findet dort Fachwerk- und Bruchsteinhäuser, die häufig von Hecken und Obstgärten umgeben sind. Am Rand der Siedlung sind entlang von Steilhängen und Kerbtälchen zudem kleinere Waldflächen zu finden, wie die Stadt Essen schreibt. Mit der Ansiedlung von Menschen sind über die Jahrhunderte auch dichtere Wohnviertel entstanden.

Wasserburg & historische Bahn: Ausflugsziele in Fischlaken

Doch neben dem Ufer des Baldeneysees finden sich auch verschiedene andere Ausflugsziele auf dem gut neun Quadratkilometer großen Areal. Dazu zählt beispielsweise eine Burg aus dem Mittelalter, das Haus Scheppen. Das adlige Lehnsgut der Herren von Scheppen stammt aus dem 14. Jahrhundert, schreibt die Essen Marketing GmbH. Durch die Aufstauung der Ruhr ist das Gelände mittlerweile zu einer Wasserburg geworden. Die Ruine ist heutzutage ein beliebter Treffpunkt.

Regelmäßig fährt die Hespertalbahn zwischen den Essener Stadtteilen Fischlaken und Kupferdreh, wie hier bei einem Kinderfest im September 2022. (Archivbild)

Vom Haus Scheppen fährt regelmäßig die Hespertalbahn mit ihren historischen Wagen Richtung Essen-Kupferdreh und zurück. Bis 1973 wurden die Gleise von einer Schmalspurbahn verwendet, die zur Erschließung der ehemaligen Zeche Pörtingsiepen diente. Als letzes Bergwerk in Fischlaken wurde die Zeche vor gut 50 Jahren stillgelegt. Als Denkmal für die Essener Historie im Steinkohleabbau findet sich auf dem Zechengelände noch heute eine Seilscheibe. (mg)

Rubriklistenbild: © Funke Foto Services/Imago

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